Panorama

Verdächtige Geräusche in Genua Retter fürchten Einsturz der Brückenreste

RTS1XPO1.jpg

Bedrohliches Mahnmal einer Katastrophe: Nach dem Einsturz eines der dreo Pfeiler überragen die Überreste der Morandi-Brücke die evakuierten Wohnhäuser in Genua.

REUTERS

An der Unglücksstelle in Genua kommen die Arbeiten zum Erliegen: Aus dem Inneren der akut einsturzgefährdeten Überreste der Autobahnbrücke sind alarmierende Geräusche zu vernehmen. Die Behörden ziehen vorsichtshalber alle Helfer ab.

Aus Sicherheitsgründen haben Feuerwehrleute in Genua ihre Arbeit in den Trümmern der eingestürzten Autobahnbrücke vorläufig eingestellt. Der Fahrbahnstumpf, der in etwa 45 Metern Höhe über evakuierten Wohnhäusern verläuft, mache Geräusche, die sich von denen in den vergangenen Tagen unterschieden, erklärte ein Sprecher der Feuerwehr.

Die Bewohner der Häuser dürften deshalb von nun an keine persönlichen Gegenstände mehr aus ihren Wohnungen holen. Unklar blieb, ob die Behörden mit einem Einsturz eines weiteren Pfeilers der Morandi-Brücke rechnen.

Bei der Katastrophe vom Dienstag vergangener Woche war zunächst ein rund 100 Meter langer Fahrbahnabschnitt abgestürzt, bevor auch einer der insgesamt drei 90 Meter hohen Pfeilerkonstruktionen der Brücke in sich zusammenbrach. 43 Menschen verloren in den herabfallenden Bruchstücken des Polcevera-Viadukts ihr Leben. Hunderte Anwohner wurden vorerst obdachlos.

Zu Wochenbeginn sollten die ersten betroffenen Familien neue Bleiben bekommen, kündigte der Regionalpräsident von Ligurien, Giovanni Toti, an. Bis zum 20. September sollten weitere 40 Wohnungen zur Verfügung stehen, bis Ende des Monats weitere 100. "Innerhalb von maximal acht Wochen gibt es ein Zuhause für alle", versprach er.

Die Brücke gehörte zur Autobahn A10, einer wichtigen Hauptverkehrsader im italienischen Fernstraßennetz, die die Hafenstadt Genua mit dem Nordwesten des Landes verbindet. Die genaue Ursache für den Einsturz ist noch immer unklar. Experten vermuten aufgrund der Zerstörungen am Boden, dass die Katastrophe durch den Riss eines Tragseils verursacht worden sein könnte. Warum das Tragseil versagt haben könnte, liegt aber ebenfalls noch im Dunkeln.

Atlantia-Aktie rutscht weiter ab

Die Aktie des italienischen Infrastrukturkonzerns Atlantia setzte ihre Talfahrt zu Wochenbeginn fort. Nachdem sich der Kurs Ende vergangener Woche wieder etwas erholt hatte, sackte er im frühen Geschäft um weitere neun Prozent ab. Der Handel mit den Atlantia-Aktien begann verspätet, da er am Morgen zunächst ausgesetzt worden war.

Atlantia ist der Mutterkonzern des italienischen Autobahnbetreibers Autostrade per l'Italia, den die Regierung für das schwere Brückenunglück von Genua verantwortlich macht. Am Morgen sorgte zunächst ein Bericht des Finanzportals "Milano Finanza" für Verunsicherung, demzufolge das Unternehmen Autostrade zwangsweise verstaatlicht werden könnte.

Zwangsverstaatlichung durchgerechnet

Eine Verstaatlichung wäre trotz der hohen Kosten "lohnenswert", sagte Verkehrsminister Danilo Toninelli der Zeitung "Corriere della Sera". Die Regierung hatte zuvor bereits erklärt, sie prüfe einen Lizenzentzug sowie hohe Strafzahlungen gegen das Unternehmen.

Die Überlegungen hinsichtlich einer Verstaatlichung sind offenbar schon recht weit gediehen: Die Zeitung "La Repubblica" berichtete unter Berufung auf Gewerkschaftsangaben, dass eine Verstaatlichung von Autostrade zwischen 15,8 und 18,2 Milliarden Euro kosten könnte. Das Unternehmen weist die Verantwortung für den Brückeneinsturz zurück. Autostrade bot in einer ersten Reaktion rund 500 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Brücke sowie für Hilfszahlungen an.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa

Mehr zum Thema