Panorama

Regierung verteidigt Sonderweg Schweden meldet mehr als 5000 Corona-Tote

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In Schweden sind die Einschränkungen im europäischen Vergleich eher milde.

(Foto: imago images/TT)

Während Nachbar Dänemark keinen neuen Todesfall nach einer Corona-Infektion meldet, registriert Schweden an einem Tag 102 Tote nach Ansteckung mit dem Virus. Trotzdem hält die Regierung in Stockholm an ihrer Strategie fest - Ministerpräsident Löfven glaubt zu wissen, warum die Zahl so hoch ist.

In Schweden sind mittlerweile mehr als 5000 mit dem Coronavirus infizierte Menschen gestorben. Die Zahl der von der staatlichen Gesundheitsbehörde verzeichneten Todesfälle stieg auf 5041, was einer Zunahme um 102 im Vergleich zum Vortag entsprach. Mehr als 54.500 Corona-Infektionen wurden in dem skandinavischen EU-Land bislang nachgewiesen. Schweden verfolgt in der Corona-Pandemie einen Sonderweg mit vergleichbar lockeren Regeln, der allerdings zunehmend in die Kritik gerät.

Zum Vergleich: Im benachbarten Dänemark, wo etwa halb so viele Menschen wie in Schweden wohnen und bislang knapp 13.000 Infektionen bestätigt sowie 598 Tote verzeichnet wurden, kam kein neuer Todesfall hinzu. Schweden hatte nach dem Ausbruch der Pandemie weniger strenge Maßnahmen verfügt als alle anderen europäischen Länder in der Corona-Krise. Auch hier gelten für die Bürger aber bestimmte Corona-Beschränkungen wie ein Besuchsverbot in Altersheimen oder eine maximale Teilnehmergrenze von 50 Personen für öffentliche Versammlungen. Bei Abstandsregelungen blieb es bei der Empfehlung, diese in Eigenverantwortung zu respektieren.

Trotz steigender Fallzahlen verteidigte Ministerpräsident Stefan Löfven in der Zeitung "Expressen" den Kurs seines Landes. "Leider sterben zu viele Menschen in unseren Altenheimen", erklärte der sozialdemokratische Regierungschef. Das habe weniger mit einer falschen Strategie gegen die Pandemie zu tun als viel mehr damit, dass die Altenpflege nicht gut genug funktioniere, so Löfven.

Restaurants, Kneipen und Cafés blieben in Schweden anders als in vielen anderen europäischen Ländern ebenso durchgehend geöffnet wie Schulen und Kindergärten. Verglichen mit Deutschland hat Schweden mit seinen 10,3 Millionen Einwohnern auf die Bevölkerungszahl gerechnet fünfmal so viele Todesfälle, also eine deutlich höhere Todesrate. In Großbritannien, Spanien, Italien und Belgien liegt dieser Wert jedoch noch höher, wie aus Zahlen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten hervorgeht.

*Datenschutz

Auch von Reisen ins Ausland hatte das Land seinen Bürgern lange abgeraten. Diese Beschränkungen werden nun aber gelockert: Ab dem 30. Juni ist es für Schweden wieder möglich, in zehn Staaten Europas zu reisen, sagte Außenministerin Ann Linde. Deutschland sowie Schwedens Nachbarn Dänemark, Norwegen und Finnland gehören nicht dazu, dafür aber die Urlaubsländer Spanien, Italien und Griechenland sowie Belgien, Frankreich, Island, Kroatien, Luxemburg, Portugal und die Schweiz. Die Maßnahme werde zurückgefahren, weil diese Länder ihre Grenzen für Reisende aus Schweden und den Rest der EU geöffnet hätten, so Linde. Deutschland hingegen hat die Reisewarnung für Schweden noch nicht aufgehoben.

Quelle: ntv.de, tsi/dpa