Panorama

Tödlicher Angriff in Würzburg Passanten wehren sich mit Holzstühlen

Ohne erkennbaren Grund greift ein junger Somalier in Würzburg mehrere Passanten an. Viele wehren sich mit Besen und Holzstühlen. Am Ende gibt es drei Tote und viele Verletzte. Die Tat erinnert an eine Attacke vor knapp fünf Jahren in einer Bahn auf dem Weg in die Stadt am Main.

Schreie, Polizeisirenen, Passanten in Angst: Die Szenen, die im Internet in kleinen Videosequenzen zu sehen sind, lassen erschaudern. Ein Mann taumelt am Nachmittag durch die Würzburger Innenstadt. Er ist barfuß, in der linken Hand hat er ein langes Messer. Mit diesem soll er wahllos auf Passanten eingestochen haben. Drei Menschen sind nach Polizeiangaben tot, es gibt "mehrere zum Teil schwer verletzte Personen, die im Krankenhaus behandelt werden", sagt ein Polizeisprecher mehr als drei Stunden später.

Ein Amoklauf? Ein Anschlag? Die Tat eines Kranken? Am Abend sind noch viele Fragen offen. Viel teilen die Ermittler nicht mit - nur eines ist sicher: Sie haben ihn. Die Polizei habe zwar schießen müssen, aber der verdächtige Somalier sei gestoppt worden. "Der Täter ist in Würzburg wohnhaft, und er ist außer Lebensgefahr." Die Gefahr für die Bevölkerung sei vorüber.

Mit Besen und Holzstuhl

Gegen 17 Uhr kommt der Notruf bei der Polizei an: Messerangriff am Barbarossaplatz. Die Beamten rücken mit einem Großaufgebot aus, Teile der Innenstadt werden abgeriegelt.

Vor der Festnahme filmen Passanten den Verdächtigen. Ein unbekannter Mann versucht mit einem Besen, den Angreifer zu überwältigen. Weitere Menschen schnappen sich Holzstühle - womöglich zur Verteidigung oder um den mutmaßlichen Täter in Schach zu halten. Ein anderer Mann wirft eine Tasche in Richtung des 24-Jährigen, der verwirrt und verloren wirkt.

Der Verdächtige trägt einen beige-braunen Pullover und eine dunkle Hose. Als er in einer Seitengasse verschwindet, laufen ihm viele Passanten hinterher. Man hört Polizeisirenen, ein Mann in einem roten Shirt winkt den Beamten zu und weist ihnen den Weg. Das Polizeiauto verschwindet in der Gasse. Wo genau die Beamten schließlich den Verdächtigen stoppen, der auf den Szenen mit Corona-Schutzmaske zu sehen ist, ist unklar.

Nichts Näheres bekannt

Die kurzen Filme decken sich mit der Beschreibung von Augenzeugen. Über die möglichen Motive des Festgenommenen ist noch nichts bekannt. Am Abend sagt ein Sprecher des Generalbundesanwalts, die Ermittler wüssten noch nichts Näheres über den mutmaßlichen Täter - Gefährder, Extremist oder psychisch krank? Am Abend teilt der bayerische Innenminister Joachim Herrmann mit, dass der mutmaßliche Täter in den vergangenen Monaten mit Gewalttätigkeiten und Gewaltbereitschaft aufgefallen sei.

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Vor allem sei der 24-Jährige "psychisch aufgefallen", sagte Herrmann. Erst vor einigen Tagen sei er auch zwangsweise in eine psychiatrische Behandlung eingewiesen worden.

Keine fünf Jahre ist es her, als Würzburg wegen der Attacke eines anderen Mannes mit einem Messer und einer Axt bundesweit in den Schlagzeilen ist. Am 18. Juli 2016 greift ein 17-Jähriger in einer Bahn bei Würzburg vier Menschen an und verletzt sie schwer. Der afghanische Flüchtling flieht anschließend zu Fuß, attackiert eine Spaziergängerin. Schließlich erschießen Polizisten den Mann. Die Tat reklamiert später die Terrormiliz IS für sich. Es ist der erste IS-Terroranschlag in Deutschland.

Quelle: ntv.de, Carolin Gißibl und Angelika Resenhoeft, dpa

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