Panorama

Besucherschwund auf Museumsinsel Pergamon-Sanierung zieht sich

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Noch gibt es keinen konkreten Termin für die Neueröffnung des Pergamonmuseums.

(Foto: picture alliance/dpa)

Seit 2012 wird das Berliner Pergamonmuseum saniert. Dabei herrschen schwierige Bedingungen, denn die Exponate bleiben im Museum. Auch deswegen verzögert sich die Neueröffnung. Aber Besucher müssen sich nicht mehr lange gedulden.

Der Pergamonaltar im Berliner Pergamonmuseum gilt bei vielen Forschern als achtes Weltwunder der Antike. Jahr für Jahr kamen weit mehr als eine Million Menschen auf die Berliner Museumsinsel, um das einzigartige Kunstwerk aus der griechischen Metropole in Kleinasien zu besichtigen. Der mehr als 2000 Jahre alte Altar war Ende des 19. Jahrhunderts bei Ausgrabungen nahe der Westküste der heutigen Türkei entdeckt worden.

Doch seit mehr als vier Jahren ist der über 30 mal 30 Meter große Steinkoloss mit dem legendären Gigantenfries hinter einer undurchdringlichen Schutzwand verschwunden. Das eigens dafür gebaute Pergamonmuseum wird erstmals seit seiner Eröffnung 1930 von Grund auf saniert. Schon früh gab es Schlagzeilen wegen explodierender Kosten, alles dauert länger als geplant.

"Das Revolutionäre am Pergamonmuseum war einst, dass die Besucher die antike Architektur hier authentisch erleben konnten, in Originalgröße und mit Tageslicht", sagt Gesamtprojektleiter Frank Röger vom Bundesamt für Raumordnung und Bauwesen. Die Glasdecke über dem Altar soll helfen, den Altar wie in Kleinasien in wechselnden Lichtstimmungen und im Gang der Jahreszeiten zu sehen. "Diese Inszenierung hat den Weltruhm des Museums begründet. Das wollen wir erhalten."

"Operation am offenen Herzen"

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Frank Röger und Astrid Marlow im Dachbereich des Pergamonmuseums. Die Lichtdecke, die das Museum mit Tageslicht versorgt, erforderte eine komplette Erneuerung der Verglasung.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dafür müssen rund 2500 Quadratmeter Lichtdecken und 5300 Quadratmeter Glasdächer erneuert werden. Der Hellenistische Saal ist praktisch fertig, im Pergamonsaal laufen die Arbeiten auf Hochtouren. "Wir haben die Auflage vom Landesdenkmalamt, die alte Stahlkonstruktion zu erhalten. Deshalb bauen wir die neue um die alten historischen Fachwerkträger herum, was die Sache nicht unbedingt einfacher macht", sagt Projektleiterin Astrid Marlow.

Die Herausforderungen sind noch größer als bisher bei der Generalsanierung der Museumsinsel. Denn schon früh entschieden die Verantwortlichen, die mit der Architektur verbundenen und oft fragilen Großobjekte aus Sicherheitsgründen nicht auszubauen. Sie bleiben während der gesamten Bauzeit im Haus. "Eine Operation am offenen Herzen" nennt der Präsident der verantwortlichen Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, das Vorgehen.

Mit einem ausgeklügelten System elektronisch gesteuerter Kontrollen wird jeder Schritt in dem unter Unesco-Schutz stehenden Haus überwacht. Rund um die Uhr müssen Luftfeuchtigkeit und Temperatur stimmen. Sensoren an den Säulen zeigen an, sobald es durch die Bauarbeiten zu unliebsamen Erschütterungen kommt. Und waagrecht gespannte Schläuche mit einer bläulichen Flüssigkeit rund um den Altar und andere neuralgische Punkte signalisieren in Echtzeit, wenn das Fundament auch nur einen Millimeter nachgibt.

Kompletter Baustop

"Während der gesamten Bauzeit bisher haben wir den Grenzwert für Erschütterungen 34 Mal und den Grenzwert für Setzungen 18 Mal erreicht", sagt Astrid Marlow. "Das bedeutet jedes Mal einen kompletten Baustopp. Wir müssen alles überprüfen, nach möglichen Schäden schauen, gegebenenfalls umsteuern oder auch ganz umplanen." Inzwischen sind die heiklen Abbruch- und Tiefbauarbeiten fast abgeschlossen, das Kontrollsystem wird Anfang 2019 abgebaut. "Der Aufwand hat sich rentiert: Keines der eingebauten Exponate hat Schaden genommen", so Marlow.

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Baugerüste im Pergamonsaal. Wegen der Größe der antiken Inszenierungen entschied man sich beim Sanierungskonzept gegen eine Demontage. Stattdessen wurden die Objekte durch Einhausungen geschützt und werden ständig überwacht.

(Foto: dpa)

Eigentlich hätte der erste Bauabschnitt mit dem Nordflügel und dem Pergamonsaal schon im kommenden Jahr fertig sein sollen. 2016 wurde der Termin wegen zahlreicher Schwierigkeiten auf 2023 verschoben. Inzwischen sind die Bauherren nochmal vorsichtiger. "Im Frühjahr 2019 wollen wir Richtfest feiern und dann einen terminlichen Ausblick für die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts vorlegen", kündigt Projektleiter Röger an.

Künftig soll das Haus rundum modernen Museumsstandards entsprechen, zahlreiche Neuerungen stehen an. Nach den Plänen des 2007 verstorbenen Architekten Oswald Mathias Ungers entsteht im Innenhof des gewaltigen Flügelbaus ein neuer zentraler Eingang, ein vierter Flügel ist geplant und eine archäologische Promenade, die später einmal die fünf Häuser der Museumsinsel unterirdisch verbinden soll.

Sorge um Besucherzahlen

Sorgen macht den Verantwortlichen, dass das Publikumsinteresse durch die Sanierung drastisch zurückgeht. Seit 2012 hat sich die Zahl der Besucher auf nur mehr rund 700.000 fast halbiert. Neuen Schwung soll nun das temporäre Ausstellungsprojekt "Pergamonmuseum. Das Panorama" bringen, das am 17. November in einem Übergangsquartier direkt gegenüber der Museumsinsel öffnet.

Dort werden rund 80 hochkarätige Originalwerke aus Pergamon zu sehen sein - etwa der "Schöne Kopf" des Herakles, die Prometheus-Gruppe und der größte Teil des Telephos-Frieses. Den Altar selbst hat der Künstler Yadegar Asisi in einem Rundpanorama neu inszeniert. Das Panorama war 2011/12 im Rahmen einer Sonderausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin zu sehen und wird nun wieder eröffnet. Die originalen Götter und Giganten verharren derweil vorerst weiter in ihrem Dornröschenschlaf hinter der Schutzwand.

Quelle: ntv.de, Nada Weigelt, dpa