Panorama

Viele Infektionen, viele Tote Seniorenheime werden Corona-Brennpunkte

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Im Wolfsburger Hanns-Lilje-Heim arbeiten die Pflegekräfte inzwischen in Schutzkleidung.

(Foto: dpa)

15 Tote in einem Seniorenheim in Wolfsburg, 12 in Würzburg. Auch in Alten- und Pflegeheimen steigen die Infektionszahlen mit dem Coronavirus, viele Senioren erkranken auch schwer und sterben. Ist das Virus erst mal im Heim, wird die Lage dramatisch.

Alten- und Pflegeheime entwickeln sich zu einem besonderen Brennpunkt in der Corona-Epidemie. Im Hanns-Lilje-Heim im niedersächsischen Wolfsburg sind inzwischen 15 Menschen an dem Virus gestorben. Am Sonntag wurde der Tod von drei weiteren Bewohnern im Alter von 80, 86 und 88 Jahren gemeldet. Die Lage hatte sich dort am Freitag zugespitzt, als die Stadt acht Todesfälle meldete. Von etwa 165 Bewohnern des Heims waren am Samstag laut Gesundheitsamt 72 infiziert. In dem kirchlich geführten Haus, in dem überwiegend Demenzkranke leben, werden Infizierte nun strikt von negativ getesteten Bewohnern getrennt.

Eine ähnliche Entwicklung hatte es zuvor schon im Seniorenheim St. Nikolaus in Würzburg gegeben. Zwölf Bewohner der Einrichtung sind bereits gestorben. Am Donnerstag vergangener Woche waren 44 Bewohner und 32 Mitarbeiter des Nikolausheims positiv getestet worden. Die Stadt Würzburg entschied sich gegen die teilweise Evakuierung der Einrichtung. Dagegen sprach laut Oberbürgermeister Christian Schuchardt vor allem die Transportgefahr für die pflegebedürftigen und teils demenziell erkrankten Bewohner und die Gefahr, "dass man einen neuen Hotspot" aufgemacht und durch den Transport eine weitere Infektionsgefahr bestanden hätte.

In Triptis hat die Arbeiterwohlfahrt ein komplettes Seniorenheim unter Quarantäne gestellt. In der Einrichtung haben sich bisher 21 Bewohner und Mitarbeiter mit dem Coronavirus angesteckt. Insgesamt leben in der Seniorenresidenz Triptis 66 Menschen. Sie dürfen ihre Zimmer nicht verlassen, das Pflegepersonal trägt Schutzkleidung. Das Landratsamt Schleiz fürchtet dennoch, dass sich die Lage in dem Pflegeheim noch "dramatisch" entwickeln könnte.

Kaum aufzuhalten

Schon seit Mitte März hatten Senioren- und Pflegeheime Besuche rigoros eingeschränkt. Alle Veranstaltungen mit externen Anbietern wurden abgesagt. Hausinterne Veranstaltungen wie Kochkurse, Gymnastik oder Singrunden finden noch statt. Der Geschäftsführer des Deutschen Pflegeverbandes, Rolf Höfert, nannte die Situation schon in der zurückliegenden Woche "dramatisch". "Die Pflegenden vor Ort tun im Moment alles, um die Krise einzudämmen und nicht zu verschärfen", so Höfert gegenüber RTL. Heftige Ausbrüche in Pflegeheimen seien nicht den Trägern anzulasten. Dennoch bedeute die Corona-Epidemie eine zusätzliche Belastung für das ohnehin schon knappe Personal. Die pflegerische Nähe begünstige die Ansteckung. Außerdem mangele es vielerorts an Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln.

Senioren gelten schon seit dem Ausbruch des Corona-Virus in China als größte Risikogruppe für eine Erkrankung. Durch Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes sind sie zudem oft in ihrer Immunabwehr geschwächt. Wegen der räumlichen Nähe in den Seniorenheimen lassen sich Ansteckungen kaum verhindern.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte inzwischen eine Überarbeitung der Schutzkonzepte für die rund 11.700 vollstationären Pflegeheime. Sobald ein Bewohner grippeähnliche Symptome zeige, müssten alle Heimbewohner getestet werden, forderte die in Dortmund ansässige Stiftung mit Blick auf den Fall in Wolfsburg. "Wird das Coronavirus nachgewiesen, muss das Gesundheitsamt mit der Heimaufsicht das medizinische Management unverzüglich übernehmen", hieß es in einer Stellungnahme von Stiftungsvorstand Eugen Brysch.

Quelle: ntv.de, sba

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