Panorama

Tausende auf Trafalgar Square Polizei beendet Corona-Proteste in London

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Britische Medien berichteten von 15.000 Demonstranten, alle ohne Masken.

(Foto: picture alliance/dpa)

Während in London Tausende gegen Corona-Einschränkungen demonstrieren und mit Polizeigewalt auseinandergetrieben werden müssen, gibt sich Premier Johnson in einer Rede vor den Vereinten Nationen als großer Versöhner in Pandemiezeiten. Das Virus habe die Weltgemeinschaft "zerfleddert".

In London ist es bei Protesten gegen die verschärften Corona-Maßnahmen zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. 16 Menschen seien festgenommen und neun Polizisten verletzt worden, teilte die Polizei mit. Zwei der Polizisten mussten mit Kopfverletzungen im Krankenhaus behandelt werden.

Auf dem Trafalgar Square im Londoner Stadtzentrum hatten sich Tausende Menschen versammelt, um unter dem Motto "Wir sind nicht einverstanden" gegen die Corona-Politik der britischen Regierung zu demonstrieren. Als die Polizei die Demonstration auflösen wollte, weil sich die Teilnehmer nicht an die Auflagen zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus hielten, kam es zu den Rangeleien zwischen Demonstranten und Beamten. Britische Medien berichteten von 15.000 Menschen, es sei weit und breit kein Maskenträger zu sehen gewesen. Auf Plakaten stand zu lesen: "Wenn wir die Pubs verlieren, verlieren wir die Seele Englands."

Großbritannien ist mit fast 42.000 Toten das am stärksten von der Corona-Pandemie betroffene Land Europas. Binnen 24 Stunden verzeichnete das Land wieder mehr als 6000 Neuinfektionen. Am Vortag waren es sogar fast 7000. Trotz wieder stark steigender Infektionszahlen will die Regierung einen zweiten landesweiten Lockdown möglichst vermeiden. Sie setzt stattdessen auf regionale Maßnahmen wie etwa in England, wo alle Restaurants und Pubs um 22 Uhr schließen müssen.

"Gemeinschaft zerfleddert": Johnson gibt sich als Versöhner

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson gab sich derweil als Versöhner aller Spaltungen. Die Mitgliedstaaten der UN müssten im Kampf gegen künftige Pandemien zusammenhalten. "Wenn wir uns nicht vereinen und unser Feuer gegen unseren gemeinsamen Feind richten, wissen wir, dass alle verlieren werden", sagte der Premier bei der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in einer Videobotschaft. Dazu gehöre auch, Ursprung und Ausbreitung des neuartigen Coronavirus genau zu untersuchen.

Die Pandemie habe die Menschheit zwar "geeint wie nie zuvor", sagte Johnson. Aber das Virus habe auch eine "außergewöhnliche Kraft der Spaltung" hervorgebracht, etwa als die Länder miteinander um medizinische Güter rangen. Nach neun Monaten des Kampfes gegen die Pandemie stehe die internationale Gemeinschaft "zerfleddert" da.

Er versprach, die bevorstehende britische G7-Präsidentschaft im kommenden Jahr zu nutzen, um "die Welt nach Covid wieder zusammenzubringen". Seinen UN-Kollegen unterbreitete Johnson dafür einen Fünf-Punkte-Plan, der zusammen mit der Bill and Melinda Gates Foundation und dem britischen Wellcome Trust entwickelt wurde. Demnach soll etwa ein weltweites Netzwerk entstehen, um Krankheitserreger zu identifizieren, bevor sie vom Tier auf den Menschen überspringen.

London verspricht höhere WHO-Beiträge

Als weitere Maßnahmen nannte Johnson die Erhöhung der Entwicklungs- und Produktionskapazitäten für Behandlungs- und Impfstoffe, die Verbesserung von Frühwarnsystemen und die Vereinbarung internationaler Protokolle für Gesundheitskrisen. Dazu gehöre auch, "ehrlich zu sein und zu einem gemeinsamen Verständnis darüber zu gelangen, wie die Pandemie begann und wie sie sich ausbreiten konnte", unterstrich der Premierminister.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) müsse in jedem Fall eine zentrale Rolle spielen - "egal wie groß der Reformbedarf ist". Für Großbritannien kündigte Johnson eine Aufstockung des WHO-Beitrags um 30 Prozent über die kommenden vier Jahre an.

Johnson selbst musste nach einer Ansteckung mit dem Coronavirus im März intensivmedizinisch behandelt werden. In Großbritannien steht er auch wegen seines widersprüchlichen Umgangs mit der Pandemie in der Kritik. Diese Woche kündigte Johnson wegen eines erneuten Anstiegs der Fallzahlen weitere Restriktionen an.

Quelle: ntv.de, mau/AFP