Panorama

Gerettete Schwangere in Mariupol "Sie drohten, mein Kind in Stücke zu schneiden"

Marianna Vyshemirsky ist hochschwanger, als ihre Geburtsklinik in Mariupol im März von russischen Bomben getroffen wird. Die Bilder erschüttern die Welt. Der BBC berichtet die junge Frau nun von den anschließenden Drohungen gegen sie und ihr Kind.

Ihr Foto ging um die Welt: Die hochschwangere Marianna Vyshemirsky ist in eine Decke eingewickelt, ihr Gesicht blutverschmiert. Anfang März schlugen russische Bomben in die Geburtsklinik in Mariupol ein, wo die junge Frau untergekommen ist. Fotografen der Nachrichtenagentur AP dokumentieren ihre Flucht aus dem zerstörten Gebäude. Es werden ikonische Bilder des Angriffskrieges gegen die Ukraine. Doch kurz darauf diffamiert die russische Führung Vyshemirsky: Sie sei eine Schauspielerin, die Fotos seien inszeniert. Der BBC berichtet die 29-Jährige nun von ihren Erlebnissen - unter Aufsicht eines prorussischen Bloggers.

Vyshemirsky war vor dem Ukrainekrieg unter ihrem Mädchennamen Marianna Podgurskaya erfolgreiche Beautybloggerin auf Instagram. Dass die Bilder von ihr in Mariupol viral gingen, davon habe sie zunächst nichts mitbekommen, erzählt Vyshemirsky dem britischen Sender. Sie habe nach dem Luftschlag mehrere Tage kein Internet gehabt. Als sie wieder auf Instagram war, sei ihr Account voll von Hasskommentaren und Drohungen gewesen.

"Ich erhielt Drohungen, dass sie mich finden und töten und mein Kind in Stücke schneiden würden", sagt Marianna Vyshemirsky. Eine angebliche Inszenierung weist sie zurück. "Man hörte alles herumfliegen, Granatsplitter und andere Sachen", erzählt die junge Frau. "Die Geräusche hallten noch lange in meinen Ohren."

Beim Angriff auf eine Geburtsklinik in Mariupol wurden nach ukrainischen Angaben 17 Menschen verletzt.

Beim Angriff auf die Geburtsklinik in Mariupol wurden nach ukrainischen Angaben 17 Menschen verletzt.

(Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa)

Die russischen Behauptungen sind inzwischen widerlegt. AP-Fotografen bestätigen, dass es Luftschläge gab und die Fotos authentisch sind. Dass die Bilder für Falschmeldungen über sie benutzt wurden, belastet Vyshemirsky immer noch. "Es war wirklich demütigend, denn ich habe das ja alles erlebt." Gemeinsam mit den anderen Schwangeren und dem Klinikpersonal sei sie in den Keller geflohen, um sich vor dem Angriff in Sicherheit zu bringen, berichtet sie der BBC. Anschließend seien einige zurückgekehrt, um ihr Hab und Gut zu holen. Da sie nur leicht verletzt war, sei sie auch gegangen. Andere Frauen hätten weniger Glück gehabt.

"Wir wissen nicht, was der Morgen bringt"

Mit Kritik an dem russischen Staat hält sich Marianna Vyshemirsky in dem BBC-Interview jedoch zurück. Stattdessen macht sie den AP-Fotografen Vorwürfe. Diese hätten sie in Fotos hervorgehoben, anstatt weitere Schwangere zu befragen, um Berichte über die Echtheit der Angriffe zu stützen. Das könnte ihrer Meinung nach auch der Grund sein, warum manche Menschen "den Eindruck hatten, dass alles inszeniert war".

Wie frei Vyshemirsky im BBC-Interview sprechen kann, ist allerdings unklar. Wenige Tage nach ihrer Evakuierung bringt sie ihre Tochter Veronika zur Welt. Ihr Mann Yuri, ehemaliger Arbeiter im umkämpften Asow-Stahlwerk, und sie flohen aus Mariupol, wie Verwandte der BBC berichteten. Dann verlor sich für längere Zeit ihre Spur, bis Vyshemirsky in einem Video des prorussischen Bloggers Denis Seleznev auftauchte - aufgenommen in einem von Separatisten besetzten Gebiet des Donbass. Der gleiche Blogger habe auch das Interview mit der BBC vermittelt und sei auch während des Gesprächs anwesend gewesen.

Pläne für die Zukunft will Vyshemirsky nicht machen, "weil wir nicht wissen, was der Morgen bringt". Sie sei mit ihrem Mann in Sicherheit, erzählt sie. Ihre Tochter kam "zu einer schwierigen Zeit", sagt Vyshemirsky, "aber es ist besser unter diesen Umständen, als wenn sie gar nicht gekommen wäre".

Quelle: ntv.de, hny

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