Panorama

Tierischer Agent enttarnt? Mossad-Delfin könnte Ente sein

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(Foto: imago/Anka Agency International)

Ein Delfin, ausgestattet mit Kamera und Pfeilschussgerät, der im Auftrag des Mossad am Gazastreifen spioniert? Klingt verrückt, doch Meldungen dieser Art tauchen jeden Sommer auf. Im Iran sollen sogar schon Tauben einen Reaktor ausspioniert haben.

Alle Jahre wieder, gerne im Sommer, geraten Tiere in die Weltpresse, die angeblich vom israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad zur Spionage oder zu Angriffen eingesetzt wurden. Jetzt ist es ein Delfin, ausgestattet mit Kamera und einer Abschussvorrichtung für Pfeile, den Milizionäre der radikalislamischen Hamas vor der Küste des Gazastreifens gefangen haben sollen. Die Quellenlage ist dünn - dennoch fand die Nachricht vom Mossad-Delfin ein internationales Medienecho, verstärkt durch die virale Verbreitung in den sozialen Netzwerken.

Völlig abwegig ist diese kuriose Meldung nicht, deren Ursprung die palästinensische Zeitung "al-Quds" ist. Denn es ist bekannt, dass die US-Marine und die Rote Flotte der früheren Sowjetunion bereits Delfine für Einsätze abgerichtet haben, etwa um Minen aufzuspüren. Andererseits wurden in den vergangenen fünf Jahren immer wieder völlig unschuldige Adler und Geier, Haie und Riesenratten beschuldigt, im Dienste des Mossad unterwegs zu sein.

Der Delfin soll von der Kampfschwimmer-Einheit der zur Hamas gehörenden Kassam-Brigaden eingefangen worden sein, weil er sich in der Nähe einer ihrer Einsatzübungen verdächtig benahm. Auf den Strand gezogen sei an ihm eine ferngesteuerte Kamera und das Pfeilschussgerät gefunden worden. Das Ganze liege mehrere Wochen zurück. Als Quelle werden Hamas-Vertreter genannt, die namentlich nicht genannt werden wollten.

Tauben-Spione am Kernforschungszentrum

Auf Anfrage erklären alle Hamas-Offiziellen im Gazastreifen, ihnen sei auch nur der Zeitungsbericht bekannt. Bestätigen oder dementieren wollte niemand die Darstellung. Allerdings fand die Hamas den Artikel so gut, dass sie ihn auf ihre Website stellte. Fotos, Videobelege oder Aussagen zum weiteren Verbleib des Delfins gab es nicht.

Besonders häufig werden Zugvögel der Spionage verdächtigt, die von israelischen Ornithologen beringt und mit Ortungssendern ausgestattet wurden, um ihre Flugrouten zu erforschen. So geschah es 2012 einem Adler im Sudan und ein Jahr zuvor dem Geier R65 in Saudi-Arabien. Im Iran wurden 2008 zwei Tauben ausgemacht, die angeblich in israelischem Auftrag das Kernforschungszentrum Natans ausspionierten. Den Vogelzugrouten entsprechend kommen aus der Türkei besonders häufig Berichte über verdächtige Singvögel aus Israel.

Aber es geht nicht immer nur um Spionage. Vor fünf Jahren beschuldigten die ägyptischen Behörden nach einer tödlichen Haiattacke im Roten Meer, der Mossad setze die Raubfische ein, um den Tourismus im Nachbarland zu schädigen. Besonders phantasievoll war die Geschichte in palästinensischen Medien, dass Israel aggressive Ratten in der Größe von Hunden gezüchtet habe, um die arabischen Bewohner aus dem besetzten Ostteil von Jerusalem herauszuekeln. Möglich, dass auch der Mossad-Delfin dieses Sommers letztlich zu einer Ente mutiert.

Quelle: ntv.de, Clemens Wortmann, AFP

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