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Keine sexuelle Selbstbestimmung Millionen Frauen fehlt Zugang zu Verhütung

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Im Jahr 2050 werden es nach Prognosen der Vereinten Nationen 9,8 Milliarden Menschen auf der Welt sein.

(Foto: picture alliance/dpa)

Es gibt verschiedene Gründe, warum Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter die Einnahme von Verhütungsmitteln verwehrt wird. Ein UN-Bericht prangert an, dass dies in vielen Entwicklungsländern noch immer der Fall ist. Eine Folge: Die Versorgung der Weltbevölkerung gerät in Gefahr.

Rund 214 Millionen Frauen und Mädchen weltweit haben keinen Zugang zu zuverlässigen und modernen Verhütungsmitteln. Von diesem Mangel ist somit jede vierte gebärfähige Frau in Entwicklungsländern betroffen, wie aus einem Bericht des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) hervorgeht. Der Weltbevölkerungsbericht mit dem Titel "Unfinished Business - Reproduktive Rechte und Entscheidungsfreiheit für alle" kritisiert, dass "politische, ökonomische und soziale Umstände" sowie "kulturelle Normen" einen ungehinderten Zugang zu Verhütungsmitteln und Geschlechter-Gerechtigkeit beeinträchtigten.

Dies führe dazu, dass die sexuelle Selbstbestimmung in vielen Ländern noch lange nicht verwirklicht sei. Für eine zukunftsfähige und an den Menschenrechten orientierte Bevölkerungspolitik wäre sie laut UNFPA aber unerlässlich. Universeller Zugang "zu sexueller und reproduktiver Gesundheit" sei "entscheidend für die Erreichung der in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung formulierten Ziele", erklärte UNFPA-Exekutivdirektorin Natalia Kanem anlässlich des 50. Gründungsjubiläums ihrer Organisation. "Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten viel erreicht", sagte sie gegenüber n-tv.de. "Aber es gibt noch viel zu tun."

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Derzeit leben nach Angaben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung knapp 7,7 Milliarden Menschen. Im Jahr 2050 werden es nach Prognosen der Vereinten Nationen 9,8 Milliarden Menschen sein. Entwicklungsminister Gerd Müller warnte vor schweren Versorgungsproblemen in Teilen der Welt. Ohne Änderungen werde es in Afrika bis 2050 eine Verdoppelung der Bevölkerung geben. Nigeria sei dann das Land der Erde mit der drittgrößten Zahl an Menschen.

Täglich wachse die Weltbevölkerung um 230.000 Menschen, im Jahr um über 80 Millionen und davon zwei Drittel in Entwicklungsländern. "Die Bevölkerungsexplosion in der Welt ist nicht nur Freude, natürlich Freude über viele Babys, Kinder, sondern zugleich eine Herausforderung", sagte der CSU-Politiker. "Gewinnt der Storch oder gewinnt der Pflug? Das ist die spannende Frage." Das klare Signal sei, "wir müssen Frauen stärken und Familienplanung ermöglichen, insbesondere in den Entwicklungsländern".

Armut erschwert Zugang zu Mitteln

Die Geschwindigkeit des Bevölkerungswachstums habe in den 1960er- und 1970er- Jahren eine große Besorgnis ausgelöst, teilte UNFPA zu dem Bericht mit. Mit einem weltweiten Durchschnitt von 2,5 Kindern pro Frau habe sich diese Rate seit dem Jahr 1969 aber beinahe halbiert. Inzwischen benutze mehr als die Hälfte aller verheirateten Frauen eine moderne Verhütungsmethode. Gleichstellung sei der Schlüssel zur Stärkung der reproduktiven Rechte von Frauen und Männern.

Die UN-Organisation forderte Regierungen und die Zivilgesellschaft auf, es dürfe keinen ungedeckten Bedarf an Verhütungsmitteln geben, keine vermeidbare Müttersterblichkeit und keine Gewalt gegen oder Praktiken zum Schaden von Frauen und Mädchen, darunter Kinderehen und Genitalverstümmelung. Der Anteil der Frauen, die Verhütungsmittel nutzen könnten, hat sich dem Bericht zufolge in den vergangenen fünf Jahrzehnten mehr als verdoppelt: Waren es 1969 noch 24 Prozent, so erhöhte sich die Zahl auf 58 Prozent im Jahr 2019.

Es gilt jedoch: Je ärmer die Frauen sind, desto geringer ihre Chance, an die Mittel zu kommen - das gilt sowohl in Industrie- wie auch in Entwicklungsländern. UNFPA-Geschäftsführerin Kanem erklärte, ohne diesen Zugang fehle den Frauen die Macht, Entscheidungen über ihren eigenen Körper zu treffen, darunter, ob sie schwanger werden wollten. Deswegen könnten sie auch nicht ihre eigene Zukunft gestalten.

Sexuelle Aufklärung vielerorts beeinträchtigt

Im Jahr 2019 benötigen nach Schätzungen des Bevölkerungsfonds weltweit rund 35 Millionen Frauen, Mädchen und Jugendliche lebensrettende Gesundheitsmaßnahmen im Bereich sexueller Gesundheit, bei Schwangerschaft, Abbrüchen und Geburt.

Indes leide die sexuelle Aufklärung vielerorts unter fehlendem Zugang zu Informationen und Gesundheitsdienstleistungen. Es sei "höchste Zeit", die Ziele des auf der Kairoer Weltbevölkerungskonferenz 1994 geschlossenen Abkommens stärker in aktuelle Entwicklungsstrategien zu integrieren, erklärte Renate Bähr, Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW). Dazu gehöre auch, dass junge Frauen weltweit während der Schwangerschaft und der Geburt ihres Kindes angemessen versorgt würden.

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Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/AFP

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