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Erste Erkenntnisse bestätigt Ermittler legen neuen "Estonia"-Bericht vor

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Die "Estonia"-Kommission legte in Tallinn erste Ergebnisse ihrer Arbeit vor.

(Foto: picture alliance/dpa/Lehtikuva)

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Es war eines der schwersten Schiffsunglücke des 20. Jahrhunderts. Beim Untergang der "Estonia" vor Finnland sterben 852 Menschen. Behörden nennen eine beschädigte Bugklappe als Ursache. Doch daneben hält sich die Theorie einer Explosion. Eine neuerliche Untersuchung kommt nun zu bekannten Ergebnissen.

Der Untergang der Ostseefähre "Estonia" mit 852 Toten im Jahr 1994 ist eher auf eine defekte Bugklappe als auf eine Explosion oder Kollision zurückzuführen. Dies ergaben die ersten Ergebnisse einer erneuten Untersuchung des Unglücks, wie die Ermittler aus Estland, Schweden und Finnland in der estnischen Hauptstadt Tallinn mitteilten. Sie stützen demnach die Schlussfolgerungen der offiziellen Untersuchung zur Unglücksursache von 1997. Nachdem ein Dokumentarfilm Zweifel daran gesät hatte, war 2021 eine neue Untersuchung eingeleitet worden.

Es gebe nach bisherigen Erkenntnissen keinen Hinweis auf eine Explosion im Bug des Schiffes, heißt es in dem Bericht. Demnach wurden bislang auch keine Spuren entdeckt, die auf eine Kollision mit einem Schiff oder anderen schwimmenden Objekten hindeuten würden. Die ursprüngliche Untersuchung hatte ergeben, dass bei heftigem Seegang die bereits beschädigte Bugklappe der "MS Estonia" abgerissen worden sei. Dadurch sei Wasser in das Deck eingedrungen, auf dem die Passagiere ihre Autos abgestellt hatten.

Die neue Untersuchung kam nun zu demselben Ergebnis. Demnach war die Fähre wegen der defekten Bugklappe nicht seetüchtig und hätte keine Auslaufgenehmigung erhalten dürfen. Wenn es eine ordentliche Inspektion des Bugs gegeben hätte, "hätten die Mängel am Verschlussmechanismus entdeckt werden können, und der Unfall wäre wahrscheinlich nie passiert", heißt es im Zwischenbericht. Ein Loch im Rumpf des Schiffes sei mutmaßlich entstanden, als das Schiff auf dem Meeresgrund aufgeschlagen sei. Die Lage des unter dem Schiffsrumpf gelegenen Felsens passe zur Verformung des Rumpfes."

Angehörige kämpften für intensivere Untersuchung

In dem Dokumentarfilm hatten Experten gesagt, dass nur eine massive Kraft von außen die Bugtür aufreißen könne. Diese Einschätzung warf Fragen über den tatsächlichen Unfallhergang auf. Opferangehörige und Überlebende des Unglücks hatten jahrzehntelang für eine tiefergehende Untersuchung der Ursachen gekämpft.

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Der Untergang der "MS Estonia" war eines der schlimmsten Schiffsunglücke des 20. Jahrhunderts. 852 Menschen starben, nur 137 Passagiere überlebten. Schweden, Estland und Finnland entschieden sich gegen eine Bergung des Wracks und erklärten 1995 seinen Lageplatz in internationalen Gewässern offiziell zu einer letzten Ruhestätte, die gemieden werden muss.

Die schwedischen Dokumentarfilmer wurden wegen Störung der Totenruhe am Wrack der "MS Estonia" zu einer Geldstrafe verurteilt. Für die erneute Untersuchung wurden die Regelungen geändert, die auch Tauchgänge zu dem Wrack untersagten.

(Dieser Artikel wurde am Montag, 23. Januar 2023 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/AFP

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