Panorama

"Wo sind all die Spenden hin?" Nepal erinnert an Opfer von Erdbeben

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Ein Jahr nach der Katastrophe: Buddhistische Mönche und Angehörige der Todesopfer beten gemeinsam.

(Foto: dpa)

Ein gewaltiges Erdbeben erschüttert im vergangenen April die Himalaya-Region. Fast 9000 Menschen kommen ums Leben. In Nepal fehlt es auch ein Jahr später Millionen Menschen an dem Allernötigsten: Wasser und ein Dach über dem Kopf.

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Bei den Protesten gegen die Regierung kommt es zu Handgemengen mit der Polizei.

(Foto: AP)

Ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal ist in dem Himalaya-Staat der fast 9000 Opfer gedacht worden. Bei einer Zeremonie an einem zerstörten Turm in der Hauptstadt Kathmandu erinnerten Regierungschef K.P. Sharma Oli und hunderte Trauergäste an die Toten. Dutzende Demonstranten warfen der Regierung Versagen vor. Sie leben wie rund vier Millionen andere Nepalesen noch immer in Behelfsunterkünften.

Buddhistische Mönche versammelten sich zum Gebet in den Ruinen eines Tempels, der bei dem Erdbeben am 25. April 2015 zerstört worden war. Bei dem heftigen Erdstoß wurden nicht nur hunderttausende Wohnhäuser beschädigt, sondern auch rund 1200 Kliniken und 8000 Schulen zerstört und zahlreiche jahrhundertealte Tempel, Paläste und andere Sehenswürdigkeiten zum Einsturz gebracht.

Etwa hundert Demonstranten protestierten in Kathmandu gegen die Regierung. Sie warfen ihr vor, die Hilfe für die Bevölkerung und den Wiederaufbau zu verschleppen. "Selbst nach einem Jahr leben viele Menschen weiter in Zelten, wir leben in einer Hütte", sagte die 21-jährige Studentin Chhuldim Samden, die mit ihrer Familie nach dem Beben nach Kathmandu floh. "Wo sind all die Spenden hin?"

Opfer werfen Regierung Untätigkeit vor

Die Staatengemeinschaft hatte Nepal nach dem Erdbeben 4,1 Milliarden Dollar zugesagt, das sind 3,5 Milliarden Euro. Doch viele Opfer erhielten bislang außer einer zu Anfang ausgezahlten bescheidenen Summe keine weitere Unterstützung. Grund sind Streit um die Kontrolle der Fonds und die Organisation der Hilfen. Viele Opfer kritisieren auch einen hohen bürokratischen Aufwand bei der Beantragung von Hilfsgeldern.

"Die Regeln der Regierung waren so verwirrend, dass wir fürchteten, keine Entschädigung zu erhalten, wenn wir auf eigene Faust mit dem Wiederaufbau beginnen", sagte der Trekkingführer Govinda Timilsina. Die dreifache Mutter Laxmi Nyapit, die mit ihrer Familie bis heute in einem Zelt lebt, warf der Regierung Untätigkeit vor. "Ohne Hilfe weiß ich nicht, ob wir jemals wieder in einem Haus leben werden."

Nepal leidet noch immer massiv unter den Folgen des Erdbebens. Nach wie vor fehlt es in dem bitterarmen Staat an sicheren Unterkünften, Nahrung, Wasser, medizinischer Versorgung und Behelfsschulen. Etwa vier Millionen Menschen sind laut Hilfsorganisationen noch immer in Notunterkünften untergebracht.

Quelle: ntv.de, hul/AFP