Panorama

Geheimer Keller im Fall Maddie? Polizei legt Kleingarten-Fundamente frei

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Die Ermittler verraten nicht, was sie suchen. Doch die Staatsanwaltschaft Braunschweig ist überzeugt, dass Maddie McCann tot ist.

(Foto: picture alliance/dpa)

TV-Teams aus ganz Europa filmen mit: Im Fall Maddie McCann graben Ermittler einen Kleingarten bei Hannover um. Laut Medienberichten stoßen sie dabei auf einen geheimen Keller. Zuvor fand die Polizei bei Magdeburg Kinderpornografie auf einem Gelände, das dem Verdächtigen B. gehörte.

Im Fall der verschwundenen Britin Maddie hat die Polizei ihre Grabungen in einem Kleingarten bei Hannover fortgesetzt. Die Arbeiten auf der Parzelle am Stadtrand laufen bereits seit Dienstagfrüh. Mit einem Bagger ließen die Ermittler weiteres Erdreich auf dem Grundstück wegschaufeln, das Beamte im Anschluss mit Spaten und Harke genauer durchsuchten. Inzwischen haben die Fahnder auf dem Gelände zwei Zelte aufgebaut. An der Aktion ist neben der Polizei aus Hannover und Braunschweig weiter auch das Bundeskriminalamt (BKA) beteiligt.

Bei den Grabungen waren zunächst Fundamente weggebaggert worden. Ein Spürhund kam laut "Hannoverscher Allgemeinen Zeitung" in einem Hohlraum unter einer alten Bodenplatte zum Einsatz. Die "Bild"-Zeitung berichtete, dort sei ein "geheimer Keller" zum Vorschein gekommen. Julia Meyer, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig wollte das "zum Schutz der Ermittlungen nicht kommentieren".

Fernsehteams und Fotografen von Medien standen an der Sichtschutzwand, hinter der zahlreiche Polizisten arbeiteten. Neben der britischen Presse waren TV-Teams unter anderem aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden am Einsatzort. Das Grundstück, auf dem gegraben wird, liegt zwischen einer Bundesstraße und einem Kanal. Wie der Pächter der unmittelbar angrenzenden Nachbarparzelle sagte, war das Grundstück zuletzt unbenutzt. Es befand sich kein Gartenhaus mehr darauf, auf dem Gelände wuchsen Brombeerbüsche und ein Kirschbaum. Vor Start der Arbeiten hatte die Polizei den Baum fällen und Buschwerk entfernen lassen. In den zwei Jahren, in denen er seine Parzelle nutze, habe er auf dem Nachbargrundstück niemanden gesehen, sagte der Pächter.

Verdächtiger Sexualstraftäter zur Zeit in Haft

Die Grabungen in Hannover stehen im Zusammenhang mit den Mordermittlungen gegen einen 43-jährigen Deutschen, der derzeit in Kiel wegen anderer Delikte in Haft sitzt. Das teilte die Staatsanwaltschaft Braunschweig mit. Der Mann soll 2007 die dreijährige Madeleine McCann aus einer Ferienanlage im portugiesischen Praia da Luz entführt haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Kind tot ist. Nach dem Verschwinden der Britin wohnte der Verdächtige in Hannover. Nach Medienberichten lebte er zeitweise in einem Wohnmobil auf dem Gelände einer Autowerkstatt am wenige Kilometer entfernten Lindener Hafen. Welche Verbindungen der Beschuldigte zu der Kleingarten-Parzelle in Seelze-Letter, kurz hinter der Stadtgrenze von Hannover hat, sagen die Ermittler allerdings nicht. Sie äußern sich auch nicht dazu, was genau sie auf dem Grundstück suchen.

Nach Medienberichten waren Anfang 2016 auf dem Gelände einer alten Kistenfabrik bei Magdeburg, das dem Verdächtigen gehörte, in einer Grube Speichermedien mit Missbrauchsbildern von Kindern entdeckt worden. Der Verdächtige äußert sich bisher nicht zu dem Vorwurf, er habe Madeleine McCann entführt und ermordet. Das Landgericht Braunschweig hatte den 43-Jährigen Ende 2019 wegen schwerer Vergewaltigung unter Einbeziehung früherer Strafen zu sieben Jahren Haft verurteilt. Demnach hatte er 2005 in Praia da Luz - dem späteren Entführungsort von Madeleine - eine damals 72-jährige Amerikanerin vergewaltigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ist für den Fall zuständig, weil der mehrfach verurteilte Sexualstraftäter dort seinen letzten deutschen Wohnsitz hatte. In Braunschweig besaß der Mann von Oktober 2013 bis April 2016 einen Kleingarten. "Eigentlich war er unauffällig, er war immer freundlich und hat seine Gartenarbeit gemacht", sagte der Vorsitzende des Gartenvereins Kennelblick, Jürgen Krumstroh. "Ich war geschockt, als ich bei der neuen Fahndung nach Maddie im Frühjahr auf einmal sein Bild gesehen habe." Seltsam sei nur sein Abschied aus der Gartenkolonie gewesen. "Er hat mir nachmittags die Kündigung gebracht, ist in seinen vollgepackten, randvollen Kleinwagen gestiegen, und danach habe ich nie wieder was von ihm gehört." Die Staatsanwaltschaft äußerte sich nicht dazu, ob Durchsuchungen auch in anderen Kleingärten geplant seien.

Quelle: ntv.de, mau/dpa