Panorama

Wird Spanien Hochinzidenzgebiet? Sorge vor Touri-Flaute auf Ibiza und Mallorca

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Leere Liegen am Strand von Cala Millor - ein Albtraum für die Tourismusbranche auf Mallorca.

(Foto: picture alliance/dpa/Revierfoto)

Noch ist offen, ob Deutschland ganz Spanien wegen steigender Infektionszahlen zum Hochinzidenzgebiet erklärt. Doch die Corona-Lage in dem Land lässt der Bundesregierung vermutlich keine andere Wahl. Eine deutsche Party-Sängerin sieht eine "Vollkatastrophe" auf die Urlaubsinsel Mallorca zukommen.

Die Leiterin eines großen Hotels auf Ibiza, Alicia Reina, sieht schwere Zeiten auf die Tourismusbranche zukommen, sollte Deutschland den Corona-Hotspot Spanien als Hochinzidenzgebiet einstufen. "Wenn sich das bewahrheitet, wäre es keine gute Nachricht", sagte die Präsidentin des Verbandes der Hoteldirektoren auf den Balearen (AEDH). Die Tourismusbranche setze aber auf die Impfkampagne, die gut vorankomme. "Die Daten werden sich hoffentlich bald zum Besseren ändern, während Spanien hart daran arbeitet, die notwendigen Maßnahmen zur Umkehr der Entwicklung umzusetzen", sagte Reina. Man müsse wohl lernen, mit dem Virus zu leben, und dabei vor allem die Lage in den Krankenhäusern und dort auf den Intensivstationen im Blick behalten.

Einem Medienbericht zufolge will die Bundesregierung Spanien und die Niederlande an diesem Freitag hochstufen. Wer nicht vollständig geimpft oder von Corona genesen ist, muss bei der Rückkehr aus einem Hochinzidenzgebiet nach Deutschland für zehn Tage in Quarantäne, die erst nach fünf Tagen durch einen negativen Test verkürzt werden kann. Dies trifft besonders jüngere Urlauber oder Kinder, von denen viele nicht geimpft sind.

"Wir waren auf einem guten Weg"

Eine drohende "Vollkatastrophe" sieht die deutsche Sängerin Isabel Buder-Gülck, die auf Mallorca als Isi Glück regelmäßig im Mega-Park an der Partymeile "Ballermann" auftrat. "Wir waren auf einem guten Weg und nun werden viele wieder stornieren", sagte sie. "Das ist ein herber Rückschlag für die Hoteliers und Gastronomen, die eigentlich nichts dafür können."

Eine Entscheidung der Bundesregierung über die Einstufung Spaniens als Hochinzidenzgebiet lag zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht vor. Angesichts der hohen Corona-Zahlen wäre eine solche Entscheidung aber gerechtfertigt, meinte Buder-Gülck. "Ich bin durchgeimpft und habe keine Angst vor einer Ansteckung", fügte die frühere "Miss Germany" hinzu.

Seit Ende Juni sind die Corona-Zahlen praktisch überall in Spanien rapide in die Höhe geschossen. Das Land hat mit die schlechtesten Werte in ganz Europa. Binnen eines Monats wurden rund 475.000 Neuinfektionen gezählt, die Sieben-Tagen-Inzidenz stieg von 42 im Juni auf jetzt 333, weit über der Marke von 200, ab der Deutschland ein Land zum Hochinzidenzgebiet erklären kann. Auf Mallorca lag der Wert zuletzt sogar bei 365.

Keine Panik unter Urlaubern

Währenddessen reagieren deutsche Urlauber auf Mallorca relativ gelassen auf die mögliche Einstufung ganz Spaniens als Hochinzidenzgebiet. Sabrina aus Remagen ist mit Mann und zwei Kindern im Alter von sieben Jahren und zehn Monaten in einer Ferienwohnung auf der Insel. "Mein Mann und ich sind geimpft. Wir sind relativ entspannt, aber ein unwohles Gefühl ist auch schon dabei", sagte sie. Größere Gruppen würden sie meiden. "Unserer großen Tochter droht eine Quarantäne. Trotzdem ziehen wir unsere Reise durch und bleiben bis Mitte August." Zu Hause hätten sie einen Garten und würden die Quarantäne der Kinder in Kauf nehmen.

Eher unaufgeregt sieht das auch Nancy Immel, die mit ihrem 17-jährigen Sohn in Cala Ratjada Urlaub macht. "Hier ist alles entspannt. In Palma und Magaluf ist die Ansteckungsgefahr größer." Sie finde es ungerecht, dass so auf Mallorca "eingedroschen" werde, woanders seien die Inzidenzen ja auch hoch. "Corona wird nicht mehr weggehen und wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben", sagt Immel. Ihr Sohn habe zwar erst eine Impfung und ihm drohe damit eine Quarantäne bei der Rückkehr, aber sie würden dennoch nicht daran denken, den Urlaub abzubrechen.

Quelle: ntv.de, mbe/dpa

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