Panorama

Ratzinger trage Mitschuld Missbrauchsopfer verklagt Ex-Papst Benedikt

Der emeritierte Papst hatte

Der emeritierte Papst hatte "Kenntnis von allen Umständen und hat es zumindest billigend in Kauf genommen, dass dieser Priester ein Wiederholungstäter ist", heißt es. 

(Foto: picture alliance/AP Photo)

Der Fall um den pädophilen Priester Peter H. bringt den emeritierten Papst Benedikt erneut in Bedrängnis. Ein Opfer des Priesters hat laut Berichten nun Klage gegen ihn eingereicht, da er gewusst haben soll, dass es sich um einen Wiederholungstäter handelte. Muss sich der 95-Jährige bald vor einem weltlichen Gericht mitverantworten?

Ein Opfer des pädophilen Priesters Peter H. hat eine Klage gegen Kardinal Joseph Ratzinger - also dem emeritierten Papst Benedikt XVI. - und weitere Kirchenvertreter eingereicht. Das berichteten der Rechercheverband Correctiv, die "Zeit" sowie der Bayerische Rundfunk. Demnach muss sich der 95-Jährige womöglich vor einem weltlichen Gericht wegen des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche mitverantworten. Der emeritierte Papst hatte "Kenntnis von allen Umständen und hat es zumindest billigend in Kauf genommen, dass dieser Priester ein Wiederholungstäter ist", heißt es demnach in der Klageschrift.

Der mittlerweile 38-jährige Kläger wirft dem emeritierten Kirchenoberhaupt vor, den Priester trotz besseren Wissens bei der Gemeindearbeit mit Kindern und Jugendlichen eingesetzt zu haben. Ex-Papst Benedikt hatte H. in seiner Zeit als Erzbischof Joseph Ratzinger Anfang der 1980er Jahre in sein Bistum München und Freising aufgenommen, obwohl H. als pädophil vorbestraft bekannt war. In Bayern beging der Priester dann weitere Missbrauchstaten.

Die Taten sind strafrechtlich weitgehend verjährt. Der Anwalt des nun klagenden Mannes aus Bayern, der Berliner Strafverteidiger Andreas Schulz, hat dem Bericht zufolge eine Feststellungsklage eingereicht, um eine Feststellung der Schuld der Kirche zu erreichen. Sollte das Gericht zu dem Schluss kommen, dass der damalige Priester H. den Kläger missbraucht hat, könnte die Kirche "zum Ersatz des Schadens ihm gegenüber verpflichtet" sein, zitieren die Medien aus der Klageschrift. Die beim Landgericht Traunstein eingereichte Klage richtet sich dem Bericht zufolge unter anderem auch gegen Kardinal Friedrich Wetter und den Generalvikar der Erzdiözese München und Freising, Christoph Klingan. Laut dem Opfer-Anwalt geht es um eine "gesamtschuldnerische Haftung" für Ratzinger, Wetter und das Erzbistum München und Freising für die "Duldung" des sexuellen Missbrauchs an dem Kläger.

Pädophiler Priester Peter H. nicht mehr in Klerikerstand

Der im Zusammenhang mit massiven Vorwürfen gegen den emeritierten Papst Benedikt XVI. stehende Priester Peter H. aus dem Bistum Essen ist in diesem Jahr aus dem Klerikerstand entlassen worden. Im Rahmen eines laufenden kirchenrechtlichen Verfahrens habe der Vatikan H. die Rechtsbelehrung erteilt, dass er angesichts der Vorwürfe selbst die Entlassung aus dem Priesterstand beantragen könne, hatte das Bistum Essen mitgeteilt. Davon habe der als Pädophiler verurteilte H. Gebrauch gemacht, inzwischen sei seine Laisierung erfolgt.

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Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hatte dem nun ehemaligen Geistlichen 2010 die Ausübung priesterlicher Dienste untersagt, ihn aber weiter unter Weisungsaufsicht des Bistums gehalten. 2020 beorderte Overbeck den bis dahin in Bayern lebenden H. ins Ruhrbistum zurück, um ihn engmaschiger kontrollieren zu können. In einem Brief an den Vatikan warnte Overbeck dem Bistum zufolge vor der Laisierung. Wenn H. nicht mehr zum Klerus gehöre, "werden diese Bemühungen in dem Umfang, wie es jetzt geschieht, auf Dauer nicht weitergeführt werden können". "Das sehe ich nicht ohne Sorge", habe Overbeck dem Vatikan geschrieben. Das Bistum erklärte, zwar mit H. im Gespräch zu sein. Dieser unterliege nun aber keiner kirchlichen Weisungsbefugnis mehr.

Der Fall des pädophilen Geistlichen führte international zu Kritik am emeritierten Papst Benedikt. Benedikt hatte in einer von ihm unterschriebenen Stellungnahme zum Münchner Missbrauchsgutachten bestritten, an der Sitzung zur Aufnahme von H. teilgenommen zu haben. Später musste er diese Angabe korrigieren und gab die Verantwortung dafür seinen Rechtsberatern, die einen Fehler beim Erstellen der Stellungnahme gemacht hätten.

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 22. Juni 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, ysc/AFP

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