Panorama

Getötete Tramperin Mörder von Sophia muss lebenslang in Haft

Ein Jahr nachdem Tramperin Sophia von einem Lastwagenfahrer getötet wird, fällt das Landgericht Bayreuth sein Urteil gegen den Mann. Das Gericht ist sicher: Es war Mord. Der Täter muss nun lebenslang in Haft.

Im Fall der getöteten Tramperin Sophia Lösche hat das Landgericht Bayreuth den Angeklagten zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht verurteilte den Lastwagenfahrer Boujemaa L. wegen Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung an der 28 Jahre alten Studentin. Damit folgte das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft, die Verteidigung sah in der Tat einen milder zu bestrafenden Totschlag.

Nach zweimonatiger Prozessdauer kam das Gericht aber wie die Anklage zu der Überzeugung, dass der aus Marokko stammende Mann Sophia im Juni vergangenen Jahres im Streit niedergeschlagen und schwer verletzt sowie sie dann bei einer zweiten Attacke getötet hatte. Dabei handelte es sich nach Überzeugung des Gerichts um Mord zur Verdeckung der vorangegangenen Körperverletzung.

Der Vorsitzende Richter Bernhard Heim sagte, L. sei nicht wie ursprünglich angeklagt ein strafbares Sexualdelikt als Mordmotiv nachzuweisen gewesen. Allerdings habe er die Fahrt mit der Tramperin auf dem Parkplatz Sperbes unterbrochen, um sich ihr "sexuell motiviert" anzunähern. Die Studentin habe den verheirateten Familienvater deutlich zurückgewiesen. Dies habe diesen so "massiv gekränkt", dass sich ein Streit entwickelt habe, in dem ihm Sophia womöglich mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen habe.

"Die Sicherungen rausgehauen"

124142667.jpg

Das Gericht folgte der Staatsanwaltschaft - und verurteilte Boujemaa L. wegen Mordes.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dies habe, so der Richter, bei L. "die Sicherung rausgehauen". "Dieser Schlag ins Gesicht war es letztlich, der den leicht reizbaren, zu Aggressivität neigenden Angeklagten vollends in Rage versetzt hat." Er habe mindestens viermal mit einem Radmutterschlüssel auf Sophias Kopf eingeschlagen und sie massiv verletzt, sagte der Richter.

Der 42-Jährige habe bei dieser Attacke im Affekt mit womöglich verminderter Schuldfähigkeit gehandelt. Allerdings war Sophia nach Überzeugung des Gerichts zu diesem Zeitpunkt nicht tot. L. sei anschließend noch zehn oder 20 Minuten über den Rastplatz spaziert und habe nachgedacht. Den Gedanken, womöglich Hilfe zu holen, habe er verworfen. Als er in den Lastwagen zurückgekehrt sei, habe er Sophia dann die tödlichen Schläge zugefügt.

Der Lastwagenfahrer hatte die Tat zu Prozessbeginn gestanden. Das Gericht bewertete das Geständnis mit Ausnahme von Details als glaubwürdig. Nach Angaben des Verteidigers Karsten Schieseck verzichtet sein Mandant trotz der lebenslangen Haft womöglich auf Rechtsmittel. "Der Angeklagte neigt dazu, das Urteil anzunehmen", sagte Schieseck. Der Verteidiger sagte, das Gericht sei mit dem Urteil zur Sachlichkeit in dem Fall zurückgekehrt. Dies bezog er auf den fallengelassenen Vorwurf des Sexualdelikts und auch auf den Verzicht auf die von Sophias Familie geforderte Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Der Rechtsanwalt der Familie, Valentin Barth, sagte, das Urteil werde nun geprüft.

Kritik an Ermittlern

Die Familie von Sophia hatte im Internet selbst nach Sophia gesucht und den nun verurteilten Fernfahrer kontaktiert, bevor ihn die Polizei fand. Wiederholt hatten die Angehörigen die Arbeit der deutschen Ermittler kritisiert. Sie hätten Sophia lange als Vermisstenfall eingestuft, obwohl von Anfang an der Verdacht auf ein Gewaltverbrechen vorgelegen habe. Zudem habe die Kommunikation zwischen den Bundesländern Bayern und Sachsen nicht funktioniert, hatte Sophias Bruder Andreas Lösche gesagt.

Der Richter würdigte nun die "bemerkenswerten Erfolge" der privaten Suchaktion. Vorwürfe einer nachlässigen Fahndung wies er jedoch zurück, für eine pauschale Kritik hätten sich keine Anhaltspunkte ergeben. Sophia sei zudem bereits tot gewesen, als die Familie die Polizei eingeschaltet habe.

Der Fall Sophia hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht, Rechtspopulisten versuchten, den Tod der Studentin zu instrumentalisieren. Unter anderem hatten Teilnehmer einer AfD-Demo in Chemnitz bei einem "Schweigemarsch" im vergangenen Jahr das Foto der Studentin im Großformat durch die Innenstadt getragen. Die Familie Lösche betonte vor diesem Hintergrund immer wieder, dass es in dem Verfahren nicht um Gewalt von Flüchtlingen gehe, sondern um Gewalt gegen Frauen.

Quelle: n-tv.de, ftü/AFP/dpa

Mehr zum Thema