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Reul: "Das geht so nicht!" Neue Software offenbar Schuld an Notruf-Störung

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Für etwas mehr als eine Stunde fiel in einigen Teilen Deutschlands der Notruf aus.

(Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Am frühen Morgen sind die Notrufnummern 110 und 112 von Polizei und Feuerwehr nicht erreichbar. Nun gibt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe Entwarnung. Ursache ist scheinbar eine neue Software der Telekom. Nordrhein-Westfalens Innenminister Reul ist sauer.

Die Störung der Notrufnummern in einigen Teilen Deutschlands ist nach Angaben des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) behoben. Wie das Bundesamt bei Twitter mitteilte, bestand die Störung nach Angaben der Deutschen Telekom zwischen 4.30 Uhr und 5.40 Uhr. Mittlerweile ist wohl auch die Ursache geklärt.

"Einen Hackerangriff können wir aktuell ausschließen", teilte ein Sprecher der Telekom mit, die die technische Infrastruktur für den Notruf bereitstellt. "Ursächlich für die Störung war vermutlich die Einbringung einer neuen Software, die zuvor ausführlich getestet worden war und keinerlei Auffälligkeiten gezeigt hatte. Die detaillierte Analyse dauert an."

Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ging von einem technischen Fehler aus. "Hinweise auf einen Cyberangriff liegen nicht vor", sagte ein BSI-Sprecher auf Anfrage. Die Telekom habe die Störung gemäß den gesetzlichen Bestimmungen dem BSI und der Bundesnetzagentur gemeldet. Doch dass überhaupt ein solcher Ausfall bundesweit passieren kann - die Telekom sprach von etwa 70 Minuten -, rief auch scharfe Kritik hervor. "Natürlich werden wir dieses Problem gemeinsam mit der Deutschen Telekom nachbereiten - das geht so nicht!", sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul.

Bürger nutzten Warn-Apps und das Radio

Bürgerinnen und Bürger wurden über Ansagen im Rundfunk sowie über Meldungen der Warn-Apps Nina und Katwarn aufgefordert, sich während der Störung direkt bei den Polizeistellen vor Ort zu melden. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums sagte auf Anfrage: "Der Notruf ist in Deutschland Ländersache." Die interne Kommunikation der Einsatzkräfte der Polizei sei nicht betroffen gewesen. "Die Notrufnummern sind enorm wichtig, denn bei einem Schlaganfall oder einer anderen Notlage zählt jede Minute", sagte der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Armin Schuster. "Wir müssen gewährleisten, dass die Warninfrastruktur funktioniert", sagte er.

Am Morgen hatte das Bundesamt amtliche Gefahrendurchsagen unter anderem für Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt sowie für die Großstädte Berlin, Hamburg und Frankfurt am Main verbreitet, wonach die Notrufnummern 112 und teilweise auch 110 ausfielen. Später wurde für mehrere Bundesländer und Städte wieder Entwarnung gegeben. In Köln wurde zunächst ein großflächiger Ausfall von Strom, Telefonnetz und Trinkwasser gemeldet. Um 06.20 Uhr wurde nur noch eine Störung des Notrufs mitgeteilt. Die Menschen wurden aufgefordert, sich in den Medien zu informieren, etwa über örtliche Radiosender. In Notfällen solle die 110 oder die 19222 gewählt werden.

Zahlreiche Bundesländer betroffen

In Baden-Württemberg fielen die Notrufe 110 und 112 aus, später wurde Entwarnung gegeben. Im gesamten Bundesland Sachsen-Anhalt fielen die Notrufnummern 112 und 110 sowie Behördenleitungen aus. In Nordrhein-Westfalen fiel der Notruf 112 in mehreren Städten aus. In Hessen waren vorübergehend der Landkreis und die Stadt Kassel betroffen, dort war der Notruf 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst wegen einer technischen Störung nicht zu erreichen.

In ganz Niedersachsen waren vorübergehend neben den Notrufnummern auch die Amtsleitungen der Polizei und von Krankenhäusern von dem Ausfall betroffen. Betroffen waren auch zahlreiche Landkreise im nördlichsten Bundesland Schleswig-Holstein. In den beiden Bundesländern wurde inzwischen Entwarnung gegeben. Auch für die Städte Hamburg, Frankfurt am Main, Lübeck, Regensburg, Kassel, Steinfurt, Neumünster und Mönchengladbach sowie Schwerin wurde später wieder Entwarnung gegeben.

Erst im September hatte eine Störung im Netz der Telekom für Probleme bei den Notrufnummern gesorgt. Dabei war insbesondere der Feuerwehrnotruf 112 zeitweise nicht erreichbar, in einigen Fällen war auch der Polizeinotruf 110 betroffen. Die damalige Störung dauerte 30 Minuten.

Quelle: ntv.de, jpe/AFP/dpa

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