Panorama

Versuchte Tötung im "Danni"? Polizei ermittelt gegen Umweltaktivisten

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Polizisten tragen drei Aktivisten, die ihre Arme in Metallrohre gesteckt und sich so miteinander verbunden haben, aus dem Camp im Dannenröder Forst.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei der Räumung des Dannenröder Forsts kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Beamten und Umweltaktivisten. Jetzt ermittelt die Polizei sogar wegen versuchter Tötung. Ein Mann soll ein Baumstammgestell mit Absicht zum Umstürzen gebracht haben.

Nach dem Umstürzen eines von Umweltaktivisten errichteten Baumstammgestells hat die Staatsanwaltschaft Gießen Ermittlungen wegen versuchten Totschlags aufgenommen. Gefahndet wird laut Polizeibericht nach einem Aktivisten, der am 23. November das Halteseil eines sogenannten Duopods durchtrennt haben soll, wodurch dieser umgestürzt sein soll.

Unterhalb des Gebildes hätten sich zu diesem Zeitpunkt mehrere Polizisten befunden. Diese konnten demnach "im letzten Moment zur Seite springen" und blieben deswegen unverletzt. Die Sicherheitskabine eines Baggers, der sich ebenfalls in der Gefahrenzone befunden habe, sei beschädigt worden. Der 51-jährige Baggerfahrer blieb unverletzt.

Mehrere Zeugen beobachteten laut Staatsanwaltschaft einen Mann, der das Halteseil des Holzgestells durchtrennte. Ermittelt werde nun wegen versuchten Totschlags, des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte sowie wegen Sachbeschädigung. Die Polizei fahndet mit Fotos nach dem Tatverdächtigen.

Das Waldstück, von Umweltschützern auch"Danni" genannt, nahe Homberg/Ohm wird für den Weiterbau der Autobahn 49 geräumt. Dabei hatte die Polizei Wasserwerfer gegen protestierende Aktivisten eingesetzt. Einen Tag später hätten sich die Spitzen mehrerer Umweltverbände, die Fridays-For-Future-Sprecherin Luisa Neubauer und weitere Akteure vor die letzten noch stehenden Bäume und auf eine Baumhaus-Plattform gesetzt, teilte die Nichtregierungsorganisation Campact mit. Man wolle damit unterstreichen, wie breit der Widerstand gegen eine "zukunftsfeindliche Verkehrspolitik" inzwischen sei. Der Autobahn-Bau soll im September 2021 beginnen, bis Februar sollen zunächst 27 Hektar Wald gerodet werden.

Quelle: ntv.de, can/AFP/dpa