Panorama

Rückkehrer aus Seuchengebiet Moskau lässt Luftwaffe nicht zwischenlanden

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Der A310 "Kurt Schumacher" - hier kurz vor dem Abflug in Wuhan - muss einen Umweg fliegen.

(Foto: dpa)

Eigentlich soll der Airbus der Luftwaffe über 120 Menschen aus dem Coronavirus-Seuchengebiet über Moskau nach Frankfurt bringen. Doch die russische Seite verweigert überraschend die Zwischenlandung. Der A310 muss nun eine neue Route wählen.

Die Rückkehr der Deutschen aus dem chinesischen Wuhan verzögert sich wegen eines diplomatischen Eklats. Russland habe der deutschen Luftwaffen-Maschine aus Wuhan die vorher in Aussicht gestellte Landegenehmigung für einen Zwischenstopp auf dem Moskauer Flughafen verweigert, sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. In Moskau sollte die Maschine der Flugbereitschaft betankt und die Pilotencrew ausgetauscht werden.

Der Kommandeur der Flugbereitschaft, Daniel Draken, sagte der "Bild"-Zeitung: "Russland hat uns zwar den Überflug genehmigt. Aber eine Landung an den Moskauer Flughäfen wurde mit Verweis auf mangelnde Kapazitäten am Boden verweigert." Kramp-Karrenbauer ließ durchblicken, dass sie sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden geben wolle.

Die Ministerin kündigte ein mögliches Nachspiel an: "Was jetzt neben der offiziellen Erklärung von mangelnden Kapazitäten am Flughafen von Moskau die Gründe sind, das werden wir sicherlich in der nächsten Woche gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt besprechen."

Eine A310-Crew war demnach bereits am Donnerstag nach Moskau vorgeflogen, um dort die Maschine übernehmen zu können. Die Maschine wurde nun nach Helsinki umgeleitet. Dorthin musste in der Nacht spontan eine A310-Crew entsendet werden. Am Nachmittag soll der Flieger in Frankfurt landen. Das Bundeswehr-Flugzeug hat mehr als 128 Deutsche und andere Staatsbürger an Bord und soll die Menschen aus dem Coronavirus-Zentrum Wuhan bringen.

"Gefahr für Bevölkerung gering"

In der rheinland-pfälzischen Stadt Germersheim laufen derweil die Vorbereitungen auf das Eintreffen der Rückkehrer aus dem Seuchengebiet. Hier werden die Menschen unter eine 14-tägige Quarantäne gestellt. Thomas Gebhard, Staatssekretär im Gesundheitsministerium, bezeichnete dies als "reine Vorsichtsmaßnahme". "Die Gefahr für die Bevölkerung bleibt gering."

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Menschen warten am Flughafen Wuhan vor der Abreise Richtung Deutschland.

(Foto: privat)

Nach der Landung sollen die Ausgeflogenen in Frankfurt in einem sogenannten Medical Assessment Center (MAC) auf Symptome des Coronavirus untersucht werden. Wer entsprechende Symptome aufweist, soll sofort in ein Frankfurter Krankenhaus gebracht werden. Die übrigen Menschen sollen in die Germersheimer Kaserne gebracht werden.

Die dortige Südpfalz-Kaserne sei für die Betreuung der Ausgeflogenen "optimal ausgestattet", sagte die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler. Es werde nun darum gehen, "für eine gute und angemessene Betreuung von Menschen zu sorgen, die in den letzten Stunden und Tagen einiges mitgemacht" hätten. Auch die Ministerin betonte: "Von den Menschen geht aus derzeitiger Sicht keine Ansteckungsgefahr aus."

 

Die Evakuierten stimmten nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums der 14-tägigen Absonderung in der Quarantäne zu. Rechtliche Grundlage dafür ist das Infektionsschutzgesetz. Darin heißt es, dass in bestimmten Fällen bei "Kranken sowie Krankheitsverdächtigen, Ansteckungsverdächtigen und Ausscheidern" angeordnet werden könne, "dass sie in einem geeigneten Krankenhaus oder in sonst geeigneter Weise abgesondert werden", wenn sie "ihre Umgebung gefährden".

In der Kaserne werden die Rückkehrer aus Wuhan unter anderem von Experten des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) betreut. "Uns allen ist klar, dass die große Gefahr erstmal der Lagerkoller ist", sagte DRK-Experte Michael Seeland in Germersheim. Schließlich wüssten die Betroffenen, dass sie das abgeschottete Gelände nun 14 Tage lang nicht mehr verlassen dürften. "Wir sind darauf vorbereitet, die Menschen entsprechend zu beschäftigen", sagte er. Vor Ort sei auch ein psychosozialer Dienst.

Der Germersheimer Landrat Fritz Brechtel betonte, dass die Quarantäne auch länger als 14 Tage dauern könne - nämlich dann, wenn in Germersheim bei einem der Rückkehrer Symptome des Virus festgestellt würden. "Für den Rest der Gruppe würde die Quarantäne-Zeit dann wieder von vorne beginnen", sagte er.

Um dieses Risiko zu minimieren, würden die Menschen in der Kaserne in verschiedene Kleingruppen aufgeteilt, die voneinander isoliert würden. Auch bei einem Infektionsfall "könnten dann die anderen Gruppen nach Hause gehen", sagte der Landrat.

Während der Quarantäne sollen die Rückkehrer intensiv medizinisch beobachtet werden - dazu gehöre auch tägliches Fiebermessen, sagte Gesundheits-Staatssekretär Gebhard. "Wir minimieren damit die Risiken", sagte er. Für die Bundesregierung sagte er "größtmögliche Transparenz" im Umgang mit Informationen zu dem Coronavirus zu.

Die Zahl der Infizierten und Todesopfer durch den Erreger 2019-nCoV wuchs zuletzt immer schneller. In China sind nach offiziellen Angaben inzwischen knapp 11.800 Menschen infiziert, 259 Menschen starben. Hinzu kommen mehr als hundert Infektionsfälle in rund 25 Ländern. In Deutschland sind sieben Fälle bekannt.

Quelle: ntv.de, jog/AFP

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