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Erweiterung der Teststrategie Spahn plant kostenlose Schnelltests für alle

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Ein Testkit zum Selbsttesten - bald für alle kostenlos?

(Foto: picture alliance / HERBERT NEUBAUER / APA / picturedesk.com)

Zuverlässige Corona-Schnelltests können eine wichtige Rolle bei der Rückkehr zur Normalität spielen. Mittlerweile sind sie in großen Mengen am Markt verfügbar. Gesundheitsminister Spahn will sie deshalb auf Kosten des Bundes bereitstellen. Als Anlaufstellen sind Apotheken und Arztpraxen im Gespräch.

Ab dem 1. März soll jeder Bürger Anrecht auf kostenlose Corona-Schnelltests bekommen. Dies sieht eine Erweiterung der Nationalen Teststrategie vor, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dem Corona-Kabinett vorlegen will. Die Kommunen könnten geschultes Personal in ihren Testzentren oder in Apotheken mit solchen Angeboten beauftragen, schrieb Spahn auf Twitter. "Antigen-Schnelltests sind mittlerweile ausreichend am Markt verfügbar."

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) hatte zuerst über die Pläne berichtet. Demnach sollen die kostenlosen Tests auch in Arztpraxen und bei Zahnärzten erhältlich sein. Die Kosten übernehme der Bund, hieß es.

Solche Schnelltests, die nicht extra ins Labor geschickt werden müssen, werden bereits in Pflegeheimen, Kliniken und nach Infektionsfällen etwa auch in Schulen verwendet - aber vorerst nur von geschultem Personal. Die Schnelltests gelten allerdings als nicht so genau wie sonst genutzte PCR-Tests. Laut Robert Koch-Institut (RKI) muss ein positives Ergebnis eines Schnelltests daher mit einem PCR-Test bestätigt werden.

Schnelltests für den Hausgebrauch

Die Erweiterung der Nationalen Teststrategie sieht zudem vor, dass nach der Zulassung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auch neuartige Schnelltests für den Hausgebrauch angeboten werden sollen. "Diese Testmöglichkeiten können zu einem sicheren Alltag beitragen, gerade auch in Schulen & Kitas", schrieb Spahn. Seinen Angaben zufolge steht das Gesundheitsministerium in Verhandlungen mit verschiedenen Herstellern, um entsprechende Kontingente für den deutschen Markt zu sichern.

Das BfArM hofft, dass die Schnelltests für den Hausgebrauch noch im März zugelassen werden können. Demnach wurden fast 30 entsprechende Anträge gestellt. Nach Angaben des Verbandes der Diagnostica-Industrie haben die ersten Produkte bereits das Prüfverfahren durchlaufen und sind in Kürze lieferfähig.

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Die bisherigen Schnelltests verlangen einen Abstrich mit einem langen Stäbchen tief in der Nase oder im Rachen. Sie sollen nur von geschultem Personal gemacht werden - auch, weil der tiefe Abstrich für viele unangenehm ist. Bei den Schnelltests für den Hausgebrauch sind verschiedene Produkte im Gespräch, beispielsweise Gurgel- und Spucktests. Nach Ansicht von Wissenschaftlern könnten zuverlässige Selbsttests eine große Rolle bei der Rückkehr zu einem normalen Alltag spielen. Unter strengen Bedingungen ist etwa die Öffnung von Restaurants denkbar.

Für die Ausweitungspläne muss auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz ins Boot. Da die Tests der Pandemiebekämpfung und öffentlichen Gesundheit dienten, seien die Kosten rückwirkend ab 1. Januar aus dem Bundeshaushalt zu tragen, heißt es in einem Entwurf für das Corona-Kabinett. Angesetzt werden demnach bis zu 9 Euro für den Test und weitere 9 Euro für die Testabnahme sowie das Ausstellen eines entsprechenden Zeugnisses.

Quelle: ntv.de, chr/rts/AFP/dpa