Panorama

Zusammenhalt in Lübtheen Schwesig: Erleben einen anderen Osten

ea02f3da9919bc6ebd1ac78e65be00d9.jpg

Insgesamt erfassten die Flammen eine Fläche von mehr als 1200 Hektar.

(Foto: dpa)

Der Waldbrand bei Lübtheen ist unter Kontrolle. Jetzt können fast alle Einwohner wieder in ihre Häuser zurück. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Schwesig spricht mit Blick auf dein Einsatz von "gelebter Solidarität" - und stellt Forderungen an den Bund.

Die Feuerwehr hat den riesigen Waldbrand bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern unter Kontrolle. Der Brand sei von allen Seiten eingekesselt, sagte SPD-Landrat Stefan Sternberg. "Die Feuerwalze wurde gestoppt." In drei der vier evakuierten Orte dürfen etwa 450 Bewohner wieder zurückkehren. Für Trebs und Jessenitz-Werk war die Evakuierung bereits aufgehoben worden, nun auch für die kleine Gemeinde Volzrade. Nur noch die Einwohner von Alt Jabel müssen auf ihre Rückkehr warten. Auch viele Straßensperren würden aufrechterhalten, teilte Sternberg mit.

Der größte Waldbrand in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns war am Sonntag ausgebrochen. Jetzt sei das Feuer auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz "zum ersten Mal im Griff", sagte Sternberg. Die Riegel aus vernässten Flächen und Erdwällen funktionierten. Insgesamt hatten die Flammen eine Fläche von mehr als 1200 Hektar erfasst.

Angreifen, einkesseln und wieder angreifen

Am Nachmittag brannte es noch auf einer Fläche von 670 Hektar, auf gut 500 Hektar war das Feuer dem Landrat zufolge weitgehend niedergebrannt. Der Chef des Landeskommandos Mecklenburg-Vorpommern, Brigadegeneral Gerd Kropf; sagte, wenn die Sperrriegel und Schneisen fertig seien, wäre das Feuer eingekreist. Man habe derzeit "genügend Räumpanzer um die Wirkforderung der Einsatzleitung umzusetzen", sagte er weiter. "Wir haben angegriffen, versuchen nun den Kessel zu schließen und setzen den Angriff aus der Luft fort", fasste er den Tag zusammen. Ministerpräsidention Manuela Schwesig zitierte einen Feuerwehrmann mit den Worten: "Ohne die Bundeswehr wären wir aufgeschmissen."

Nach Angaben der Feuerwehr flackerten an vielen Stellen noch Glutnester auf. Aktuell waren laut Sternberg zuletzt rund 1000 Einsatzkräfte pro Schicht aktiv. Vor allem die Zahl der Soldaten war zuvor nochmals erhöht worden. Es stehe zudem genügend Wasser für die Löschhubschrauber zur Verfügung, nachdem die Lage am Vortag etwas kritisch eingeschätzt worden war, sagte er weiter.

Bundeskanzlerin Angela Merkel drückte den Helfern, die unerschöpflich im Einsatz seien, ihren "tiefen Dank" aus, wie Regierungssprecher Steffen Seibert sagte. Es sei geplant, weitere Geräte der Bundeswehr einzusetzen. Dabei gehe es vor allem um Berge- und Räumpanzer, um weitere Brandschutzschneisen zu schaffen.

"Das ist der Eindruck, der bleiben wird"

Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Schwesig, die am Vortag ihren Sommerurlaub unterbrochen hatte, hob die Hilfe der Menschen untereinander und auch aus anderen Bundesländern hervor: "Das, was wir hier in Mecklenburg-Vorpommern gerade in dieser Katastrophensituation erleben, das ist gelebte Solidarität." Das stehe auch dem Eindruck entgegen, dass sich die Gesellschaft immer mehr spalte. Hier zeige sich Zusammenhalt: "Wir erleben einen anderen Osten als oftmals gezeichnet." Die SPD-Politikerin fügte hinzu: "Das ist der Eindruck, der bleiben wird."

Bei der Brandbekämpfung habe der Landkreis auch Unterstützung des Bundes erhalten - etwa in Form der Hubschrauber oder Bundeswehr-Räumtechnik. Doch müsse über das aktuelle Ereignis hinaus geklärt werden, wie man in Deutschland generell mit solchen Bränden auf ehemaligen Militärstandorten umgeht. "Die Menschen hier in der Region haben zu Recht die Erwartung, dass eine Fläche, die dem Bund gehört, die seit Jahrzehnten mit Munition belastet ist, nicht einfach so brach liegt", sagte Schwesig. Ein Zukunftskonzept sei erforderlich. "Wir wünschen uns, dass der Bund wieder stärker in Verantwortung geht, dass dieses Gelände geräumt wird", machte die Regierungschefin deutlich. Nach den Worten Sternbergs soll dieses Problem auch mit CSU-Bundesinnenminister Horst Seehofer erörtert werden, der in der kommenden Woche in Lübtheen erwartet werde.

Noch immer kommt es zu Detonationen

Wegen des mit Alt-Munition und Blindgängern belasteten Bodens können sich die Feuerwehren zu ihrem eigenen Schutz den Brandherden nur auf 1000 Meter nähern. Immer wieder kommt es im Brandgebiet zu Detonationen. Das Betreten der Waldfläche ist strikt verboten. Es bestehe Lebensgefahr, teilte der Landkreis Ludwigslust-Parchim mit. Da es bei auffrischendem Wind zu verstärkter Rauchbelastung kommen kann, werden Anwohner in den umliegenden Gemeinden gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Feuerwehr-Einsatzleiter Wolfgang Krause sagte, es gebe drei neuralgische Punkte, die im Osten des Brandgebiets mit einem Ausmaß von etwa vier mal drei Kilometern lägen. Die bedrohten Dörfer befinden sich im Westen des Brandgebiets.

Auch in der Nacht hatten die Feuerwehren weitere Flächen bewässert. Über diese Schneisen hinaus soll sich das Feuer nicht ausbreiten können, wie die Einsatzleitung hofft. Zehn der insgesamt 22 Wasserwerfer hätten am vergangenen Tag eine Million Liter Wasser ins Gelände gebracht. Ziel sei, dass der Brand, soweit er sich auf dem ehemaligen mit Alt-Munition kontaminierten Truppenübungsplatz befindet, "von alleine ausgeht", sagte Krause.

Quelle: n-tv.de, aeh/AFP/dpa

Mehr zum Thema