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"Ey Twitter, warum löscht ihr sowas nicht?" Shahak Shapira sagt Hassbeiträgen im Netz den Kampf an.
"Ey Twitter, warum löscht ihr sowas nicht?" Shahak Shapira sagt Hassbeiträgen im Netz den Kampf an.(Foto: dpa)
Dienstag, 08. August 2017

Hass-Tweets vor Twitter-Büro: Shapiras Sprühaktion sorgt für Diskussionen

Dreißig aufgesprühte Hass-Tweets: Damit protestiert der Künstler Shahak Shapira gegen die Löschpolitik von Twitter und kurbelt zugleich die Diskussion um Hassbotschaften im Netz an. Nun meldet sich nicht nur Twitter, sondern auch Justizminister Maas zu Wort.

Eine Sprühaktion des Berliner Künstlers Shahak Shapira vor der deutschen Twitter-Zentrale in Hamburg facht die Debatte um den Umgang mit Hass-Kommentaren im Netz neu an. Während Shapira für seine Idee in sozialen Medien viel Aufmerksamkeit und Zuspruch bekommt, werfen ihm Kritiker "unerlaubtes Graffiti" und Vandalismus vor.

Am Montag hatte sich Shapira in einem Tweet als Urheber der Aktion vorgestellt, bei der zahlreiche Hasskommentare aus dem Kurznachrichtendienst samt Nutzernamen auf den Boden vor dem Twitter-Büro gesprüht wurden. Er habe damit gegen die zurückhaltende Löschpraxis des Unternehmens protestiert, da nach seiner Meldung mehrerer hundert Kommentare nichts geschehen sei, erklärte Shapira.

Die mit einer offenbar wasserlöslichen Substanz gesprühten Kommentare auf deutsch und englisch waren schnell wieder entfernt worden. Twitter reagierte zurückhaltend: Aus Datenschutz- und Sicherheitsgründen äußere man sich nicht zu einzelnen Nutzeraccounts. In Bezug auf die in der Graffiti-Aktion zitierten Sprüche erinnerte Twitter an die Bestimmungen und Möglichkeiten, solche Inhalte zu melden. "Nutzer können diese Accounts auch stummschalten und blockieren", hieß es zudem.

Kritik an Löschpolitik von Twitter

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) verwies bei dem Kurznachrichtendienst auf die Aktion des Künstlers mit der Bemerkung, Twitter lösche nur ein Prozent der von seinen Nutzern gemeldeten Hasskriminalität. "Das reicht nicht." Maas stand hinter einem im Sommer angenommenen Gesetz, das Internet-Plattformen verpflichtet, Hassrede schneller zu löschen. In klaren Fällen soll das binnen 24 Stunden passieren, bei weniger eindeutigen Sachverhalten innerhalb einer Woche.

Kritiker, auch aus der Internet-Branche, bemängeln unter anderem, dass damit die Unternehmen eine Deutungshoheit bekämen. Außerdem gebe es die Gefahr, dass mehr gelöscht werde als nötig, um vor nach dem Gesetz drohenden Geldstrafen sicher zu sein. Maas konterte, es solle nur entfernt werden, was illegal sei - und die Firmen hätten ein wirtschaftliches Interesse, mehr Inhalte auf der Plattform zu haben.

Quelle: n-tv.de

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