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Millionen für entführten Deutschen? Philippinische Islamisten fordern Lösegeld

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Militärpatrouille in der unübersichtlichen Inselwelt Südostasiens: Philippinische Soldaten suchen nach dem entführten deutschen Segler (Archivbild).

(Foto: REUTERS)

Ist Jürgen K. noch am Leben? Gut zwei Wochen nach der Verschleppung des deutschen Seglers im Seegebiet der Philippinen meldet sich ein obskurer "Sub-Commander" der Entführer zu Wort. Die Terroristen fordern hohe Summen.

Im Fall des von islamistischen Extremisten auf den Philippinen entführten deutschen Seglers gibt es einen neuen Hoffnungsschimmer: Jürgen K. könnte laut philippinischen Medien noch am Leben sein. Darauf deuten zumindest Forderungen hin, in denen ein Vertreter der Entführer Lösegeld im Gegenzug für die Freilassung des Deutschen verlangt.

Einem lokalen Zeitungsbericht zufolge soll sich ein angeblicher "Sub-Commander" der islamistischen Terrororganisation Abu Sayyaf per SMS zu der Tat bekannt haben. Der Mann namens Alhabsi Misaya habe zudem ein Foto des Deutschen übermittelt und dabei eine ungewöhnlich hohe Lösegeldforderung gestellt.

Die Islamisten verlangen demnach 500 Millionen philippinischen Peso. Umgerechnet entspricht das einer Summe von rund 9,474 Millionen Euro. Der Weltenbummler aus Deutschland war zusammen mit seiner Frau auf seiner Segeljacht im Seegebiet der philippinischen Inselprovinz Sulu unterwegs, als sie von islamistischen Terroristen überfallen wurden.

59-jährige Deutsche erschossen

Bei dem Angriff auf die beiden Deutschen gingen die Extremisten äußerst brutal vor. Die deutsche Seglerin wurde kurzerhand ermordet, ihr Lebensgefährte an einen unbekannten Ort verschleppt. Örtliche Sicherheitskräfte fanden auf der verlassenen Segeljacht die Leiche der 59-jährigen Frau vor. Ihr Körper wies angeblich schwere Schussverletzungen auf. Von dem 70-jährigen Skipper fehlt seitdem jede Spur. Er wird in einem Dschungellager der Terrororganisation Abu Sayyaf vermutet.

Ein Abu-Sayyaf-Anführer habe sich kurz nach der Entführung in einer Audiobotschaft zu dem Überfall bekannt, heißt es in lokalen Medienberichten. Auch die Stimme des verschleppten Deutschen sei darauf zu hören. "Piraten haben unser Boot gekapert", soll ein Mann dabei mit hörbar deutschem Akzent erklärt haben.

Das weitere Schicksal von Jürgen K. ist unklar. Der angebliche "Sub-Commander" habe in seiner Nachricht kein Ultimatum gestellt, berichtete die in der Region erscheinende Zeitung "Philippine Star". Auch würden keine Todesdrohungen im Falle einer Nichterfüllung der Forderung gemacht. Zudem sei das angebliche Beweisfoto undatiert, heißt es in dem Bericht.

"Abu Sayyaf zerstören"

Es besteht die Gefahr, dass der entführte Segler zwischen die Fronten gerät. Niemand könne mit Sicherheit sagen, ob der entführte Deutsche noch am Leben sei, zitieren philippinische Medien zitieren einen Militär-Sprecher. "Wie immer der Zustand des Opfers ist, die Armee wird ihre Operationen unbeirrt fortsetzen. Aufgabe des Militärs wird weiterhin sein, Abu Sayyaf zu zerstören."

Das philippinische Militär geht in der Region mit großer Härte gegen islamistische Terroristen vor. Bei den Opfern handle es sich um das Ehepaar, das bereits 2008 von somalischen Piraten im Golf von Aden am Horn von Afrika entführt worden war.

Erst im April 2014 hatte Abu Sayyaf zwei Deutsche von einer Jacht auf den Philippinen entführt und später wieder freigelassen. Nach Angaben der Extremisten soll damals Lösegeld geflossen sein. Weder die Bundesregierung noch die philippinische Regierung habe das je bestätigt. Im Frühjahr ermordete Anhänger von Abu Sayyaf zwei Kanadier, weil angeblich kein Lösegeld geflossen sei. Ein Norweger kam dagegen kurz darauf frei.

Die Terroristen kämpfen nach eigenen Angaben in der muslimischen Unruheregion im Süden des mehrheitlich katholischen Inselstaates um mehr Autonomie. Die Organisation hat der Terror-Miliz Islamischer Staat (IS) die Treue geschworen. In den Gewässern zwischen Malaysia und den Philippinen sind allerdings auch Piraten aktiv.

Berüchtigt ist Abu Sayyaf seit der Entführung von Touristen aus einem malaysischen Taucherparadies vor 16 Jahren. Darunter war die deutsche Familie Wallert, die erst nach wochenlangem Nervenkrieg im Dschungel freigelassen wurde.

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Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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