Mit Wetterballons über GrenzePolen nimmt erfinderische Zigarettenschmuggler fest

Acht Männer sollen illegal Zigaretten aus Belarus nach Polen gebracht haben. Die Behörden werfen ihnen schwere Steuerstraftaten vor. Es ist nicht das erste Mal, dass Schmuggelware über die Grenze geflogen kommt.
Polnische Grenzschützer haben acht mutmaßliche Schmuggler festgenommen, die mit Wetterballons illegal Zigaretten aus Belarus in die EU geflogen haben sollen. Es handele sich um vier polnische und vier litauische Staatsbürger im Alter zwischen 20 und 44 Jahren, teilte eine Sprecherin der Behörde mit. Ihnen würden unter anderem schwere Steuerstraftaten und Verstöße gegen das Gesetz zum Schutz der nationalen Sicherheit vorgeworfen. Die Mindeststrafe bei einer Verurteilung liege bei drei Jahren Haft.
Zu den Festnahmen kam es in der Woiwodschaft Podlachien im Nordosten Polens. Nach Angaben des polnischen Innenministers Marcin Kierwinski erhöhte sich damit die Gesamtzahl der in diesem Jahr gefassten mutmaßlichen Ballonschmuggler auf 16. Der Wert der bisher sichergestellten Zigaretten belaufe sich auf 2,8 Millionen Zloty, umgerechnet rund 660.000 Euro.
Vergangene Woche hatte der polnische Grenzschutz bereits fünf mutmaßliche Schmuggler an der polnisch-belarussischen Grenze festgenommen. Es handelte sich demnach um polnische, belarussische und ukrainische Staatsangehörige, denen unter anderem Unterstützung der Aggression gegen die Ukraine vorgeworfen wird. Ihnen stehen drei Monate Untersuchungshaft bevor.
Ballons mit explosivem Gemisch gefüllt
Polen hat an der EU-Außengrenze zu Belarus eine rund 180 Kilometer lange und rund 5,5 Meter hohe Barriere mit moderner Überwachungstechnik errichtet. Auch weil Belarus ein enger Verbündeter Russlands ist, das seit 2022 einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt.
Seit dem Bau des Grenzzauns suchen Schmuggler nach Einschätzung des Grenzschutzes nach neuen Wegen und Methoden, um das Hindernis zu überwinden. Offenbar befestigen die Schmuggler an ihrer Ladung GPS-Geräte, um die Pakete nach der Landung orten und bergen zu können.
Laut polnischem Grenzschutz sind die Ballons mit Luft und Wasserstoff gefüllt. In den Augen der Behörde ein explosives Gemisch, das eine Bedrohung für Leben und Eigentum vieler Menschen in der Grenzregion darstellt. Die Menschen in Polen sind deshalb aufgerufen, Ballons zu melden, die sie sichten. Laut "Euronews" entdeckten polnische Radarsysteme im Januar und Februar dieses Jahres mehrere Nächte hintereinander Ballons. In der Folge wurde vorübergehend der Luftraum gesperrt.
Für das vergangene Jahr meldeten die polnischen Grenzschützer 29 Festnahmen wegen Schmuggels mit Wetterballons. Dabei seien Zigaretten im Wert von 3,4 Millionen Zloty beschlagnahmt worden, was nach aktuellem Wechselkurs rund 800.000 Euro entspricht. Der Grenzschutz berichtete für 2025 außerdem von 19 aufgedeckten Fällen, in denen Zigaretten mithilfe von Drohnen über die Grenze geflogen worden seien. Dabei wurde demnach Ware im Wert von 3,6 Millionen Zloty beschlagnahmt. Das entspricht rund 850.000 Euro.
Der Zigarettenschmuggel aus Belarus mithilfe von Wetterballons ist laut "Euronews" nicht nur für Polen ein Problem: Auch die Nachbarländer Lettland und Litauen litten darunter.