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Panne bei Lügde-Ermittlungen Polizei verliert Beweismittel

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(Foto: picture alliance/dpa)

Im Missbrauchsfall von Lügde sitzen drei Hauptverdächtige in Untersuchungshaft. Zeitgleich verschwinden mehrere Datenträger mit mutmaßlichen Beweisen für ihre Taten. Mehrere Sonderermittler sollen deren Verbleib aufklären.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul hat bestätigt, dass im Missbrauchsfall von Lügde mehrere Beweisstücke verschwunden sind. Ein Koffer und eine Hülle mit etwa 155 Datenträgern würden seit dem 20. Dezember in der Kreispolizeibehörde Lippe vermisst, erklärte er in Düsseldorf. Vier Sonderermittler seien eingesetzt worden, um deren Verbleib aufzuklären.

Das Fehlen der Asservate ist laut Reul erst am 30. Januar bemerkt worden. Nur drei CDs davon seien bisher ausgewertet worden, sagte der Innenminister. Ob auf den Datenträgern mit 0,7 Terabyte Speicherplatz auch kinderpornografisches Material war, sei unklar. "Man muss hier klar von Polizeiversagen sprechen", kritisierte Reul. Der größte Teil der 15 Terabyte Filmmaterial sei von der Polizei aber bereits gesichert worden.

Auf einem Campingplatz von Lügde sollen über einen Zeitraum von zehn Jahren mindestens 31 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 4 und 13 Jahren sexuell missbraucht worden sein. Zwei Männer sollen die Gewalttaten verübt und gefilmt haben. Ein dritter Mann soll ihr Auftraggeber gewesen sein. Alle Verdächtigen im Alter zwischen 33 und 56 Jahren sitzen in Untersuchungshaft.

Vor einer Woche war außerdem herausgekommen, dass in dem Fall gegen eine Person wegen des Verdachts der Datenlöschung ermittelt wird. Ob diese Person im Auftrag der drei Hauptverdächtigen gehandelt hat, um damit eine Bestrafung zu verhindern, wird noch überprüft.

Die Ermittler werten in dem Fall nach eigenen Angaben rund 13.000 Dateien mit kinderpornografischen Inhalten aus. Parallel dazu wird auch das Verhalten der Behörden untersucht. Die Staatsanwaltschaft in Detmold ermittelt gegen zwei Polizeibeamte, die nach Hinweisen im Jahr 2016 zwar die Jugendämter informierten, aber sonst nicht tätig geworden sein sollen. Außerdem wird bei mehreren Mitarbeitern der Jugendämter der Kreise Lippe und Hameln-Pyrmont geprüft, ob sie ihre Fürsorgepflicht verletzten.

Quelle: n-tv.de, chr/dpa

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