Panorama

Sorge um Obdachlose in Paris Seine-Hochwasser nähert sich Rekordwert

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Diese Brücke in Paris versinkt in den Fluten: Erstmals seit 35 Jahren erreicht der Pegel der Seine die Sechs-Meter-Marke.

(Foto: dpa)

Die Schifffahrt eingestellt, die Museen geschlossen - Paris leidet unter dem schlimmsten Hochwasser seit fast 35 Jahren. Während Touristen enttäuscht sind, haben die Behörden ganz andere Sorgen. Sie fürchten um das Leben zahlreicher Obdachloser.

Der Starkregen der vergangenen Tage hat die Seine in Paris so stark ansteigen lassen wie seit fast 35 Jahren nicht mehr. Der Pegelstand des Flusses erreichte laut Umweltministerium die Sechs-Meter-Marke und sollte bis zum Abend weiter steigen. Wegen der Überschwemmungen wurden der Louvre und weitere Museen geschlossen, Uferstraßen und eine Bahnlinie blieben gesperrt.

Auch Schiffe durften auf der stark angeschwollenen Seine nicht mehr fahren - betroffen davon sind sowohl die beliebten Ausflugsboote als auch Frachtschiffe. Nach Angaben des Umweltministeriums wurde am Mittag bei einer Messstation ein Wasserstand von sechs Metern gemessen. Bis zum Abend wurde ein neuer Höchststand von bis zu sechseinhalb Metern erwartet.

Hollande kommt Betroffenen entgegen

Zum Vergleich: Vor einer Woche lag der Pegelstand noch unter 1,30 Meter. Frankreichs Staatschef François Hollande hat bereits angekündigt, dass die betroffenen Gebiete bei der nächsten Kabinettssitzung am Mittwoch zu Katastrophengebieten erklärt werden soll. Das ist wichtig für eine Entschädigung der Betroffenen.

Einen vergleichbaren Wasserstand hatte die Seine in Paris 1982, damals wurden 6,15 Metern gemessen. Bei der Jahrhundertflut im Jahr 1910 waren es 8,62 Meter. Der Wasserstand dürfte das gesamte Wochenende auf einem sehr hohen Niveau bleiben und erst dann langsam zurückgehen. Wegen des Hochwassers blieben das weltberühmte Louvre-Museum und das Impressionisten-Museum Musée d'Orsay am Seine-Ufer geschlossen: Aus Angst vor Überschwemmungen wurden in den Untergeschossen gelagerte Werke in höhere Etagen gebracht. Am Nachmittag schloss auch der für seine Ausstellungen bekannte Grand Palais als Vorsichtsmaßnahme seine Pforten.

Touristen reagieren enttäuscht

Viele Touristen reagierten enttäuscht. "Wir wollten heute in den Louvre und dann bei einer Bootstour auf der Seine zu Abend essen. Beides wurde gestrichen", sagte die US-Touristin Elle Yarborough. Auch die schottischen Touristinnen Alison und Susan Mc Sheaffrey, die vergeblich zum Musée d'Orsay gekommen waren, zeigten sich "sehr enttäuscht". "Das ist schade, aber es gibt in dieser Stadt so viel zu tun, dass wir uns nicht langweilen werden." Zugleich zog das Schauspiel der Wassermassen, die Uferstraßen, Bootsstege und Promenaden überflutet haben, zahlreiche Schaulustige an.

Bürgermeisterin Anne Hidalgo betonte, derzeit gebe es "keine Bedrohung für die Bevölkerung". Es müsse niemand seine Häuser verlassen. Sorgen bereitete aber das Schicksal von Obdachlosen, die häufig am Ufer der Seine unter Brücken schlafen. Umweltministerin Ségolène Royal sagte dem Sender France 2, sie fürchte, dass nach einem Sinken des Wasserspiegels "Opfer entdeckt werden könnten". Mitarbeiter des Rathauses versuchten Obdachlose zu überreden, von Überschwemmungen gefährdete Orte zu verlassen. Zwei Turnhallen wurden als Schlafplätze geöffnet.

Auch andere Teile des Landes betroffen

Die Überschwemmungen haben auch in der Region um Paris und in der Loire-Region zu schweren Verwüstungen geführt. Am Donnerstag wurde ein Reiter im südwestlich von Paris gelegenen Evry-Grégy-sur-Yerres von den Wassermassen fortgerissen. Die Leiche des 74-Jährigen wurde zwei Stunden später geborgen. Seit Beginn der heftigen Regenfälle am vergangenen Wochenende rückte die Feuerwehr landesweit zu 16.000 Einsätzen aus. 20.000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht.

Auch in Belgien ist ein Mann bei dem Versuch gestorben, seine Bienenstöcke vor Hochwasser in Sicherheit zu bringen. Der etwa 60 Jahre alte Mann galt im Dorf Harsin seit Donnerstagabend als vermisst, wie ein Sprecher der übergeordneten Gemeinde Nassogne sagte. Er sei durch den Fluss Wamme mitgerissen worden. Am Vormittag hätten Rettungskräfte seine Leiche entdeckt.

Belgien war von den Überschwemmungen in Europa in den vergangenen Tagen zunächst weitgehend verschont geblieben. In den Ardennen traten aber mehrere Flüsse und Bäche über die Ufer, einige Straßen mussten wegen Schlammlawinen gesperrt werden. Einige Dutzend Menschen mussten in Notunterkünfte gebracht werden.

Quelle: ntv.de, jgu/AFP

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