Panorama

Intensität des Feuers geringer Notre-Dame vor Zerstörung gerettet

In Notre-Dame in Paris wütet ein Großbrand, den die Feuerwehr am Abend unter Kontrolle bekommt. Das Dach der Kathedrale ist zwar eingestürzt. Doch die Behörden atmen auf: Die weltberühmte Kirche ist in ihrer Struktur gerettet. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die Pariser Staatsanwaltschaft hat angesichts des verheerenden Feuers in der Kathedrale Notre-Dame Ermittlungen aufgenommen. Dabei wird die Spur eines Unfalls verfolgt. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, drehen sich die Ermittlungen um eine "unbewusste Zerstörung" durch Feuer. Von möglicher Brandstiftung war keine Rede. Nach ergänzenden Medienberichten könnte der Brand durch Bauarbeiten auf dem Dach der Kirche ausgelöst worden sein. Die Staatsanwaltschaft nahm zu dieser Annahme keine Stellung.

Zuvor hatte die Feuerwehr mitgeteilt, dass die Struktur der Pariser Kathedrale "gerettet" sei. Die gotische Kirche könne "in ihrer Gesamtheit erhalten" werden, sagte der Leiter der Einsatzkräfte, Jean-Claude Gallet, am Montagabend in Paris. "Die Intensität des Feuers hat nachgelassen", sagte der französische Innenstaatsekretär Laurent Nuñez. Die Gefahr eines Einsturzes des nördlichen Glockenturms ist nach seinen Angaben vorerst gebannt. Angesichts des Ausmaßes der Flammen rief er aber dazu auf, "extrem vorsichtig" zu bleiben.

Wenn es dabei bleibt und sich das Feuer nicht weiter im Kirchenschiff ausbreitet, "ist das ein riesiger Erfolg für die Pariser Feuerwehr", sagte der Präsident des Technischen Hilfswerks, Albrecht Broemme, n-tv. Das letzte Glutnest in der Kirche werde aber wahrscheinlich erst in den nächsten zwei Tagen gelöscht sein. Peter Füssenich, Dombaumeister des Kölner Doms, gab sich im Gespräch mit n-tv noch zurückhaltend. "Erst wenn der Innenraum wieder zugänglich ist, werden wir das wahre Ausmaß der Schäden einschätzen können."

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Ein Luftbild zeigt: Die Struktur der Kathedrale ist intakt.

(Foto: Pariser Feuerwehr)

Nach dem Ausbruch des Großbrandes hatten die französischen Behörden zunächst das Schlimmste befürchtet. Drei Stunden nach Beginn war das Feuer noch nicht unter Kontrolle. Über dem historischen Bauwerk loderten am frühen Morgen noch immer Flammen. Das Dach der weltberühmten Kathedrale war eingestürzt. Ein Teil der Seine-Insel, auf der die Kathedrale steht, wurde evakuiert.  Ein Feuerwehrmann wurde ernsthaft verletzt, teilten die Behörden mit.

Ein Großaufgebot der Feuerwehr kämpfte verzweifelt gegen das Inferno. Die Flammen erreichten auch einen der beiden viereckigen Türme, die das jahrhundertealte Wahrzeichen prägen. Ein Feuerwehrmann sei während des Einsatzes ernsthaft verletzt worden, teilte ein Feuerwehr-Vertreter mit. "Die Pariser Feuerwehr hat stundenlang gekämpft und tut es noch immer", sagte Präsident Emmanuel Macron. "Die ganze Nation ist diesen Männern dankbar: Sie haben das Schlimmste verhindert." Ab morgen werde Frankreich damit beginnen, die Kathedrale wiederaufzubauen, fügte der Präsident hinzu.

"Vom Dachstuhl wird nichts übrig bleiben"

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"Alles brennt", sagte der Sprecher von Notre Dame, André Finot. "Von dem Dachstuhl, der zu einem Teil aus dem 19. Jahrhundert und zum anderen Teil aus dem 13. Jahrhundert stammt, wird nichts übrig bleiben". Wegen eines Kulturguts könne nicht das Leben von Feuerwehrmännern aufs Spiel gesetzt werden, sagte THW-Präsident Broemme n-tv. Die Pariser Feuerwehr habe aber, wie alle anderen guten Feuerwehren, genaue Pläne, was gerettet werden müsse. Es würden dann auch gewisse Risiken eingegangen werden, die aber nicht mit denen vergleichbar seien, die für die Rettung eines Menschen in Kauf genommen werden.

Löschwagen aus ganz Paris rasten im Laufe des Tages zur Isle de la Cité, der Insel inmitten der Seine, auf der Notre-Dame steht. Die Feuerwehr rief die Einwohner auf, die Gegend zu meiden und den "Rettungsfahrzeugen Platz zu machen". Bürgermeisterin Anne Hidalgo sprach von einem "furchtbaren Brand". Auch sie rief die Menschen über Twitter auf, die Sicherheitsabsperrungen zu respektieren.

Der Feuerwehr und dem Sprecher zufolge brach der Brand gegen 18.50 Uhr auf dem Dachboden der Kathedrale aus und breitete sich rasend schnell aus. Die Fassade der Kirche wird zur Zeit aufwändig gereinigt.

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Der Spitzturm kurz vor dem Einsturz. Das Feuer soll nach Restaurierungsarbeiten ausgebrochen sein.

(Foto: REUTERS)

Trump gibt fragwürdigen Ratschlag

US-Präsident Donald Trump erklärte auf Twitter, es sei "schrecklich", dem "massiven Brand" zuzusehen. Jetzt müsse rasch gehandelt werden, erklärte er weiter und riet, Löschflugzeuge einzusetzen. Dieser Einschätzung widersprachen aber Experten, da durch einen solchen Einsatz das Gebäude ganz zerstört werden könnte. Beim Löschen müsse auch an den Wiederaufbau gedacht werden, so Broemme im Gespräch mit n-tv. "Es darf nicht zu viel Löschwasser genutzt werden, da sonst weitere Schäden verursacht werden."

Die Kathedrale Notre-Dame

Die Kathedrale Notre-Dame in Paris zieht jährlich fast 13 Millionen Touristen und Gläubige an und ist damit das meistbesuchte Wahrzeichen der französischen Hauptstadt. Notre-Dame zählt zum Weltkulturerbe der Unecso. Der Bau von Notre-Dame begann im Jahr 1163 unter Bischof Maurice de Sully. Fast 200 Jahre dauerte die Fertigstellung des Gotteshauses, das später mehrfach geplündert und verwüstet wurde. Nach der Französischen Revolution rettete die Restaurierung unter Architekt Eugène Viollet-le-Duc das Monument vor dem Verfall. Die Ausmaße des Bauwerks mit seinen 128 Metern Länge und seinen 69 Meter hohen Türmen beeindrucken die Menschen noch heute. Nach wie vor werden Gottesdienste in der Kathedrale gefeiert. (AFP)

Bundesaußenminister Heiko Maas twitterte, "die brennende Notre Dame trifft auch uns ins Herz". Er hoffe gemeinsam mit den Einsatzkräften und "unseren französischen Freundinnen und Freunden", dass "keine Menschen zu Schaden kommen". Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte, es tue "weh, diese schrecklichen Bilder" der brennenden Kathedrale zu sehen. Notre Dame sei ein Symbol Frankreichs und der europäischen Kultur.

Restaurationsarbeiten dauern an

Notre-Dame wird zur Zeit restauriert. Erst vergangene Woche waren mit einem Kran 16 Kupferfiguren vom Dach der Kathedrale geholt worden. Die Aktion hatte zehn Stunden gedauert, die Statuen waren eine nach der anderen herabgelassen worden.

Notre-Dame ist eine der wichtigsten Pariser Touristenattraktionen und wird jährlich von Millionen von Menschen besucht. Die Kathedrale steht im Herzen der Stadt auf der Île de la Cité. Ihre Geschichte reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Fast 200 Jahre vergingen bis zur Fertigstellung. Die Dimensionen der im gotischen Stil konstruierten und der Jungfrau Maria geweihten Kirche mit ihren beiden majestätischen Türmen sind gewaltig: 127 Meter lang, 40 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch.

Die Dimensionen der im gotischen Stil konstruierten und der Jungfrau Maria geweihten Kirche mit ihren beiden majestätischen Türmen sind gewaltig: 127 Meter lang, 40 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch. Mit seinem 1831 erschienenen historischen Roman "Der Glöckner von Notre-Dame" verewigte Victor Hugo die Kathedrale in der Literatur. Viele Meter lang stehen die Touristen täglich vor dem Gebäude Schlange. Seit den islamistischen Terroranschlägen, die Frankreich in den vergangenen Jahren heimgesucht hatten, wird die Kathedrale von Soldaten bewacht.

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Quelle: n-tv.de, mau/AFP/rts/dpa

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