Panorama

Von Betonmischer überrollt Radfahrerin nach Unfall in Berlin für hirntot erklärt

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Ärzte kämpfen seit Montag um das Leben der 44-jährigen Radfahrerin.

(Foto: dpa)

Drei Tage nach dem Unfall mit einem Betonmischer ist die eingeklemmte Radfahrerin für hirntot erklärt worden. Die Polizei hatte zuvor mitgeteilt, die Frau sei gestorben, sich später aber korrigiert. Bei dem Unfall verspätete sich ein Spezialfahrzeug wegen einer Straßenblockade von Klimaaktivisten.

Drei Tage nach dem Unfall mit einem Betonmischfahrzeug in Berlin ist die lebensgefährlich verletzte Radfahrerin für hirntot erklärt worden. Das teilte die Polizei mit. Zunächst hatte die Polizei fälschlicherweise mitgeteilt, die 44-Jährige sei gestorben. Später korrigierte ein Sprecher diese Angaben und teilte mit, die Frau werde weiterhin intensivmedizinisch behandelt.

Nach dem Unfall war ein Spezialfahrzeug der Feuerwehr wegen einer Straßenblockade von Klimaaktivisten verspätet zum Unglücksort gekommen. Die Polizei hatte nach dem Unfall Ermittlungen gegen zwei der Blockierer im Alter von 59 und 63 Jahren aufgenommen. Die Anzeigen seien wegen unterlassener Hilfeleistung und der Behinderung hilfeleistender Personen geschrieben worden, sagte ein Polizeisprecher. Aktivisten der Gruppe "Letzte Generation" hatten sich am Montag an eine sogenannte Schilderbrücke auf der Stadtautobahn 100 festgeklebt und damit den Verkehr verzögert.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser forderte indes eine entschiedene Verfolgung möglicher Straftaten bei Klimaprotesten. "Wenn Straftaten begangen werden und andere Menschen gefährdet werden, ist jede Grenze legitimen Protests überschritten", sagte Faeser. "All das hat mit einer demokratischen Auseinandersetzung überhaupt nichts zu tun. Die Straftäter müssen schnell und konsequent verfolgt werden."

Scharfe Kritik an Klimaaktivisten

Nach dem Unfall hatten bereits mehrere Politiker Kritik an dem Klimaprotest geäußert. "Wir verurteilen dieses Verhalten", sagte Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey am Dienstag. Es sei die klare Haltung der Landesregierung, dass diese Form des Protestes "unangemessen" sei. Sie diene nicht dem Ziel, sondern führe zu einer Gefährdung. Inwieweit die Aktivisten Schuld daran hätten, dass der Radfahrerin nicht schneller habe geholfen werden können, müssten nun Polizei und Gerichte bewerten. Es sei jedoch bereits das 18. Rettungsfahrzeug gewesen, das nicht zu einem Unfall durchgekommen sei, berichtete Giffey.

Die Berliner Staatsanwaltschaft leitete der SPD-Politikerin zufolge bereits 729 Verfahren gegen Aktivisten ein und beantragte 241 Strafbefehle. Die Mühlen des Rechtsstaats würden "sehr gründlich mahlen", sagte Giffey. "Klimaproteste dürfen keine Menschen in Gefahr bringen", erklärte Verkehrssenatorin Bettina Jarasch von den Grünen. Wenn dies so gewesen sei, dann sei das "schlicht entsetzlich" und dürfe nicht wiederholt werden.

Scharfe Kritik an den Demonstrierenden äußerten die Berliner Oppositionsparteien. "Das Leben einer jungen Frau steht auf dem Spiel, weil Klimachaoten die Berliner Straßen blockieren", erklärte der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Frank Balzer. Die Justiz müsse mit all ihren Möglichkeiten durchgreifen. Der Landesvorsitzende der Berliner FDP, Christoph Meyer, nannte die Aktivisten "kriminelle Straftäter".

Die Aktivisten der Gruppe "Letzte Generation" teilten bereits am Montag mit, dass einige von ihnen auf der Stadtautobahn protestiert und den Verkehr unterbrochen hätten. Die Gruppe könne nicht ausschließen, dass die Verspätung des Fahrzeugs "auf einen durch uns verursachten Stau zurückzuführen ist".

Messerangreifer soll gefasst sein

Größte Sicherheit zu gewährleisten, sei immer das höchste Anliegen, sagte die Sprecherin der Gruppe, Carla Hinrichs, am Dienstag in der ARD. Es gebe immer eine Rettungsgasse, um Rettungsfahrzeuge durchzulassen. Hinrichs rechtfertigte zugleich die Wahl der Protestmittel. "Wenn wir uns die Geschichte angucken, dann war ziviler Widerstand, der unterbrochen hat, der gestört hat, am erfolgreichsten", sagte sie.

Während sich Rettungskräfte um die Frau kümmerten, griff zudem ein Unbekannter den 64-jährigen Fahrer des Betonmischers mit einem Messer an. Anschließend floh der Angreifer vom Unfallort. Polizeibeamte sollen den Täter nach Angaben der "B.Z." festgenommen haben. Laut Bericht hat ein am Unfallort zufällig vorbeifahrender Tesla die Tat mit einer Autokamera aufgenommen. Bei dem Angreifer soll es sich um einen obdachlosen 48 Jahre alten Mann handeln. Auch der Fahrer des Betonmischers wurde anschließend ins Krankenhaus gebracht.

Quelle: ntv.de, vmi/AFP/dpa

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