Panorama

Bundesweit Verstöße gemeldet Polizei löst Corona-Partys auf

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Vielerorts verstärkt die Polizei ihre Kontrollen zur Einhaltung der Maßnahmen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Grillfeste, feiernde Gruppen, geöffnete Geschäfte - in ganz Deutschland meldet die Polizei Verstöße gegen die Kontaktbeschränkungen. Nicht alle Übeltäter zeigen sich einsichtig. Eine Grünen-Politikerin mahnt die Polizei dennoch zu Verhältnismäßigkeit.

In weiten Teilen Deutschlands hat das schöne Wetter am Wochenende viele Menschen trotz der Corona-Sperren ins Freie gelockt - nicht alle hielten sich dabei an die Kontaktbeschränkung. Bundesweit meldeten die Polizeistellen Verstöße gegen die Pandemie-Vorschriften und mitunter gewaltsame Gegenwehr gegen die Beamten. Zugleich verstärkte die Polizei in vielen Landesteilen die Kontrollen.

In der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden hatten sich etwa 25 meist betrunkene Menschen auf einem öffentlichen Platz versammelt. Als die Polizei die Gruppe zerstreuen wollte, zeigte sich ein Großteil der Zusammengekommen wenig begeistert: Beamte wurden mit Zigaretten beworfen, bespuckt und bedroht. Ein 30-Jähriger schlug einen Polizisten ins Gesicht.

Scheunenfeier aufgelöst

In der niedersächsischen Gemeinde Fintel löste die Polizei eine Corona-Party junger Leute auf. Zeugen hatten den Beamten einen Hinweis auf die verbotene Feier in einem zu einer Partyscheune umgebauten Holzschuppen gegeben. Dort trafen die Beamten auf sieben Feiernde im Alter zwischen 17 und 21 Jahren. Sie saßen bei Musik und alkoholischen Getränken in dem geheizten Schuppen zusammen und feierten.

Die Oldenburger Polizei stieß bei Kontrollen unter anderem auf den Geschäftsführer eines Autohandels, der sein Geschäft geöffnet und eine Probefahrt für einen potenziellen Käufer arrangiert hatte. In Ihlow machte die Polizei einen Privatflohmarkt von Kindern dicht. Zudem stoppten sie Pflasterarbeiten auf einem Privatgrundstück in Südbrookmerland. Dort waren mehrere Menschen tätig, die nicht miteinander verwandt waren. Im Kreis Diepholz hatte die Polizei Probleme mit vielen noch geöffneten Pkw-Waschanlagen und SB-Waschboxen. Hier musste die Polizei im Landkreis insgesamt elf Anlagen schließen. Auch mehrere Eisdielen wurden geschlossen.

Im Gebüsch versteckt

Auch in Baden-Württemberg ging die Polizei mehrfach gegen größere Menschenansammlungen vor. In Wäschenbeuren löste die Polizei eine Grillparty auf einem Waldspielplatz auf. An diesem standen zwar nur zwei Verdächtige, jedoch waren deutlich mehr Getränke und Grillgut zu sehen. Bei der Suche nach weiteren Feiernden entdeckte die Polizei einen 22-Jährigen im Gebüsch.

Im oberschwäbischen Eberhardzell beendete die Polizei eine Zusammenkunft von insgesamt 18 Menschen in einem Haus, in dem zwei Familien aus anderen Landkreisen zu Gast waren. Im südbadischen Karsau gab sich eine Gruppe betrunkener junger Leute uneinsichtig. Die Gruppe folgte zwar einem Platzverweis durch herbeigerufene Polizisten, wurde aber kurz darauf wieder gemeinsam angetroffen. Zwei betrunkene Frauen im Alter von 19 und 20 Jahren mussten deshalb die Nacht in den Zellen der Polizei verbringen.

Umsetzung treibt "merkwürdige Blüten"

Die Grünen-Innenexpertin Irene Mihalic warnte die Polizei angesichts der bundesweiten Kontrollen vor einem Überziehen der Maßnahmen. "Die Umsetzung der Maßnahmen treibt mancherorts merkwürdige Blüten, beispielsweise wenn Parkbesucher nach Hause gefahren werden, damit die Ordnungskräfte dort mit Türschildabgleich feststellen können, ob die Eingesammelten tatsächlich im selben Haushalt leben oder gegen das Kontaktverbot verstoßen haben", schrieb sie in einem Positionspapier.

Die Regeln zur Eindämmung des Virus hätten eine hohe Akzeptanz, fuhr Mihalic fort. Was aber häufig fehle, sei ein klarer Handlungsrahmen für Polizei und Ordnungsämter: "Dabei darf nicht der leiseste Zweifel daran aufkommen, dass es ausschließlich darum geht, überlebensnotwendigen Infektionsschutz zu gewährleisten, und nicht darum, nach und nach ein neues beziehungsweise eigentlich doch längst überkommenes Verständnis von Obrigkeit zu etablieren."

Quelle: ntv.de, mdi/AFP