Panorama

Kampf gegen Coronavirus RKI-Chef: "Wir müssen Zeit gewinnen"

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Das Robert-Koch-Institut unter der Leitung von Lothar Wieler hat bereits im Januar ein Coronavirus-Lagezentrum eingerichtet.

(Foto: AP)

Das Robert-Koch-Institut schätzt die Bedrohung durch das Coronavirus "aktuell als gering bis mäßig" ein. Weitere Infektionen seien jedoch wahrscheinlich. "Wir müssen alles versuchen, das einzudämmen", rät Chef Wieler - bis endlich ein Impfstoff gefunden ist.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) dringt bei der Bekämpfung des Coronavirus zur Eile. Das Virus lasse sich sehr leicht übertragen, die Ausbreitungsgeschwindigkeit sei hoch. "Darum müssen wir alles versuchen, das einzudämmen", sagte Institutsleiter Lothar Wieler. "Wir müssen Zeit gewinnen." Es gebe weder einen Impfstoff noch wisse man bislang, welche Therapeutika helfen. Die Rate an Verstorbenen sei höher als bei der Grippe. Wieler rechnet mit weiteren Fällen, schätzt die Gefahr für die Gesundheit aber "aktuell als gering bis mäßig" ein.

Ob das Virus derzeit unter Kontrolle sei, könne man gar nicht wissen. "Wir gehen davon aus, dass es unter Kontrolle gebracht wird." Wenn es neue Ausbrüche gebe, könne es aber natürlich sein, "dass wir irgendwann die Kontrolle tatsächlich nicht mehr haben". Die gute Nachricht sei, dass mehr als 80 Prozent der Infizierten nur milde Symptome aufwiesen, sagte Wieler. Aber rund 15 Prozent erkrankten schwer. "Das ist viel." Etwa ein bis zwei Prozent sterben nach bisherigen Erkenntnissen. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Grippe zu sterben, liege bei 0,1 bis 0,2 Prozent, sagte Wieler.

"Das ist eine schwere Krankheitsform", sagte Wieler. Darum sei es sehr sinnvoll, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, mit denen sich die Ausbreitung eindämmen lasse. Deutschland sei dem Erreger "nicht schutzlos ausgeliefert", betonte Wieler. Wichtig sei etwa, sich regelmäßig die Hände zu waschen und nicht in die Hand, sondern in die Armbeuge zu niesen. Gegebenenfalls solle man von zu Hause arbeiten und Großveranstaltung meiden oder deren Absage in Erwägung ziehen. Es gebe aber derzeit keinen Anlass, ganze Städte in Deutschland ähnlich wie in China oder Italien abzuriegeln.

Ältere Menschen gehören zu den Risikogruppen für schwere Erkrankungen, weil sie oft andere Grunderkrankungen haben und ihr Immunsystem nicht mehr so gut funktioniert. Für diese Menschen gelte, sich besonders zu schützen und zum Beispiel gegen Grippe und Pneumokokken impfen zu lassen, sagte Wieler. Denn zusätzlich zu einer Virusinfektion könne es zu einer potenziell tödlichen Lungenentzündung kommen. Im Fall des Coronavirus habe sich zudem gezeigt, dass die Raten an Verstorbenen höher seien als bei der Grippe.

Wieler unterstrich, dass es rein zeitlich nicht möglich sei, dieses Jahr noch einen Impfstoff zuzulassen. Zwar werde ein Impfstoff wohl noch 2020 entwickelt, aber er müsse auch getestet werden. Mit Blick auf Therapeutika äußerte sich Wieler optimistischer. In China würden viele sehr gut strukturierte klinische Studien durchgeführt, sodass in Kürze mit Hinweisen zu rechnen sei, welche Medikamente gegen das Virus wirken. Auch darum müsse Zeit gewonnen werden, denn mit jedem Tag steige die Chance, dass ein Therapeutikum zur Verfügung gestellt werde.

Das RKI ist die zentrale Stelle bei Fragen der Krankheitsprävention. Bis auf Weiteres will es täglich zur Lage im Zusammenhang mit dem Coronavirus informieren. Bereits seit Januar gibt es im RKI ein Lagezentrum, in dem Mitarbeiter sieben Tage die Woche in zwei Schichten die Lage bewerten, Empfehlungen geben und sich mit Ärzten und Behörden austauschen.

Quelle: ntv.de, jog/rts/AFP