Panorama

Erster Corona-Fall Rohingya-Lager ist zum Teil unter Quarantäne

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Die muslimische Minderheit der Rohingya musste 2017 aus ihrer Heimat Myanmar fliehen. Dort wurden sie systematisch verfolgt, misshandelt und vertrieben.

(Foto: dpa)

Etwa 900.000 Rohingya leben im weltgrößten Flüchtlingslager in Bangladesch. Obwohl im April als Vorsichtsmaßnahme die Stadt Cox's Bazar abgeriegelt wurde, gibt es nun nachweislich einen ersten Corona-Fall im Lager. Zudem steigen auch insgesamt die Infektionsfälle in dem südasiatischen Land.

Nach dem Auftreten eines ersten Coronavirus-Falls im weltgrößten Flüchtlingslager in Cox's Bazar in Bangladesch haben die Behörden einen Teil des Lagers unter Quarantäne gestellt. Die 5000 Bewohner des Bereichs dürften ihre Unterkünfte nicht verlassen, zudem würden keine Besucher eingelassen, sagte der örtliche Regierungsvertreter Mahfuzar Rahman. Hilfsorganisationen warnten unterdessen vor einer Ausbreitung des Erregers in dem überfüllten Camp für Rohingya-Flüchtlinge.

Die Behörden bemühten sich, die Kontakte des infizierten Lagerbewohners nachzuverfolgen, betonte Rahman. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte am Donnerstag den ersten Infektionsfall in dem Camp mit fast einer Million Einwohnern gemeldet. Ein WHO-Sprecher sagte, die Organisation habe Schnelleinsatzteams in das Lager geschickt, um die Kontaktpersonen des Infizierten festzustellen und zu isolieren.

Anfang April hatten die Behörden den gesamten Bezirk Cox's Bazar mit der dort lebenden Minderheit der Rohingya abgeriegelt, um einer Coronavirus-Epidemie vorzubeugen. Auf dem Gelände im Südosten von Bangladesch gibt es insgesamt 34 Flüchtlingslager, die zusammen als das größte Flüchtlingslager der Welt gelten. Zudem wurde die Zahl der Helfer in den Camps um 80 Prozent reduziert.

Experten hatten immer wieder vor einer raschen Ausbreitung des Virus in den überfüllten Lagern von Cox's Bazar gewarnt, in denen die verfolgten Muslime aus dem benachbarten Myanmar seit 2017 unter verheerenden Bedingungen in Zelten oder Bambusbaracken leben.

Die Hilfsorganisation Care kritisierte, es sei in den überfüllten Camps nahezu unmöglich, den nötigen Sicherheitsabstand zu wahren. Auch die medizinische Versorgung reiche nicht aus, um einen Covid-19-Ausbruch aufzuhalten. Die internationale Gemeinschaft müsse jetzt Hilfsorganisationen in Bangladesch unterstützen, forderte die Care-Regionaldirektorin für Asien, Deepmala Mahla.

In Bangladesch ist die Zahl der Infektionsfälle in den vergangenen Tagen stark gestiegen. Bislang infizierten sich nach offiziellen Angaben fast 19.000 Menschen mit dem Virus, etwa 300 Menschen starben.

Quelle: ntv.de, ysc/AFP