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Absturz über dem Sinai Russland hält Terrorakt für möglich

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Ausnahmezustand am Flughafen Scharm el Scheich: Das Gepäck fliegt separat nach Hause.

(Foto: AP)

Mehrere Tage nach dem britischen Geheimdienst schwenkt die russische Regierung auf die Terror-Theorie um: Die 224 Insassen des russischen Airbus A321 könnten tatsächlich einer Bombe zum Opfer gefallen sein, heißt es aus Moskau.

Die russische Regierung hat erstmals eingeräumt, dass der Absturz des russischen Passagierflugzeugs in Ägypten womöglich doch auf einen Anschlag zurückzuführen sein könnte. "Die Möglichkeit eines Terroraktes besteht selbstverständlich", sagte Ministerpräsident Dmitri Medwedew in einem am Abend in Auszügen veröffentlichten Interview der "Rossiskaja Gazeta".

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(Foto: n-tv.de / stepmap.de)

Der Airbus A321 der russischen Fluggesellschaft Metrojet war am 31. Oktober wenige Minuten nach dem Start in Scharm el Scheich unter bislang ungeklärten Umständen abgestürzt. Keiner der 224 Menschen an Bord überlebte das Unglück.

Geheimdienstexperten aus Großbritannien hatten bereits früh den Verdacht geäußert, dass eine Bombe an Bord der Maschine den Ferienflieger zum Absturz gebracht haben könnte. Von offizieller russischer Seite wurden solche Vermutungen bisher als Spekulation zurückgewiesen.

Lücken in der Gepäckkontrolle?

Die britische Regierung schickte Fachleute nach Ägypten, um die ägyptischen Stellen bei der Verschärfung der Sicherheitskontrollen an den internationalen Flughäfen des Landes zu unterstützen. Nach einem Stopp für alle Flüge nach Großbritannien saßen zeitweise mehrere Tausend britische Touristen in den Urlaubshochburgen auf dem Sinai fest.

Erst einen Tag später zogen die Russen nach: Am vergangenen Freitag ordnete Präsident Wladimir Putin auf Empfehlung des Inlandsgeheimdienstes FSB die vorübergehende Aussetzung aller Flüge von Russland nach Ägypten an. Der ägyptische Ableger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hatte am vergangenen Mittwoch erneut erklärt, Kämpfer des IS hätten die Maschine zum Absturz gebracht.

80.000 gestrandete Russen

Medwedew sagte während einer Kabinettssitzung zu Wochenbeginn, die von Putin angeordnete Sicherheitsmaßnahme sei angesichts der zahlreichen russischen Touristen in Ägypten notwendig, solange die Absturzursache nicht geklärt sei. Offenbar trauen die Sicherheitsbehörden den Standards bei der Passagierabfertigung vor Ort nicht mehr über den Weg.

Von etwa 80.000 Russen, die sich am vergangenen Freitag noch in Ägypten aufhielten, wurden mittlerweile rund 25.000 aus Scharm el Scheich, Hurgada und Kairo mit Sonderflügen nach Russland gebracht, wie der stellvertretende Regierungschef Arkadi Dworkowitsch mitteilte.

Frachtmaschinen mit Urlaubsgepäck

Das Gepäck wurde getrennt von den Passagieren in separaten Frachtmaschinen nach Russland gebracht. Dworkowitsch sagte während der Kabinettssitzung, es werde noch zwei Wochen dauern, bis auch die übrigen russischen Touristen zu Hause seien.

Für den Hersteller des abgestürzten Flugzeugs ergeben sich bislang keine dringlichen Konsequenzen aus dem Vorfall ab. Wie Airbus-Chef Fabrice Brégier erklärte, mussten an der Flotte des betroffenen Flugzeugtyps A321 in Reaktion auf den Absturz keine technischen Maßnahmen vorgenommen werden. Allerdings müssten die Schlussfolgerungen der Ermittler abgewartet werden, fügte Brégier in einem Interview mit dem Sender CNBC während der Luftfahrtmesse in Dubai hinzu.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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