Panorama

PKS zeigt nicht die KomplexitätZahlen straffälliger Ausländer sinken leicht

15.04.2026, 14:48 Uhr IMG-20181022-173026Von Solveig Bach
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Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für 2025 wird demnächst vorgestellt.

In der politischen Debatte spielen sie immer wieder eine Rolle: nichtdeutsche Menschen, die in Deutschland straffällig werden. Aktuelle Zahlen zeigen, wie die Entwicklung 2025 bei dieser Gruppe aussieht. Allerdings bleiben Fragen.

In 12 von 16 Bundesländern sind 2025 die Zahlen nichtdeutscher Verdächtiger bei Straftaten leicht gesunken. Damit dürfte die Gesamtzahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen bundesweit etwas zurückgehen, während ihr prozentualer Anteil insgesamt weitgehend gleich bleibt. Das geht aus einer Auswertung der Kriminalstatistiken der Länder durch den Mediendienst Integration hervor. Die Zahlen der Bundesländer fließen in die jährlich vorgelegte Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ein, die für das Jahr 2025 in wenigen Tagen erwartet wird.

"Die Wahrscheinlichkeit für Nichtdeutsche in die PKS zu geraten, ist deutlich größer", sagte die Kriminologin Susanne Prätor bei der Vorstellung der Zahlen. Das liege an mehreren Faktoren. Prätor gab zu bedenken, dass die PKS nicht entstanden sei, um Kriminalitätsentwicklungen in Deutschland abzubilden. Vielmehr handele es sich um einen Tätigkeitsbericht der Polizei, der zeige, wohin die Polizei gerufen, welche Anzeigen gestellt, welche Straftaten bearbeitet wurden.

"Zentrale Faktoren, die das Ausmaß der Kriminalität im Hellfeld beeinflussen, sind vor allen Dingen die Anzeigebereitschaft und die polizeiliche Aktivität", erläuterte Prätor, die Professorin an der Polizeiakademie Niedersachsen ist und dort unter anderem zu Kriminalität und Migration forscht. Von mehr als 90 Prozent aller Straftaten erhält die Polizei ihren Angaben zufolge durch Anzeigen Kenntnis. "Wenn diese Anzeigebereitschaft variiert, je nach Bevölkerungsgruppe unterschiedlich ausfällt, kann es sein, dass bestimmte Personengruppen häufiger ins Visier der Polizei geraten als andere."

2025 hatte eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen gezeigt, dass die Anzeigebereitschaft für nichtdeutsche und deutsche Täter oder Täterinnen sehr unterschiedlich ausfällt. Haben Opfer und Täter beide keinen Migrationshintergrund, beträgt die Anzeigewahrscheinlichkeit demnach 7,9 Prozent. Bei einem Opfer ohne Migrationshintergrund und einem Täter mit mutmaßlichem Migrationshintergrund beträgt sie 22,4 Prozent.

Tourist oder Asylbewerber?

Prätor verwies außerdem darauf, dass sich aus der Kategorie "nichtdeutsche Tatverdächtige" eine sehr uneinheitliche Gruppe ergebe. Sie umfasse den Menschen, "der gestern nach Deutschland angekommen ist und hier möglicherweise eine Straftat begangen hat", aber auch Menschen, die jahrzehntelang in Deutschland leben, ohne jedoch die deutsche Staatsangehörigkeit zu haben, bis hin zu Touristen oder Menschen, die hier eine Zeit lang arbeiten. Der Kriminologin zufolge haben etwa 25 Prozent der nichtdeutschen Tatverdächtigen keinen Wohnsitz in Deutschland.

Die Wissenschaftlerin verwies zudem auf Zahlen, die belegen, dass Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft eine höhere Kriminalitätsbelastung haben, als man es entsprechend ihres Bevölkerungsanteils erwarten würde. Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft machen etwa 15 Prozent der Bevölkerung aus, in der Gruppe der Tatverdächtigen liegt ihr Anteil aber ungefähr bei etwa 35 Prozent.

Das liegt unter anderem daran, dass nichtdeutsche Personen in Deutschland im Durchschnitt deutlich jünger sind als Menschen mit deutschem Pass. Gleichzeitig ist lange bekannt, dass jüngere Menschen häufiger Straftaten begehen als ältere. "Wir haben in der Gruppe der nichtdeutschen Personen mehr männliche Personen und junge männliche Personen sind nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit eine Personengruppe, die sehr häufig durch kriminelles Verhalten in Erscheinung tritt", so Prätor. Sie betonte bei ihrer Einordnung der aktuellen Zahlen, dass 90 Prozent der Menschen ohne deutschen Pass im vergangenen Jahr überhaupt keine Gewalttat begangen haben.

Ansätze für Prävention

Die Kriminologin fordert Dunkelfeldstudien, um soziale Ursachen für Kriminalität besser benennen zu können. Man wisse, dass es Faktoren gebe, die kriminelles Verhalten wahrscheinlicher machen. "Ganz konkret sind das elterliche Gewalt, die bei bestimmten Migrantengruppen häufiger auftritt." Das heiße nicht, dass alle späteren Täterinnen oder Täter Gewalt erleben, aber es sei mit größerer Wahrscheinlichkeit der Fall.

Häufiger sei in dieser Gruppe auch eine benachteiligte soziale Lage, verbunden mit dem Besuch geringerer Schulformen, "mehr Einbindung in kriminelle Freundesgruppen und Männlichkeitsnormen, die in der Gruppe der Jugendlichen mit Migrationshintergrund verbreiteter sind".

Die PKS enthält dem Bundeskriminalamt zufolge die der Polizei bekannt gewordenen rechtswidrigen Straftaten und Straftatversuche, die Anzahl der ermittelten Tatverdächtigen sowie weitere Angaben zu Fällen, Opfern oder Tatverdächtigen. Sie gibt keine Auskunft über spätere Verurteilungen.

Quelle: ntv.de

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