Panorama

Papst Benedikts Falschaussage Deutsche Bischöfe hüllen sich in Schweigen

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Papst Benedikt muss sich derzeit zu Entscheidungen aus seiner Zeit als Erzbischof von München und Freising rechtfertigen. (Archivbild aus dem Juni 2010)

(Foto: picture alliance / Stefano Spaziani)

Dass der Papst unfehlbar ist, gehört zum Lehrkanon der katholischen Kirche. In einem Missbrauchsgutachten wird Benedikt der Lüge bezichtigt und muss daraufhin eine Falschaussage einräumen. Das überfordert die Deutsche Bischofskonferenz: Sie zieht es vor, zu schweigen.

Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz in Würzburg hat sich nicht zu einer Stellungnahme zu der Falschaussage des emeritierten Papstes Benedikt XVI. durchringen können. In einer am Mittag verbreiteten Presseerklärung heißt es lediglich, das am Donnerstag veröffentlichte Münchner Missbrauchsgutachten habe die Bischöfe tief erschüttert. "Dadurch, dass auch das Wirken des früheren Papstes Benedikt XVI. als Erzbischof von München und Freising Untersuchungsgegenstand war, und durch dessen Einlassungen hat das Gutachten eine besondere Aufmerksamkeit erfahren."

Benedikt hatte am Vortag eingeräumt, bei seiner Stellungnahme für das Missbrauchsgutachten an einer wichtigen Stelle eine falsche Aussage gemacht zu haben. Laut einem schriftlichen Statement seines Privatsekretärs Georg Gänswein sprach der emeritierte Pontifex von einem "Fehler" und einem "Versehen bei der redaktionellen Bearbeitung" seiner Stellungnahme. Die deutschen Bischöfe teilten in ihrer Stellungnahme mit, sie spürten "den erheblichen Vertrauensverlust" und verstünden das große Misstrauen, das ihnen aus der Gesellschaft und von den Gläubigen entgegengebracht werde. Eine Umfrage hatte kürzlich ergeben, dass die Bürger mittlerweile kaum einer Institution in Deutschland so wenig vertrauen wie der katholischen Kirche.

Die Bischofskonferenz schreibt weiter, sie werde die Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs fortsetzen. "Unsere mehrfach verschärften Leitlinien in der Bekämpfung des Missbrauchs, unsere Präventions- und Interventionsarbeit haben seit mehreren Jahren international anerkannte Standards erreicht." Erforderlich sei jetzt ein umfassender kirchlicher Kulturwandel. "Wir brauchen Erneuerung", konstatieren die Bischöfe.

Kardinal Wetter entschuldigt sich

Der frühere Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, entschuldigte sich derweil für seine "falsche Entscheidung" in dem im Gutachten dargestellten Missbrauchsfall. Der betreffende Pfarrer hätte nicht mehr in der Seelsorge eingesetzt werden dürfen, hieß es in einer Erklärung, die das Erzbistum in Wetters Auftrag veröffentlichte. "Es tut mir von Herzen leid." In anderen Fällen bestreitet er ein ihm vorgeworfenes Fehlverhalten allerdings vehement. "In 6 Fällen liegt kein Missbrauch vor", schreibt Wetter beispielsweise - oder: "Ein Name war mir völlig unbekannt." Er kommt zu dem Schluss: Die Fakten der 21 Fälle belegten "keinesfalls pauschal ein "Fehlverhalten in 21 Fällen"".

Wetter ist der Vorgänger von Kardinal Reinhard Marx im Münchner Bischofsamt und war von 1982 bis 2008 Erzbischof der Diözese. In seine Amtszeit fällt die Versetzung eines wegen sexuellen Missbrauchs rechtskräftig verurteilten Priesters in eine andere Gemeinde in Garching an der Alz - wo er erneut Jungen missbraucht haben soll. Für diesen Fall gilt die Entschuldigung, die er nun formulierte.

Missbrauchsgutachten wirft Wetter Fehlverhalten in 21 Fällen vor

Ein vom Erzbistum unter seinem Nachfolger Marx in Auftrag gegebenes Gutachten, das in der vergangenen Woche vorgestellt wurde, wirft Wetter Fehlverhalten in 21 Fällen vor. Er habe die Fälle zwar nicht bestritten, ein Fehlverhalten seinerseits aber, sagte der Jurist Martin Pusch bei der Präsentation des Gutachtens. Auch dem aktuellen Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, wird formales Fehlverhalten in zwei Fällen vorgeworfen. Von mindestens 497 Opfern und 235 mutmaßlichen Tätern sprechen die Gutachter, sie gehen aber von einem deutlich größeren Dunkelfeld aus. Schlagzeilen hatte nach der Vorstellung des Gutachtens bislang vor allem die Rolle Joseph Ratzingers gemacht, des heute emeritierten Papstes Benedikt XVI. Ihm werfen die Gutachter Fehlverhalten in vier Fällen vor.

(Dieser Artikel wurde am Dienstag, 25. Januar 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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