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Mehr Lebensqualität als im Heim Pflege-WGs werden immer beliebter

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Immer mehr Pflegebedürftige entscheiden sich gegen ein Pflegeheim und für betreutes Wohnen oder eine Pflege-WG.

(Foto: picture alliance/dpa)

Immer mehr pflegebedürftige Deutsche werden in Pflege-WGs oder in betreuten Wohnheimen untergebracht - weil dort die Lebensqualität oft höher ist als im klassischen Pflegeheim. Die Barmer Krankenkasse fordert allerdings eine bessere Qualitätssicherung in solchen Wohnformen.

Pflege-WG statt Heim: In Deutschland werden immer mehr Pflegebedürftige in Wohngemeinschaften und im betreuten Wohnen versorgt. Bundesweit gibt es inzwischen bis zu 8000 betreute Wohnanlagen und rund 4000 Pflege-WGs, wie aus dem in Berlin veröffentlichten Barmer-Pflegereport hervorgeht. Etwa 150.000 Pflegebedürftige leben demnach in betreuten Anlagen und rund 31.000 in Wohngemeinschaften. Etwa jede dritte dieser Wohnanlagen sei in den vergangenen zehn Jahren entstanden. Allein 2018 waren dem Bericht zufolge weitere 340 betreute Wohnanlagen mit zehntausend Pflegeplätzen im Bau oder in Planung. Im Vergleich dazu gibt es aktuell bei den Pflegeheimen 270 Projekte.

Betreutes Wohnen wird außerdem zunehmend direkt von Pflegeeinrichtungen angeboten. War im Jahr 2004 noch knapp die Hälfte der betreuten Wohnanlagen unabhängig von Heimen, war es im vergangenen Jahr nur noch ein Viertel. "Wer sich für betreutes Wohnen oder eine Wohngemeinschaft entscheidet, sucht vor allem mehr Lebensqualität im Vergleich zu einem Heim", erklärter Barmer-Chef Christoph Straub. Die Qualität der Pflege dürfe dabei aber nicht auf der Strecke bleiben. Er forderte daher eine Qualitätsprüfung wie bei Heimen. "In der Summe finden sich keine Vorteile in der Pflegequalität in der Pflege-WG oder in betreutem Wohnen gegenüber der Pflegequalität im Pflegeheim", lautet das Fazit der Experten. Vorteile gebe es hingegen bei Lebensqualität, Wohnraumgestaltung und Wahlfreiheit.

Gesundheitliche Vorteile

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In den Pflege-WGs sind Arztkontakte seltener als im Pflegeheim.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dem Report zufolge sind bei den Bewohnern im betreuten Wohnen und in den Pflege-WGs beispielsweise Arztkontakte seltener und auch Verordnungen von Antipsychotika. Diese Mittel werden bei psychotischen Erkrankungen angewendet, speziell bei Schizophrenie, bei bipolaren Störungen oder bei Unruhe und Schlafstörungen durch Psychosen. Im betreuten Wohnen sind der Barmer zufolge zugleich neue Fälle von Wundliegen, dem sogenannten Dekubitus, zu 66 Prozent wahrscheinlicher als im Pflegeheim. Zudem müssten 3,6 Prozent der Bewohner des betreuten Wohnens wegen Erkrankungen ins Krankenhaus, die sich auch ambulant gut behandeln ließen. In Pflegeheimen gibt es nur 2,5 Prozent solcher Fälle je Monat.

Als Ursache sieht die Krankenkasse fehlende Qualitätsmaßstäbe für die neuen Pflegeformen. "Wir fordern eine Harmonisierung der rechtlichen Rahmenbedingungen zwischen den Bundesländern und einen Pflege-TÜV für die neuen Wohn- und Pflegeformen", erklärte Straub. Zudem sollten die Länder generell für die Pflege die Aufsicht übernehmen und für mehr Transparenz auf dem Markt sorgen. Der Barmer zufolge waren die neuen betreuten Wohnformen im Vergleich zu Pflegeheimen allein 2018 um knapp 400 Millionen Euro teurer.

Quelle: ntv.de, yla/AFP