Panorama

Weiter "schwierige" Corona-Lage Russland sieht langsamere Ausbreitung

Staatliche Mitarbeiter in Schutzkleidung desinfizieren den Kiewer Bahnhof in Moskau..

Staatliche Mitarbeiter in Schutzkleidung desinfizieren den Kiewer Bahnhof in Moskau.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mehr Coronavirus-Infektionen als in Russland gibt es weltweit nur in den USA. Trotzdem meldet der Staat vergleichsweise wenige Todesfälle. Dieses Zahlenrätsel wird seit Tagen von westlichen Medien hinterfragt. Nun verzeichnet die russische Regierung auch Erfolge bei der Ausbremsung der Infektionen.

Die Zunahme neuer Corona-Infektionen in Russland ist nach den Worten von Regierungschef Michail Mischustin gestoppt worden. Die Lage sei weiterhin "schwierig", aber es sei gelungen, die Zunahme neuer Fälle zu bremsen, sagte Mischustin. Mischustin sprach von einer "positiven Dynamik". Auch die Zahl geheilter Covid-19-Patienten nehme zu. Laut Gesundheitsministerium in Moskau wurden seit Sonntag rund 8900 neue Infektionen innerhalb von 24 Stunden gemeldet. Damit lag der Zuwachs erstmals seit Anfang des Monats bei weniger als 9000 neuen Fällen.

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Insgesamt wurden in Russland laut Behörden bislang rund 291.000 Infektionen mit dem Coronavirus registriert, das ist die zweithöchste Zahl weltweit nach den USA. Mehr als 2700 Menschen starben. Das ist vergleichsweise wenig. Kritiker bezweifeln die niedrige Todesrate und werfen den Behörden vor, nicht alle Todesfälle durch das Coronavirus zu melden, um das wahre Ausmaß der Krise zu verschleiern.

Hintergrund sind Artikel der britischen Zeitung "Financial Times" und der "New York Times" aus den USA, wonach Moskau die tatsächliche Zahl der Toten verschleiere. "Die russischen Behörden sind die letzten, die die Wahrheit verbergen", hatte Außenminister Sergej Lawrow am Freitag der Zeitung "RBK" gesagt. "Es geht um Menschenleben und es ist empörend, damit zu spielen." Er warf den Zeitungen indirekt vor, mit der Corona-Lage "ein bestimmtes Land zu verunglimpfen".

Andere Todesursache auf Sterbeurkunde?

Die russische Medienaufsicht Roskomnadsor leitete wegen der Berichte Ermittlungen ein. Es werde geprüft, ob ein Verstoß gegen das Verbreiten falscher Information vorliege. Der zuständige Ausschuss der Staatsduma forderte ein Einschreiten der Staatsanwaltschaft. Die "New York Times" wies die Vorwürfe aus Moskau zurück. Der Bericht beruhe auf öffentlich zugänglichen Behördendokumenten. Die Zeitung war kürzlich für ihre kritische Berichterstattung über Russland mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden.

Beide Blätter hatten berichtet, dass die Zahl der Corona-Toten in Russland höher sei, als in der offiziellen Statistik angegeben. Mediziner hatten dies etwa damit erklärt, dass auf den Sterbeurkunden andere Todesursachen wie eine Lungenentzündung angegeben würden - Covid-19-Todesfälle nur dann, wenn sie eindeutig als solche gelistet würden.

Quelle: ntv.de, agr/AFP/dpa