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Hohe Übersterblichkeit Russlands Statistiker zählen weit mehr Corona-Tote

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Nach neuen Angaben sind in Russland mehr als 186.000 Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Statistiken zur Übersterblichkeit stellen die offiziellen Corona-Daten Russlands in ein zweifelhaftes Licht. Demnach sind seit Jahresbeginn mehr als drei Mal so viele Menschen nach eine Infektion mit dem Virus gestorben.

In Russland sind wohl weit mehr Menschen nach einer Corona-Infektion gestorben, als bisher bekannt. Wie aus Daten der Statistikbehörde Rosstat hervorgeht, ist alleine im November die Übersterblichkeit um 55,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen - absolut von 141.000 auf 219.900. Mehr als 35.000 starben demnach im November nach einer Infektion mit dem Coronavirus. Als Übersterblichkeit wird eine im Vergleich zu anderen Zeiträumen oder Erwartungswerten erhöhte Sterberate bezeichnet.

Die Zahlen stehen im Kontrast zu den offiziellen Meldedaten Russlands. Nach Angaben der Regierung starben seit Beginn der Pandemie insgesamt rund 55.000 Menschen an einer Covid-19-Erkrankung. Die Regierung weist in ihren Zahlen allerdings nur jene Fälle aus, in denen Covid-19 durch eine Autopsie zweifelsfrei als Todesursache bestätigt wurde. Das Statistikamt hingegen listet auch Fälle auf, bei denen davon ausgegangen wird, dass Covid-19 nur Begleiterkrankung war und der Mensch auch ohne die Krankheit gestorben wäre.

Insgesamt starben den Angaben des Statistikamts zufolge seit Jahresbeginn in Russland rund 229.700 Menschen mehr als im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einer Übersterblichkeit von mehr als 13 Prozent. 186.000 dieser Todesfälle stünden laut Rosstat in Verbindung mit dem Coronavirus - das wären mehr als dreimal so viele wie offiziell gemeldet. Nur in den USA mit mehr als 330.000 Toten und Brasilien mit mehr als 190.000 Toten wurden mehr Opfer der Pandemie registriert.

Mehr als drei Millionen Infizierte

Insgesamt wurden seit Beginn der Pandemie mehr als drei Millionen Infektionen mit dem Coronavirus in Russland nachgewiesen. Dies ist die vierthöchste Fallzahl der Welt. Experten hatten daher bereits Zweifel an der bislang relativ niedrigen offiziellen Opferzahl geäußert, auf deren Grundlage die russischen Behörden ihre Strategie gegen das Virus für erfolgreich erklärten.

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Derzeit kämpft Russland mit einer zweiten Pandemie-Welle. Dennoch will die russische Regierung aus Rücksicht auf die Wirtschaft einen weiteren Lockdown vermeiden. Sie setzt im Kampf gegen die Pandemie auf den russischen Corona-Impfstoff Sputnik V.

Wie viele Menschen in Russland bereits geimpft wurden, haben die Behörden bislang nicht mitgeteilt. Der Impfstoff-Entwickler, das staatliche Gamaleya-Forschungsinstitut, teilte mit, dass bisher rund 700.000 Dosen ausgeliefert worden seien. In einer Umfrage des staatlichen Instituts VTsIOM vom Mittwoch hatten allerdings nur 38 Prozent der Befragten in Russland angegeben, dass sie sich gegen das neuartige Coronavirus impfen lassen wollen.

Quelle: ntv.de, jog/uzh/AFP/dpa