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Mindestens 18 Menschen tot Polizeieinsatz in Rio endet in Blutbad

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400 Polizisten rücken am frühen Morgen mit Panzerfahrzeugen in einen Favela-Komplex in Rio de Janeiro ein. Sie wollen gegen eine kriminelle Bande vorgehen, deren Mitglieder allerdings schwer bewaffnet sind. Bei den heftigen Feuergefechten wird auch eine Zivilistin getötet.

Bei einem Polizeieinsatz in einem Armenviertel der brasilianischen Millionenstadt Rio de Janeiro sind mindestens 18 Menschen getötet worden. Ein Polizeisprecher sagte, bei den Toten handle es sich um 16 mutmaßliche Mitglieder krimineller Banden, eine 50-jährige Anwohnerin und einen Polizisten. Andere offizielle Quellen sprachen sogar von 20 Toten bei dem Einsatz in der Favela Complexo do Alemão im Norden von Rio.

Die Polizei war mit fast 400 Beamten in das Armenviertel mit 70.000 Bewohnern eingerückt und hatte dabei auch Panzerfahrzeuge und vier Hubschrauber eingesetzt. Der Einsatz richtete sich nach Angaben der Polizei gegen eine Bande, die Fahrzeuge und Banken ausraubt. Medienberichten zufolge lieferten sich schwerbewaffnete Mitglieder von Polizei-Sondereinsatzkommandos und Kriminelle heftige Feuergefechte. Die Behörden erklärten, die Polizisten seien "gewaltsam" mit "militärischen und Guerilla-"Taktiken angegriffen worden. Die Kriminellen hätten zudem Anwohner als Schutzschilde missbraucht.

Es gab aber auch schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Der Freund der getöteten 50-jährigen Frau sagte dem Nachrichtenportal "G1", sie und er seien in einem Auto unterwegs gewesen. "An einer Ampel stand ein Polizist, wir haben angehalten", sagte Denilson Glória. "Sie haben trotzdem auf das Auto geschossen." Seine Freundin sei auf ihn gekippt. "Als ich geschaut habe, hatte sie ein Loch in der Brust." Die Polizei kündigte eine Untersuchung zum Tod der Frau an.

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro beklagte am Donnerstag zunächst nur den Tod des bei dem Einsatz getöteten Polizisten und äußerte sich nicht zu den anderen Toten. "Er starb bei einer Konfrontation mit Banditen", sagte der Rechtsaußen-Politiker.

Die letzte tödliche Razzia liegt nicht lange zurück

Die Polizei schreitet immer wieder mit großer Härte in den als Favelas bezeichneten Armenvierteln von Rio de Janeiro ein, die als Rückzugsorte für Drogengangs und andere kriminelle Banden bekannt sind. Morgendliche Razzien in den Gassen-Labyrinthen der Slums sind keine Seltenheit. Erst im Mai wurden bei einem Polizeieinsatz in der Favela Vila Cruzeiro etwa 25 Menschen getötet. Im vergangenen Jahr waren in der Favela Jacarezinho unweit von Vila Cruzeiro bei der tödlichsten Razzia in der Geschichte Rios 28 Menschen getötet worden.

Menschenrechtsaktivisten erheben deshalb schwere Vorwürfe gegen die Polizei und sprechen sogar von außergerichtlichen Hinrichtungen von Verdächtigen. Das oberste brasilianische Gericht verpflichtete den Bundesstaat Rio de Janeiro in diesem Jahr dazu, einen Plan vorzulegen, wie die Zahl der Toten bei Polizeieinsätzen gesenkt werden kann. Kritiker halten das daraufhin vorgelegte Papier für zu vage. Im vergangenen Jahr wurden bei Polizeieinsätzen in dem Bundesstaat laut dem Projekt Monitor da Violência (Gewalt-Monitor) 1356 Menschen getötet. Das waren mehr Tote als in jedem anderen Bundesstaat des südamerikanischen Landes.

Quelle: ntv.de, ino/AFP

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