Panorama

Sprengstoff, Waffen, Fluchtpläne Polizei sucht Helfer des Las-Vegas-Schützen

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Von seinem Hotelzimmer aus nahm Paddock die Konzertbesucher ins Visier.

(Foto: imago/Agencia EFE)

Was brachte den Schützen von Las Vegas dazu, Dutzende Konzertbesucher zu töten? Noch liegt sein Motiv vollkommen im Dunkeln. Nach und nach werten Ermittler zahlreiche Indizien aus. Details über ein womöglich entscheidendes Fundstück stehen noch aus.

Die Polizei von Las Vegas geht davon aus, dass der Attentäter Stephen Paddock Unterstützer oder zumindest Mitwisser gehabt haben muss. Bei der Vorstellung des bisherigen Ermittlungsstands verwies Polizeichef Joseph Lombardo unter anderem darauf, dass der 64-Jährige im Laufe der vergangenen Jahre ein riesiges Waffenarsenal angelegt und die Tat offenbar über längere Zeit akribisch vorbereitet hatte. "Man muss annehmen, dass er an irgendeinem Punkt Hilfe gehabt hat", so Lombardo.

Spezialermittler der Bundespolizei FBI fanden im Hotelzimmer, von dessen Fenster aus Paddock 58 Menschen tötete, einen Zettel mit einer Notiz. Das berichteten US-Medien unter Berufung auf Behördenkreise. Dabei habe es sich jedoch nicht um einen Abschiedsbrief gehandelt, sagte Lombardo. Weitere Details zu dem Schriftstück wollte er nicht nennen. Die Analysen der Spurensicherung dauern noch an.

Paddock hatte sich bisherigen Erkenntnissen zufolge kurz vor der Erstürmung seines Hotelzimmers durch Spezialeinheiten der Polizei selbst erschossen. In den von ihm angemieteten Räumen stießen Ermittler auf ein umfangreiches Waffenarsenal und große Mengen an Munition. Was genau Paddock dazu veranlasste, sich in dem Luxushotel mit einer umfangreichen Waffensammlung zu verschanzen, ist noch vollkommen unklar.

Tagelange Vorbereitungen

Sicher scheint bislang nur, dass der 64-Jährige das Massaker von langer Hand geplant haben muss. Davon zeugen ausgiebige Vorbereitungen. Über mehrere Tage hinweg etwa schleppte Paddock Waffen und Munition in Koffern in das Hotelzimmer. Offenbar hatte er die Räume im 32. Stock auch gezielt ausgesucht, um eine erhöhte Schussposition mit Blick auf das Festivalgelände zu haben.

Die Ermittler gehen Lombardo zufolge zudem davon aus, dass Paddock vorhatte, nach seinen tödlichen Schüssen aus dem Hotel zu fliehen. Als Einsatzkräfte das Zimmer im 32. Stock des Mandalay-Bay-Hotels umstellten, fanden sie zwei Kameras, die Paddock auf einem Servierwagen im Flur vor seinem Zimmer angebracht hatte, wie der Sender CNN berichtet. Eine weitere habe vor dem Guckloch der Zimmertür gehangen.

Kiloweise Sprengstoff im Wagen

"Er tat zu diesem Zeitpunkt alles ihm Mögliche, um zu sehen, wie er noch fliehen könnte", sagte Lombardo. Als ihm das nicht mehr möglich schien, habe er sich selbst erschossen. Indizien scheinen die These zu belegen, dass Paddock weitere Vorhaben verfolgte: In Paddocks Auto im Parkhaus des Hotels entdeckten Ermittler knapp 23 Kilo (50 amerikanische Pfund) Sprengstoff und 1600 Schuss Munition.

Außerdem wurde bekannt, dass Paddock womöglich bereits früher zuschlagen wollte: Vor seinem Aufenthalt im "Mandala Bay" hatte er ein weiteres Zimmer in einem anderen Hotel-Komplex gemietet. Von dort aus habe er freien Ausblick auf das "Life is Beautiful"-Musikfestival gehabt, heißt es, das vom 22. bis 25. September in Las Vegas stattfand.

Zu den Vernehmungen von Lombardos Freundin Marilou Danley wollte sich Polzeichef Lombardo nicht äußern. Sie wird offenbar weiterhin nur als "Person von Interesse" geführt - und nicht etwa als Verdächtige.

Trump: "verrückte kranke Person"

Die Zahl der Verletzten durch Paddocks Feuerüberfall bezifferte Lombardo zuletzt auf 489. Zuvor war zeitweise von mehr als 500 Verletzten die Rede. 317 Personen erlitten offenbar nur leichte Verletzungen. Sie hätten das Krankenhaus inzwischen verlassen können, berichtet die "Washington Post".

Das Massaker von Las Vegas hält die öffentliche Debatte in den USA weiter im Griff: US-Präsident Donald Trump traf sich am Mittwoch in Las Vegas mit Überlebenden des Massakers sowie Ersthelfern und Polizisten. Dabei würdigte er den Mut von Opfern, die trotz eigener Verletzungen zuerst anderen beigestanden hätten, den Einsatz der Polizei und anderer ziviler Helfer. Den Todesschützen bezeichnete er als eine "verrückte kranke Person".

Quelle: ntv.de, mmo/dpa