Panorama
(Foto: imago stock&people)
Freitag, 10. November 2017

"Macht es wie die Karnickel": Polens Hasenvergleich geht in die Hose

Wie animiert man seine Landsleute zum Kinderkriegen? Polen versucht es mit einem Clip, der Kaninchen in den Hauptrollen zeigt. Dafür setzt es Kritik: In diesem peinlichen Spot zeige die Regierung ihre wahren Absichten.

Die Dänen haben es vorgemacht, nun ziehen die Polen nach: Mit einem eigenwilligen Werbefilm sagt die Regierung in Warschau der niedrigen Geburtenrate den Kampf an. In dem 30-Sekunden-Clip, in dem Kaninchen die Hauptrollen spielen, fordert das Land seine Bürger auf: Macht es wie die tierischen Vorbilder.

Zur Information: Polen zählt offiziellen Angaben zufolge zu den europäischen Ländern mit der niedrigsten Geburtenrate. Demnach bekommt eine Frau dort durchschnittlich 1,32 Kinder. Nur in Portugal kommen noch weniger Babys auf die Welt. Vor diesem Hintergrund versucht die konservative Regierung mit allerlei Maßnahmen, der schwindenden Bevölkerungszahl entgegenzuwirken.

In dem Video, dass vom Gesundheitsministerium in Auftrag gegeben wurde, hoppeln zu Beginn Dutzende Langohren gutgelaunt über eine Wiese und nagen genüsslich an Karotten und Salat. Nebenher verrät ein Erzähler, warum Kaninchen so zahlreiche Nachkommen produzieren. Die Antwort ist denkbar einfach: mehr Bewegung, gesunde Ernährung, weniger Stress und etwas Romantik. Ein umgedrehtes Weinglas transportiert noch eine weitere Botschaft: Mit Alkohol klappt es nicht so gut.

Der polnische Illustrator Andrzej Mleczko reagierte mit einer Karikatur, auf dem ein Kaninchen an einem Kiosk nach 800 Kondomen fragt, auf den Karnickel-Clip.

Medienberichten zufolge soll der Werbespot mehr als 700.000 Euro gekostet haben. Nicht nur deshalb hagelte es von der Opposition Kritik. Der ehemalige Gesundheitsminister Bartosz Arlukowicz von der oppositionellen Bürgerplattform (PO) sprach von einem "peinlichen" Vorschlag, PO-Senator Tomasz Grodzki meint gar: "In diesem peinlichen Spot zeigt die Regierung ihre wahren Absichten: Wir sollen wie Kaninchen geboren werden, essen wie die Ochsen, abstimmen wie Böcke und still wie Mäuschen sein."

Dass der Hasenvergleich in die Hose gegangen ist, meint auch Sprachwissenschaftler Jerzy Bralcyk. Sprachkonnotationen mit Kaninchen und Fruchtbarkeit seien eindeutig negativ besetzt, sagte er der polnischen Zeitung "Dziennik Gazeta Prawna". Auch hierzulande ist der Ausspruch "Rammeln wie die Karnickel" nicht als Kompliment zu verstehen.

Polens Gesundheitsminister verteidigte die Kampagne gegen die anhaltende Kritik: "Ich glaube, dass, auch wenn der Spot ein bisschen umstritten ist, er Aufmerksamkeit auf ein Thema lenkt, das in Polen ein Problem ist", sagte Konstanty Radziwill im Parlament und kündigte weitere Clips und Werbung im Radio an.

Quelle: n-tv.de

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