Panorama

Kunstaktion #Yolocaust Satiriker montiert Selfies mit KZ-Fotos

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Diese jungen Männer hinterließen den völlig gedankenlosen Kommentar "Auf toten Juden rumspringen".

(Foto: yolocaust.de)

Mit seinem Projekt "Yolocaust" entlarvt ein junger Satiriker das Verhalten vieler Menschen am Berliner Holocaust-Denkmal. Er montiert Schnappschüsse mit KZ-Fotos - und plötzlich steht die Yoga-Dame mit einem Bein in einem Meer von Leichen.

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Nach der Foto-Montage wird ihnen hoffentlich klar, was diese Worte wirklich bedeuten.

(Foto: yolocaust.de)

Eine junge Frau übt Yoga, ein Mann jongliert mit Bällen, eine leicht bekleidete Joggerin macht ein Workout - aber sie tun das nicht irgendwo, sondern mitten, auf oder an den Stelen des Berliner Holocaust-Mahnmals. Am schlimmsten sind zwei junge Männer, die wild umherspringen und unter ihr Bild schreiben: "Auf toten Juden rumspringen.

Jeden Tag besuchen rund 10.000 Menschen das Denkmal für die Ermordung der Juden Europas, doch nicht alle verhalten sich angemessen. Seit Langem beobachtet der jüdische Satiriker Shahak Shapira, dass Menschen das Holocaust-Mahnmal als Kulisse für Selfies missbrauchen und diese in den sozialen Medien posten. Um die Absurdität solcher Bilder zu verdeutlichen, hat er sein neuestes Kunstprojekt "Yolocaust" gestartet.

Yolocaust

Yolocaust ist eine Wortschöpfung aus dem Wort "Yolo", abgekürzt für "you only live once" und dem Wort Holocaust.

Auf der gleichnamigen Website zeigt Shapira schockierende Fotomontagen. Zunächst sieht der Betrachter Selfies und Schnappschüsse der Touristen am Holocaust-Mahnmal. Erst, wenn man auf die jeweiligen Fotos klickt, verändern sie sich. Die Farbe verschwindet und der Hintergrund verändert sich: Dann steht die Yoga-Dame plötzlich mit einem Bein in einem Meer von Leichen und der Balljongleur kniet in einem Massengrab eines Vernichtungslagers.

Die schwarz-weiß Montagen führen schmerzlich vor Augen, wie unangebracht es ist, an einem Erinnerungsort für sechs Millionen ermordete Juden für ein lustiges Selfie zu posieren. Shapira, der von sich selbst sagt, er sei der schlechteste Jude der Welt, hält der Gesellschaft den Spiegel vor Augen. Unter den FAQs antwortet Shapira auf die Frage, ob das Verhalten einiger Menschen den Opfern des Holocaust gegenüber respektlos sei, satirisch: "Die Opfer sind tot, also bleibt es fragwürdig, ob es sie die Bohne interessiert."

Shapira wurde bekannt, nachdem er in einer vollen Berliner U-Bahn antisemitische Gesänge filmte und dafür verprügelt wurde. Im Dezember 2016 machte er dann mit einem AfD-Adventskalender bei Facebook Schlagzeilen, für den er Fotos von AfD-Politikern mit ihren besonders absurden Aussagen kombinierte.

 "Dieses Projekt widme ich meinem Lieblings-Neonazi, Bernd Höcke", schreibt Shapira zu seinem jüngsten Projekt. Der AfD-Politiker hatte das Holocaust-Mahnmal jüngst als "ein Denkmal der Schande" bezeichnet. Höcke solle sich das mal anschauen und reflektieren, was er da in Dresden so über Erinnerungskultur gesagt habe, sagte Shapira dem Magazin "Jetzt".

Reumütigen Mahnmal-Selfiemachern bietet Shapira die Chance, die Fotos löschen zu lassen: "Ich bin auf einem der Fotos zu erkennen und schäme mich plötzlich, es öffentlich ins Internet hochgeladen zu haben. Kannst du es entfernen?" Seine süffisante Antwort: "Ja. Schicke eine Email an undouche.me@yolocaust.de".

Quelle: ntv.de