Panorama

Kritik an Jerusalem-Entscheidung Papst ruft zu Hilfe für Flüchtlinge auf

Auch an Heiligabend wird Papst Franziskus politisch: Fliehenden solle mit Gastfreundschaft begegnet werden. In Betlehem wird die Entscheidung der USA kritisiert, ihre Botschaft nach Jerusalem zu verlegen. Palästinenserpräsident Abbas ist beim Gottesdienst dabei.

Überschattet von der von Washington losgetretenen Krise um den Status von Jerusalem haben Christen aus aller Welt Heiligabend in Rom und Bethlehem begangen. Bei seiner traditionellen Christmette im Petersdom erinnerte Papst Franziskus an das Leid der Flüchtlinge. In Bethlehem kritisierte der Leiter des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, die einseitige Entscheidung der USA, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen.

In seiner Predigt im Petersdom rief Papst Franziskus zu "Nächstenliebe" und "Gastfreundschaft" auf. So wie einst Maria und Josef seien heute "Millionen Menschen" zum Verlassen ihrer Heimat gezwungen, "weil sie aus ihrem Land vertrieben werden", sagte der argentinische Pontifex. " Wir sehen die Spuren ganzer Familien, die auch heute gezwungen sind, von zu Hause wegzugehen." Niemand aber dürfe das Gefühl haben, "in dieser Welt keinen Platz zu haben", sagte Franziskus weiter und sprach sich für eine neue "Auffassung des Sozialen" aus. Auch Maria und Joseph hätten bei ihrer Ankunft in Bethlehem die Erfahrung machen müssen, dass "sie dort niemand erwartete, dass dort kein Platz für sie war".

Man dürfe sich nicht mit Ungerechtigkeit zufrieden geben, sondern müsse den Mut haben, "inmitten von Spannungen und Konflikten zu einem Raum der Gastfreundschaft zu werden", sagte der 81 Jahre alte Argentinier, der selbst Sohn italienischer Einwanderer ist. Der Glaube könne Menschen dazu bringen, "keine Angst zu haben, neue Formen der Beziehung auszuprobieren, in denen niemand das Gefühl haben muss, in dieser Welt keinen Platz zu haben".

Abbas in christlichem Gottesdienst

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Mahmud Abbas (l.) mit Erzbischof Pierbattista Pizzaballa in der Erlöserkirche

(Foto: AP)

In Bethlehem wich Erzbischof Pizzaballa von seiner vorbereiteten Rede ab, um auf die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump einzugehen, die US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. "Jerusalem ist eine Stadt des Friedens, doch kann es keinen Frieden geben, wenn einer ausgeschlossen ist", mahnte Pizzaballa.

"Jerusalem ist unsere Mutter" fügte er hinzu, doch wenn die Mutter eines seiner Kinder verliere, könne sie "keinen Frieden finden - also beten wir für Jerusalem". An dem Gottesdienst nahm auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, ein Muslim, teil. Starker Regen und kalter Wind begleiteten währenddessen die gedrückte Stimmung auf dem Platz vor der Geburtskirche.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte Pizzaballa beklagt, die Spannungen in Jerusalem und den Palästinensergebieten hätten "die Aufmerksamkeit von Weihnachten abgelenkt". Nach seinen Angaben haben seit Trumps Ankündigung vom 6. Dezember "dutzende" Touristengruppen ihre Pilgerfahrten ins Heilige Land aufgrund der Sicherheitslage abgesagt.

In Syrien und dem Irak dagegen feierte die christliche Minderheit das erste Weihnachten nach der Vertreibung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat. In der zweitgrößten irakischen Stadt Mossul versammelten sich Dutzende Menschen in der St. Paulskirche, wo die Messe mit der irakischen Nationalhymne eröffnet wurde. Patriarch Louis Raphael Sako forderte die Gläubigen auf, für "Frieden und Stabilität in Mossul, dem Irak und der Welt" zu beten. Mossul stand drei Jahre lang unter der Kontrolle des IS, erst im Juli gelang es der irakischen Armee mit internationaler Unterstützung, die Großstadt wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Besonders der Westen der Stadt liegt noch immer in Trümmern.

Auch im syrischen Homs feierten Christen erstmals seit der Rückeroberung der Stadt durch Regierungstruppen wieder Weihnachten. In der ehemaligen IS-Hochburg Raka dagegen warteten zwei komplett von Minen geräumte Kirchen weiterhin auf die Rückkehr ihrer vertriebenen Gläubigen.

Quelle: n-tv.de, rpe/dpa/AFP

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