Panorama

Feuerhölle in Kalifornien So katastrophal sind die Brände in den USA

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Ein Feuerwehrmann versucht ein brennendes Haus in Kalifornien zu löschen.

(Foto: AP)

In Kalifornien brennt es auf einer Fläche, die mehr als doppelt so groß ist wie das Saarland. Die Waldbrände sind die verheerendsten in der Geschichte des Bundesstaates. Und sie werfen viele Fragen auf. Ein Überblick.

Welcher Teil der USA ist von den Bränden betroffen?

Das Feuer wütet im US-Bundesstaat Kalifornien. Der Waldbrand besteht eigentlich aus drei Bränden: In der Region um den Ort Paradiese am Fuße der Sierra Nevada kämpfen die Einsatzkräfte gegen das "Camp Fire". Das Feuer, das rund um den Promi-Wohnort Malibu nördlich von Los Angeles brennt, wird "Woolsey Fire" genannt. Außerdem gibt es einen dritten Waldbrand, das "Hill Fire" im Bezirk Ventura nordwestlich von Los Angeles.

Wie groß sind die Waldbrände?

Das "Camp Fire" hat bislang 50.600 Hektar Land vernichtet. Am Dienstag gab es die Meldung, dass das Feuer bis zu 35 Prozent eingedämmt werden konnte. Dem "Woolsey Fire" nördlich von Los Angeles fielen 39.300 Hektar Land zum Opfer. Der Brand konnte bislang zu 40 Prozent eingedämmt werden. Damit ist eine Fläche zerstört, die mehr als doppelt so groß wie das Saarland ist. Bezüglich des "Hill Fires" ist lediglich bekannt, dass die Feuerwehrleute es zu 75 Prozent eindämmen konnten. Insgesamt ist das Inferno so gewaltig, dass die Rauchschwaden noch in vielen Kilometern Entfernung die Sonne verdunkeln. Damit sind die Waldbrände die schlimmsten in der Geschichte des US-Bundesstaates.

Wie viele Feuerwehrkräfte sind im Einsatz?

Aktuell kämpfen 5600 Feuerwehrleute gegen das "Camp Fire". Rund um das "Woolsey Fire" sind 3500 Feuerwehrkräfte im Einsatz.

Wie viele Tote gibt es bislang? Wie viele Menschen werden noch vermisst?

Aktuell sind 50 Menschen in den Flammen ums Leben gekommen. Berichten zufolge sind allein im "Camp Fire" 48 Menschen gestorben. Zwei weitere Menschen wurden demnach beim "Woolsey Fire" getötet. Die Zahl der Todesopfer dürfte weiter steigen, da noch hunderte Menschen vermisst werden.

Wie viele Häuser sind zerstört?

Das "Camp Fire" hat bislang rund 6500 Häuser in dem Ort Paradise zerstört. Dem "Woolsey Fire" fielen rund 435 Gebäude zum Opfer, darunter befinden sich viele Villen Prominenter. Hinzu kommen mehrere hundert Industrie- und Gewerbebetriebe.

Warum wird Kalifornien immer wieder von Waldbränden heimgesucht?

In der betroffenen Gegenden fielen seit mehr als 30 Wochen nicht mehr als ein Zentimeter Regen. Zwar ist es in Kalifornien in der Regel sehr trocken, aber normalerweise hätte bereits der Winterregen einsetzen müssen. Die verheerenden Waldbrände sind vor allem auf drei Ursachen zurückzuführen:

  1. Trockenheit: Auf der gesamten Nordhalbkugel war es den gesamten Sommer lang extrem trocken. In Kalifornien gab es bis zu 12,7 Zentimeter weniger Niederschlag.
  2. Vegetation: Der Pflanzenbestand ist im Vergleich zu US-Staaten wie Arizona, Colorado oder Utah, wo es auch sehr trocken ist, sehr üppig. Durch den wenigen Regen sind allerdings 129 Millionen Bäume abgestorben. Ein idealer Nährboden für Flammen.
  3. Starke Winde: Zum einen bringen die sogenannten Santa-Ana-Winde, die sich auf den Hochplateaus in der Wüste Nevadas bilden, trockene Luft nach Südkalifornien. Zum anderen verwehen sie die Glut und sorgen so für weitere Brandherde.

Warum ist es so schwierig, das Feuer unter Kontrolle zu kriegen?

Die Flammen werden durch Wind mit Windstärken von bis zu 100 Stundenkilometern immer wieder angefacht. Ein weiteres Problem: Das Feuer verbreitet sich nicht nur auf dem Boden, sondern auch in Baumwipfeln. Das heißt, die Flammen greifen von Baumkrone zu Baumkrone über.

Wie viele Menschen sind betroffen und sind sie versichert?

Mehr als zweihunderttausend Menschen sind von den Waldbränden betroffen. Sie müssen nicht nur vor den Flammen fliehen, sondern verlieren auch ihr gesamtes Hab und Gut. Für die meisten von ihnen bedeutet der Verlust des Hauses der totale Ruin. Denn der Versicherungsschutz gegen Feuer ist in den USA freiwillig und die Versicherung kann sich nicht jeder leisten. Nach Informationen des kalifornischen Versicherungsministeriums sind allein im Jahr 2016 in den kalifornischen Bezirken mit dem höchsten Brandrisiko 10.000 Verträge gekündigt worden. Auslaufende Verträge würden häufig nicht verlängert oder die Beiträge werden erhöht. Zwar gibt es für Härtefälle ein staatlich vorgeschriebenes Versicherungsprogramm. Im Schadensfall liegen die Auszahlungssummen aber deutlich unter dem Realwert der Immobilien.

Wie viel werden die Waldbrände kosten?

Schon jetzt ist klar: Die Katastrophe wird die Versicherungen schwer belasten. Verschiedene Schätzungen gehen von bis zu vier Milliarden Dollar Schadenssumme aus. Neben Wohngebäudeversicherern werden vor allem Hausrat- und Kfz-Versicherer zahlen müssen.

Wie viele Promis sind betroffen?

Auch die Villen mehrerer Stars sind in der Gegend rund um Malibu abgerannt. Darunter die  Häuser von Moderator Thomas Gottschalk, Popstar Miley Cyrus und Schauspieler Gerard Butler. Der US-Rapper Kanye West und seine Frau Kim Kardashian hatten ihr Anwesen in Hidden Hills mit privaten Feuerwehrleuten vor dem Feuer schützen können.

Wie reagiert Trump?

US-Präsident Donald Trump erklärte für Kalifornien den Katastrophenfall. Damit werden Bundeshilfen für die Waldbrandgebiete in dem Bundesstaat erleichtert. Am Sonntag hatte Trump zunächst das "schlechte Forstmanagement" in dem von den Demokraten regierten Bundesstaat für die Waldbrände verantwortlich gemacht. Die Feuerwehrgewerkschaft hatte den Vorwurf als "falsch und gefährlich" zurückgewiesen. Einen Tag später hatte Trump dann den Feuerwehrleuten und Rettungsdiensten für ihren Einsatz gedankt.

Wie werden die Toten identifiziert?

Wenn die Flammen gelöscht sind - oder wo sie keine Grundlage mehr zum Brennen finden - betreten Feuerwehrleute die ausgebrannten Häuser. Falls noch Menschen anwesend waren, sind von ihnen meist nur noch verkohlte Knochenteile übrig. Bei der Identifizierung der Leichen helfen Anthropologen und ein DNA-Labor. Außerdem sind Leichen-Spürhunde im Einsatz.

Sind auch in Deutschland vergleichbare Brände möglich?

Zumindest nicht in dem Ausmaß wie in Kalifornien. Denn: In Deutschland herrscht bislang noch kein Mittelmeerklima und es gibt hier auch keine Wüste, aus der trockene Winde kommen. Dennoch entstanden in den vergangenen Monaten auch hierzulande Waldbrände in einer Größenordnung, die Deutschland bislang noch nicht kannte.

Wie schützt sich Deutschland vor Waldbränden?

In einigen Gebieten Deutschlands warnen Sensoren vor entstehendem Feuer und schlagen Alarm. Mancherorts wird der Wald auch mitunter so gestaltet, dass eine Schneise mehrere Waldgebiete voneinander trennt. In diesen Schneisen wird die Vegetation dann klein gehalten. Ein guter Schutz vor Waldbränden bleibt allerdings Achtsamkeit: Eine weggeworfene Zigarette, eine Scherbe, auf die Sonnenlicht fällt oder ein zu heißes Auto, das auf einer trockenen Wiese geparkt ist: All das kann verheerende Brände auslösen.

Quelle: ntv.de