Panorama

Mit Stoßzahn gegen Terroristen Queen begnadigt heldenhaften Mörder

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Ende November 2019 erstach ein Terrorist zwei Menschen an der London Bridge, beherzte Passanten verhinderten wohl Schlimmeres.

(Foto: REUTERS)

Als im November 2019 ein Terrorist in London wahllos auf Menschen einsticht, zögert Steven Gallant nicht lange. Er greift zu einer ungewöhnlichen "Waffe" und hält den Attentäter auf. Der beherzte Helfer wird als Held gefeiert. Dann stellt sich heraus: Gallant ist ein verurteilter Mörder und sitzt hinter Gittern.

Die britische Königin Elizabeth II. hat die Haftstrafe eines verurteilten Mörders um zehn Monate verkürzt. Dies berichten übereinstimmend mehrere englischsprachige Medien. Bei dem Begnadigten handelt es sich um Steven Gallant. Der 42-Jährige hatte nach der Messerattacke an der London Bridge Ende November 2019 geholfen, den Angreifer aufzuhalten.

Am 29. November 2019 hatte der Terrorist Usman Khan im Zentrum der britischen Hauptstadt zwei Menschen mit Messerstichen getötet und drei weitere verletzt. Beherzte Passanten griffen ein und verhinderten womöglich noch Schlimmeres. Drei Männer brachten den Terroristen zu Boden, einer von ihnen ging auf den Attentäter mit einem Narwal-Stoßzahn los. Videoaufnahmen des Kampfes mit ungewöhnlicher "Waffe" gingen um die Welt. Der Attentäter wurde später von der Polizei erschossen. Für die mutige Tat wurde fälschlicherweise ein polnischer Koch als Held gefeiert, dieser sprach aber von einer Verwechslung.

Wie sich später herausstellte, handelte es sich bei dem Helfer mit dem Stoßzahn um Steven Gallant. Der 42-Jährige wurde 2005 wegen Mordes an einem Feuerwehrmann zu 17 Jahren Gefängnis verurteilt. Am 29. November 2019 durfte er eine Konferenz über Resozialisierung von Gefangenen im Fishmonger's Hall besuchen. Als der Terrorist Usman Khan, der ebenfalls bei der Veranstaltung anwesend war, mit zwei Messern auf Besucher losging, nahm Gallant von der Wand der Halle den Narwal-Stoßzahn und verfolgte damit den Angreifer.

Nun, nachdem die Queen ihn begnadigt hat, kann Gallant im Juni 2021 eine vorzeitige Haftentlassung beantragen, berichtet die "Daily Mail". Die Familie des von Gallant vor 15 Jahren getöteten Feuerwehrmanns unterstützte die Entscheidung. Der heute 21-jährige Sohn des Opfers sagte der Zeitung: "Ich habe gemischte Gefühle - aber was auf der London Bridge passiert ist, beweist, dass sich Menschen ändern können". Der junge Mann fügte hinzu, eines Tages könnte er sogar bereit sein, den Mörder seines Vaters zu treffen.

Quelle: ntv.de, uzh