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"Frage der Fairness" OECD-Bildungsdirektor empfiehlt Zentralabi

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Ein Zentralabitur führt zu einer "verbesserten Qualität" bei den Abschlussprüfungen, sagt OECD-Bildungsdirektor Schleicher.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bildung ist in Deutschland Sache der Bundesländer. Das führt dazu, dass die Abitur-Prüfungen bundesweit nicht vergleichbar sind. Die OECD sieht in diesem Umstand nicht nur ein Problem in Sachen Transparenz, Effizienz und Qualität, sondern auch ungerechte Bedingungen.

Der Bildungsdirektor der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Andreas Schleicher, hat Deutschland zu einem bundesweiten Zentralabitur geraten. "Ein Abitur auf Landesebene macht genauso wenig Sinn, wie dass jeder Provinzfürst seine eigene Währung druckt", sagte Schleicher den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. "Denn am Ende bewerben sich die Schüler um die gleichen Hochschulen und Ausbildungsplätze."

Ein Zentralabitur sei "nicht nur eine Frage von Transparenz und Effizienz, sondern in höchstem Maße auch eine Frage der Fairness", sagte der Leiter der Pisa-Studie weiter. "Unterschiedliche Standards führen bei vergleichbaren Schülerleistungen je nach Wohnsitz heute zu völlig unterschiedlichen Abiturnoten, die wiederum eng mit Zugangsberechtigungen und damit Lebenschancen verknüpft sind."

Ein Zentralabitur führe auch zu einer "verbesserten Qualität" bei den Abschlussprüfungen, sagte Schleicher. Schließlich könnten die Länder ihre Ressourcen dann gemeinsam für die Entwicklung eines guten Aufgabenpools nutzen. Ein Zentralabi müsse auch keineswegs heißen, dass überall nach den gleichen Lehrplänen unterrichtet werde.

Die Debatte angestoßen hatte Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann. Die CDU-Politikerin hatte in einem Interview entschlossene Schritte für ein deutschlandweites Zentralabitur gefordert. Gegen den Vorstoß sprach sich unter anderem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder aus.

Quelle: ntv.de, fzö/AFP