Panorama

Nach Fipronil nun Amitraz Pestizid in Desinfektionslösung entdeckt

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Auf dem Förderband einer Hühnerfarm im belgischen Merksplas werden Eier kontrolliert.

(Foto: dpa)

Neue Entwicklung im Fipronil-Skandal: Bei einer Analyse der gepanschten Desinfektionslösung "Dega 16" wird nun auch Amitraz entdeckt. Das Pestizid darf in Geflügelställen nicht vorkommen.

Der Skandal um die mit Fipronil belasteten Eier könnte sich ausweiten. Bei einer Analyse der gepanschten Desinfektionslösung "Dega 16", die als Auslöser des Skandals gilt, ist in Belgien auch das Pestizid Amitraz entdeckt worden. Das erklärte das belgische Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Zuvor hatte der "Spiegel" über die Untersuchungsergebnisse berichtet. Demnach hatten belgische Behörden bei der Untersuchung von sichergestellten "Dega 16"-Kanistern Spuren des Giftstoffs gefunden, zitiert das Nachrichtenmagazin aus einem vertraulichen Bericht, der über das europäische Schnellwarnsystem RASFF verbreitet wurde.

Laut "Spiegel" soll Belgien den Fund bereits im Juli über dieses Lebensmittel-Warnsystem an die übrigen EU-Staaten übermittelt haben. Amitraz wird unter anderem in der Tiermedizin gegen Milben und Insekten eingesetzt. Biozide mit Amitraz sind in der EU verboten.

Hinter dem Fipronil-Skandal steckt aus Sicht von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt  kriminelle Energie. Der Einsatz des Pestizids in Hühnerställen sei "kriminell", sagte er im niedersächsischen Verden. Eine Gesundheitsgefahr für Verbraucher schloss er jedoch aus. "Gott sei Dank, kann ich Entwarnung geben: Es gibt keine Gesundheitsgefährdung für den Verbraucher."

Fipronil-Fälle auch in Hamburg und Baden-Württemberg

Erstmals wurde am Freitag das Insektizid Fipronil auch in einer Ei-Probe aus Hamburg nachgewiesen. Auch in Baden-Württemberg ließ sich der Stoff erstmals in Eiern nachweisen. In beiden Fällen teilten die zuständigen Ämter mit, dass keine Gesundheitsgefahr von den Eiern ausgehe. Bis dahin war Fipronil deutschlandweit in fünf Betrieben nachgewiesen worden, vier davon in Niedersachsen. EU-weit sind bisher 18 Länder betroffen. Doch auch in Nicht-EU-Staaten wie der Schweiz, dem Libanon und Hongkong fanden sich kontaminierte Eier.

Schmidt betonte, der Skandal tauge nicht zum Wahlkampfthema. Er ist als Bundeslandwirtschaftsminister für das Thema zuständig, Lebensmittelüberwachung dagegen ist Sache der Bundesländer. "Sachlich und ruhig" müssten Lehren gezogen werden, um den Austausch von Informationen in Europa in Zukunft zu verbessern, sagte der CSU-Politiker. Zuletzt hatte das Bundesagrarministerium die Zahl von 10,7 Millionen möglicherweise mit Fipronil belasteten Eiern in Deutschland genannt, während der niedersächsische Agrarminister Christian Meyer von den Grünen allein für sein Bundesland von 35,3 Millionen Eiern ausging.

Sonderdebatte des niederländischen Parlaments

In den Niederlanden, das mit mindestens 180 betroffenen Betrieben, von denen derzeit noch rund 140 geschlossen sind, im Zentrum des Lebensmittelskandals steht, unterbricht das Parlament seine Sommerpause für eine Sonderdebatte. Dabei sollen die Gesundheitsministerin und der Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums Rede und Antwort stehen. Die Debatte soll in der kommenden Woche stattfinden.

Klärungsbedarf sieht auch die Europäische Union. Das Thema soll nun beim EU-Agrarministertreffen am 5. September eine Rolle spielen. Nach dpa-Informationen hat die estnische Ratspräsidentschaft die Tagesordnung für die Beratungen der Agrarminister am 5. September entsprechend geändert.

Nach den bisherigen Ermittlungen gelangte Fipronil in Eier, weil es unerlaubterweise in das legale Desinfektionsmittel "Dega 16" gemischt wurde, das zur Reinigung von Ställen eingesetzt wird. Fipronil kommt unter anderem als Insektengift, Pflanzenschutzmittel sowie in der Veterinärmedizin zum Einsatz. In der Hühnerzucht ist es verboten.

Quelle: ntv.de, wne/dpa