Panorama

Virus-Angst an der Grenze Österreich stellt Zugverkehr über Brenner ein

imago88532799h.jpg

Am Brenner endet die Fahrt für das Virus - vorerst.

(Foto: imago/Arnulf Hettrich)

In Norditalien breitet sich das Coronavirus Sars-CoV2 rasant aus. Nachdem in einem Zug an der Grenze zwei Verdachtsfälle entdeckt wurden, sperrt Österreich die Brenner-Route für den Bahnverkehr. Die Regierung in Wien nimmt die Epidemie im Nachbarland "sehr ernst".

Aus Furcht vor Coronavirus-Infektionen hat Österreich den Zugverkehr mit Italien auf der zentralen Brenner-Route eingestellt. Die staatliche österreichische Eisenbahngesellschaft ÖBB teilte am Sonntagabend mit, alle Zugverbindungen über den italienisch-österreichischen Grenzübergang Brenner seien ausgesetzt, weil bei zwei aus Italien kommenden Bahn-Passagieren der Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus bestehe. Zunächst hatte es geheißen, der Zugverkehr mit Italien sei komplett eingestellt worden. Diese Information hat ein Sprecher der ÖBB aber später berichtigt.

Am Abend war der Eurocity 86, der in Venedig gestartet war und als Zielort München hatte, am Grenzübergang gestoppt worden, weil zwei deutsche Frauen an Bord Fieber hatten. Die italienische staatliche Eisenbahngesellschaft hatte die ÖBB zuvor über die möglichen Fälle informiert. Bereits zu diesem Zeitpunkt war ein Teil des Zuges isoliert worden. Österreichische Behörden forderten ein Ärzteteam an und gaben später grünes Licht für die Weiterreise nach München. Die rund 500 Passagiere stiegen daraufhin in den Eurocity 1288 um, der ebenfalls am Brenner angehalten worden war. Der Zug wird nun mit einigen Stunden Verspätung in München erwartet. Die zwei Frauen mit den Krankheitssymptomen mussten schon in Verona aussteigen. 

*Datenschutz

Wie lange der Bahnverkehr über den Brenner ausgesetzt bleibt, ist noch nicht klar. Die ÖBB werde in Absprache mit den italienischen Staatsbahnen über das weitere Vorgehen entscheiden, sagte der Sprecher. Nach Angaben der Deutschen Bahn wurden insgesamt zwei Züge, die von Italien nach München unterwegs waren, am Brenner gestoppt. Auch Regionalzüge wurden angehalten. 

Italien setzt auf drastische Maßnahmen 

*Datenschutz

Italien hatte angekündigt, mit drastischen Maßnahmen wie Sperrzonen die rasante Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 zu stoppen. Bislang infizierten sich in der Region nach Behördenangaben 132 Menschen, drei von ihnen starben. Mehrere Gemeinden in Norditalien wurden abgeriegelt, damit das Virus nicht auf die Wirtschaftsmetropole Mailand, das Touristenzentrum Venedig und andere Regionen übergreift.

Der Karneval in Venedig werde genauso wie alle Sportveranstaltungen abgesagt, Museen und Schulen sollen in der gesamten Region Venetien bis zum 1. März geschlossen bleiben, kündigte Regionalpräsident Luca Zaia an. Der Karneval hätte planmäßig eigentlich noch bis kommenden Dienstag laufen sollen.

Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, die deutsche Botschaft und die Konsulate in Italien stünden mit den italienischen Behörden in Kontakt für den Fall, dass die Maßnahmen auch Deutsche beträfen. Rückkehrern aus den betroffenen Regionen in Norditalien wird empfohlen, sich an die entsprechenden Hinweise des Robert Koch-Instituts und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf deren Internetseiten zu halten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) äußerte sich besorgt über Krankheitsfälle ohne erkennbare Verbindung zu China, wo die Infiziertenzahl auf 77.000 stieg. Auch in Südkorea und im Iran legten die Zahlen sprunghaft zu.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa