Panorama

Unwetter auch in Nachbarländern Neun Menschen ertrinken in Belgien

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In der belgischen Provinz Lüttich versuchen sich die Menschen vor den Wassermassen in Sicherheit zu bringen.

(Foto: picture alliance/dpa/BELGA)

Neben Teilen von Westdeutschland haben auch die Beneluxstaaten mit heftigen Regenfällen zu kämpfen: In Belgien kosten die schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten mindestens neun Menschen das Leben. Auch in den Niederlanden und Luxemburg richten die Fluten massive Schäden an.

Auch Deutschlands Nachbarstaaten Belgien, Luxemburg und die Niederlande sind von schweren Unwettern getroffen worden. In Belgien ist die Zahl der Todesopfer auf neun gestiegen. Zudem werden vier Menschen vermisst, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtete. In der Stadt Verviers, im Osten des Landes entdeckten Rettungskräfte am Donnerstag vier Leichen, wie die Staatsanwaltschaft der rund 30 Kilometer von der deutschen Grenze entfernten Kleinstadt mitteilte. Laut "Grenzecho" starb im belgischen Eupen in der Nähe von Aachen ein 22-Jähriger. "Wie von offizieller Seite bestätigt wurde, ist der junge Mann im Eupener Ortsteil Nispert mit einem Schwimmreifen in den reißenden Stadtbach gesprungen und wurde seitdem vermisst", heißt es in dem Bericht. Rettungskräfte hätten seine Leiche gefunden. In Aywaille, südlich von Lüttich, ertrank ein etwa 50 Jahre alter Mann in seinem Keller. Am Mittwoch war in der Gemeinde Profondeville bereits die Leiche eines Mannes nahe einer Schleuse in der Maas entdeckt worden.

Von dem Unwetter betroffen sind vor allem die Provinzen Namur und Lüttich. Dort stand der Kurort Spa komplett unter Wasser, in der Gemeinde Chaudfontaine mussten fast 1800 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Derartige Überschwemmungen habe er seit 1998 nicht mehr erlebt, sagte Bürgermeister Daniel Bacquelaine dem Radiosender RTL. In der Stadt Lüttich wurden die Anwohner der Maas wegen außergewöhnlich starken Hochwassers aufgerufen, sich noch schnell aus ihren Häusern in Sicherheit zu bringen. Der weiter steigende Pegelstand des Flusses stelle eine "außergewöhnliche Krisensituation" dar, erklärten die örtlichen Behörden.

Daher sollten die Anwohner der Maas, "die noch die Möglichkeit zur Evakuierung haben, dies tun". In den kommenden Stunden könne der Pegel der Maas um weitere 1,50 Meter steigen, hieß es weiter. Diejenigen Anwohner, die ihre Häuser nicht mehr verlassen könnten, sollten in die oberste Etage ihres Hauses gehen und "kein Risiko eingehen". Lüttich ist mit rund 200.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Belgiens. Zu den vom Hochwasser bedrohten Vierteln gehört auch das Stadtzentrum.

Zugverkehr von und nach Brüssel teilweise unterbrochen

In Pepinster stürzte rund ein Dutzend Häuser ein, nachdem der Fluss Vesdre über die Ufer getreten war. In Lüttich, Namur und zwei weiteren Provinzen halfen Soldaten bei der Rettung und Evakuierung von Einwohnern. Nach Schätzungen der Regierung der Region Wallonien müssen hunderte, wenn nicht sogar tausende Menschen, umquartiert werden. Der Bahnverkehr wurde in der Nacht zum Donnerstag wegen überfluteter Gleise und umgestürzter Bäume teilweise unterbrochen. Vor allem die Strecke Charleroi-Namur-Lüttich war nach Angaben der Betreibergesellschaft Infrabel betroffen.

Am Donnerstag sollten nach Unternehmensangaben zudem keine Thalys-Züge zwischen Brüssel und Deutschland fahren. Belgiens Ministerpräsident Alexander De Croo schrieb auf Twitter: "Belgien steht vor noch nie da gewesenen Regenfällen." Mithilfe von Innen- und Verteidigungsministerium sollen alle Rettungsdienste mobilisiert werden. Belgien erhalte internationale Unterstützung. Die EU-Kommission teilte mit, dass als Teil einer Sofortreaktion ein Rettungsteam und ein Hubschrauber aus Frankreich mobilisiert worden seien. Auch Italien und Österreich hätten Hilfe angeboten. Der Einsatz werde von der Kommission koordiniert und bis zu 75 Prozent der Transportkosten übernommen.

Große Schäden meldete auch die an Belgien und Deutschland grenzende niederländische Provinz Limburg. Dort war die Kleinstadt Valkenburg komplett überflutet, ein Seniorenheim musste evakuiert werden. Mehrere Straßen der Provinz wurden für den Verkehr gesperrt, darunter auch die vielbefahrene Autobahn A2. Nach Angaben der Bürgermeisterin mussten knapp 3000 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Manche Orte könnten wegen zu starker Strömung nicht einmal per Boot erreicht werden, Hubschrauber könnten wegen des Wetters nicht eingesetzt werden. In Luxemburg setzte die Regierung nach heftigem nächtlichen Regen einen Krisenstab ein. Laut Regierungschef Xavier Bettel wurden zahlreiche Häuser im ganzen Großherzogtum überflutet und sind nicht mehr "bewohnbar".

Quelle: ntv.de, jhe/dpa/AFP

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