Panorama

Hightech in Marseille Nazi-U-Boot-Bunker wird zum Rechenzentrum

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So sieht das neue Datenzentrum laut einer Animation aus.

(Foto: Interxion)

Im Hafen von Marseille ruhte jahrzehntelang ein nahezu unzerstörbarer Betonkoloss - ein von den Nazis als U-Bootbunker geplantes Ungetüm. Jetzt kehrt neues Leben ein. Ein Internet-Unternehmen sieht in dem Bau Vorteile für sich.

Ein U-Boot-Bunker der Nazis in Marseille dient nun einer Firma als Rechenzentrum. Das Unternehmen Interxion weihte heute seine neue Niederlassung in der französischen Hafenstadt am Mittelmeer ein. Von dort aus werden Datenverbindungen nach Afrika und Asien betrieben.

"Diese Basis ist unzerstörbar und kann zehn Tonnen schweren Bomben widerstehen", sagte der Vorsitzende von Interxion Frankreich, Fabrice Coquio. Nach seinen Angaben fanden die Arbeiter beim Umbau noch Hakenkreuze an den Wänden. Das Unternehmen betreibt derzeit 50 Rechenzentren in Europa, davon 15 in Deutschland.

Der nie vollendete Betonbunker "Martha" sollte ursprünglich bis zu 30 deutsche U-Boote beherbergen. Die deutschen Besatzer in Frankreich begannen im Mai 1943 mit dem Bau, im August 1944 wurde er nach der Landung der Alliierten in der Normandie aber aufgegeben. An der französischen Atlantikküste hatten die Nazis zuvor fünf ähnliche U-Boot-Bunker gebaut, die heute teils Museen beherbergen.

Der Betonbau in Marseille wurde nach dem Krieg wohl vorübergehend als Gefängnis von den US-Streitkräften genutzt. Später hatte die Hafenbehörde teilweise Räume darin. Der größte U-Boot-Bunker seiner Art befindet sich in Bremen, er war als U-Boot-Fabrik geplant.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP