Panorama

Nach 39 toten Covid-19-Patienten Potsdam beurlaubt Bergmann-Klinikspitze

Das Ernst-von-Bergmann-Klinikum. Foto: Christophe Gateau/dpa/Symbolbild

Das Ernst-von-Bergmann-Klinikum in Potsdam.

(Foto: Christophe Gateau/dpa/Symbolbild)

Am Bergmann-Klinikum in Potsdam sterben nach einem Corona-Ausbruch 39 Patienten. Eine Kommission untersucht, ob sich die Chefs der Klinik, die eigene Fehler eingeräumt hatten, strafbar gemacht haben. Potsdams Bürgermeister beurlaubt sie derweil.

Der Ausbruch des Coronavirus am größten Potsdamer Krankenhaus, dem Klinikum Ernst von Bergmann, zieht personelle Konsequenzen nach sich. Oberbürgermeister Mike Schubert sagte, er habe entschieden, die Geschäftsführer Steffen Grebner und Dorothea Fischer vorerst zu beurlauben. Dies solle bis zur abschließenden Bewertung gelten, ob jenseits der von Experten des Robert Koch-Instituts (RKI) genannten Mängel auch solche in der Organisation und Hygiene den Ausbruch begünstigt hätten. Fischer bleibe aber Chefärztin der Frauenklinik.

Es müsse alles getan werden, damit das Klinikum "wieder ans Netz gehen kann". Eine unabhängige Kommission soll Hintergründe aufklären - mit Unterstützung von Brandenburgs Ex-Gesundheitsministerin Anita Tack von den Linken. Seit Mitte März hatten sich in dem Krankenhaus Corona-Infektionen gehäuft. Daraufhin kamen Experten des RKI zu Hilfe. Sie empfahlen Verbesserungen, zum Beispiel sollte der Krisenstab unterstützt werden.

Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert steht mit Mundschutz auf einer Straße. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert zieht am Bergmann-Klinikum personelle Konsequenzen.

(Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild)

Bisher starben 39 Covid-19-Patienten in der Klinik, die für die gesamte Region zuständig ist. Seit 1. April gilt ein Aufnahmestopp für neue Patienten außer für Notfälle.

Verdacht auf fahrlässige Tötung

Die Staatsanwaltschaft Potsdam prüft, ob sich drei leitende Ärzte und die beiden Geschäftsführer strafbar gemacht haben - dabei geht es um Meldepflichten. Sie untersucht auch eine Strafanzeige der Deutschen Stiftung Patientenschutz gegen die Geschäftsführung und Ärzte des Klinikums. Es geht laut Stiftung um den Verdacht des Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz und der fahrlässigen Tötung.

Zuvor hatte die Klinikleitung erstmals Versäumnisse eingeräumt. "Im Zeitraum vom 13. bis 26. März ist im Klinikum Ernst von Bergmann eine kritische Entwicklung im Rahmen der Corona-Pandemie nicht ausreichend erkannt worden", teilte die Geschäftsführung am vergangenen Samstag nach einer nichtöffentlichen Beratung im Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung mit.

"Dabei sind tatsächlich nachgewiesene und registrierte Infektionen bei einzelnen Mitarbeitern nicht in einen inhaltlichen Zusammenhang gebracht und tiefgreifend analysiert worden", hieß es in der Mitteilung weiter. Dies betreffe insbesondere die Abteilungen Nephrologie (Nierenkrankheiten), Urologie, Geriatrie und Allgemeinchirurgie. "Damit hätten im Rückblick unter Umständen noch fundiertere Entscheidungen getroffen werden können", räumte die Klinikleitung ein. "Die Geschäftsführung bedauert dies sehr."

Quelle: ntv.de, vmi/dpa