Panorama

Vermisste aus Potsdam wieder da Polizei nimmt mutmaßlichen Entführer fest

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Ermittler durchkämmten den Potsdamer Stadtteil Drewitz nach dem vermissten Mädchen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein Kind verschwindet spurlos aus einem Potsdamer Möbelhaus. Ermittler suchen 22 Stunden nach dem Mädchen und finden es. Nun hat die Polizei einen Verdächtigen verhaftet, der etwas mit ihrem Verschwinden zu tun haben soll.

Die Familie ist an einem Samstagnachmittag mit den Kindern im Möbelhaus, die sechs Jahre alte Tochter nimmt den Fahrstuhl, allein. Der Vater sieht die Kleine noch, sieht, wie sie im Erdgeschoss aussteigt und den Ausgang nimmt. Dann ist sie weg. 22 Stunden lang. Am frühen Abend alarmiert der Vater die Polizei. Die sucht das Mädchen mit 70 Leuten, Hubschrauber und Drohne.

Am Sonntag dann die Erlösung, aber auch die Frage, was eigentlich geschehen ist: Das Kind wird gefunden - weinend auf einem Gehweg. Was sich laut der Polizei am Wochenende in Potsdam abgespielt hat, klingt wie der Alptraum vieler Eltern. Es gibt eine Festnahme. Es sieht nach einem Verbrechen aus. Was das Mädchen hinter sich hat, ist noch unklar.

"Ein erwachsener Beschuldigter ist vorläufig festgenommen worden", teilt die Staatsanwaltschaft knapp mit. Der Sachverhalt werde derzeit unter allen strafrechtlichen Gesichtspunkten intensiv geprüft. Ob und weswegen ein Haftbefehl erlassen wird, ist noch offen. Weitere Angaben macht die Behörde zunächst nicht.

Wie die "Märkische Allgemeine" berichtet, wurde nur wenige Straßen entfernt von dem Ort, wo das Kind verschwunden war, ein Mann festgenommen. Ein Bewohner eines Plattenbaus sei abgeführt worden, das hätten Nachbarn in Drewitz bestätigt. Das Viertel ist nicht vornehm und teuer wie andere Teile Potsdams, es ist geprägt von Plattenbauten und Mehrfamilienhäusern.

60.000 vermisste Kinder und Jugendliche pro Jahr

Für die Suche nach dem Mädchen waren Bereitschaftspolizisten aus ihrem freien Wochenende gerufen worden. Sie gingen in Hauseingänge und Keller, befragten Anwohner. Dabei fiel den Polizisten schließlich das vietnamesisch-stämmige Mädchen auf, sie erkannten es wieder. Für solche Krisenfälle gibt es besonders geschulte Ermittler. Kriminalistinnen hätten das Kind altersgerecht befragt, heißt es in der Mitteilung der Polizei.

Das Mädchen wird vom Arzt vor Ort und in einem Krankenhaus untersucht. Wie in solchen Situationen üblich, werden die Medien gebeten, alle Bilder der Vermissten zur Suche zu entfernen. Der Fall wandert von der Polizei zur Staatsanwaltschaft. Das passiert bei möglichen Verbrechen.

Dass Kinder und Jugendliche verschwinden und als vermisst gemeldet werden, ist nicht selten: laut einer privaten Hilfsorganisation 60.000 Mal im Jahr. Glücklicherweise tauchten sie in mehr als 99 Prozent aller Fälle wohlbehalten wieder auf, heißt es auf der Homepage der "Initiative vermisste Kinder". Dort können sich Eltern Tipps für den Notfall holen: "Erstatten Sie unverzüglich eine Vermisstenanzeige bei der Polizei", "Rufen Sie seine Freunde und andere Eltern an" und "Achten Sie darauf, dass Ihr eigener Telefonanschluss für einen Anruf Ihres Kindes frei bleibt".

In Potsdam und Berlin denken viele Menschen mit Entsetzen an die Tötungen des sechsjährigen Elias und des vierjährigen Mohamed zurück. Die zwei Jungen wurden 2015 entführt: der eine in Potsdam-Schlaatz, der andere vor einer Flüchtlingsbehörde in Berlin. Der Täter lockte die Jungen an, missbrauchte sie und brachte sie um. Im Sommer 2016 wurde Silvio S. vom Landgericht Potsdam wegen Mordes und Kindesmissbrauchs zu lebenslanger Haft verurteilt.

Quelle: ntv.de, agr/dpa